Lindenberg

Main-Tauber-Kreis. Gemeinde und

Gemarkung Werbach

Fläche: 8,7 Hektar

Verordnung vom 26.04.1978

TK 25: Blatt 6323,6324

Nordöstlich von Tauberbischofsheim, kurz vor dem Ortseingang von Werbach, liegt in einem Seitentälchen auf der Ostseite des weiten Taubertals das Naturschutzgebiet »Lindenberg«. Die Tauber hat sich durch die gesamten Muschelkalkschichten eingeschnitten und ist zu beiden Seiten von recht steilen Hanglagen gesäumt. Aufgrund der Wärme und Niederschlagsarmut in dieser Gegend waren die Muschelkalkhänge noch nie intensiv landwirtschaftlich nutzbar und haben so ihren landschaftlichen Reiz und hohen Artenreichtum bis heute erhalten.

Der Schutzzweck des Gebietes die Erhaltung der typischen Vegetationsabfolge aus Wald Warme hebendem Saum Trockenrasen und Halbtrockenrasen, soll durch die Weiterführung der Nutzungen und der Pflegemaßnahmen erhalten werden Es ist weiterhin vorgesehen das Naturschutzgebiet nach Osten und nach Westen auszudehnen Hier schließen sich vergleichbare Lebensraume an die allerdings aufgrund mangelnder Nutzung und Pflege in einem schlechteren Erhaltungszustand sind Ein Pflegeplan für das erweiterte Gebiet wurde bereits von der BNL Stuttgart erstellt.

Das Naturschutzgebiet »Lindenberg« liegt unmittelbar benachbart zu einem großen Steinbruch. der in Betrieb ist. Der abbauwürdige Muschelkalk steht hier in besonders mächtiger Lagerung an. Der Blick auf das Naturschutzgebiet zeigt sofort den »steinigen Charakter«, der keine geschlossene Pflanzendecke aufkommen lässt. Der Steilhang selbst liegt im Unteren Muschelkalk, der im oberen Bereich von den deutlich sichtbaren. vegetationsarmen Schaumkalkschichten durchzogen wird. Die waldbestandene Kuppe liegt im Mittleren bis Oberen Muschelkalk.

An den Hanglagen des Lindenbergs wurde seit dem Mittelalter bis vor etwa hundert Jahren Wein angebaut. Anfang des 20. Jahrhunderts musste der Weinbau aufgrund massiver Schädlingskalamitäten aufgegeben werden. Danach wurden die Hänge mit Schafen beweidet. Nachdem auch diese Nutzung am Lindenberg etwa ab den 1950er Jahren eingestellt wurde, setzte die natürliche Verbuschung ein. Vor der Ausweisung als Naturschutzgebiet wurde am Lindenberg eine Kiefernaufforstung angelegt, die aber, als man den Naturschutzwert des Gebietes erkannte, wieder gerodet wurde. Im Zuge der Flurbereinigung kam das Gebiet in Gemeindeeigentum und wird seit Anfang der 1990er Jahre in den wüchsigeren Bereichen wieder von Schafen beweidet.

Im Naturschutzgebiet »Lindenberg« finden wir, bedingt durch die Lage am Hang, eine Abfolge verschiedener Vegetationstypen. Oben auf der Kuppe wächst ein WaldlabkrautEichen-Hainbuchen-Wald. Zur Hangkante hin lockert er sich in einen lichten, strauch- und krautreichen Waldmantel mit krüppelwüchsigen Buchen und Eichen auf. Den Übergang zur Freifläche bildet ein Saum mit den hohen, intensiv duftenden Stauden des Diptams. Darunter schließt sich auf den felsigsten Partien der Goldaster-Erdseggen-Trockenrasen mit seinen bunten, kleinwüchsigen Kräutern an.

Hangabwärts auf den rohbodenreicheren Standorten breitet sich der beweidete Halbtrockenrasen aus. Am Hangfuß des Lindenbergs liegen kleinere Streuobstwiesen, Wiesen und Äcker. Neben dem bereits genannten Diptam sind als Charakterpflanzen des Gebiets Berg-Kronwicke, Rauer Alant, Küchenschelle, Blut-Storchschnabel, Gold-Aster, Grauscheidiges Federgras, Kleine Wiesenraute und zahlreiche Orchideenarten zu nennen.

Hinweise für Besucher: Kurz vor dem südlichen Ortseingang von Werbach rechts Richtung Hohenloher Schotterwerke abbiegen. Weiter zu Fuß: vorbei am Steinbruch, weiter auf dem Schotterweg unterhalb entlang des gesamten Naturschutzgebiets, bis ein Weg links den Hang hinaufführt. Bei der Jagdhütte beginnt der markierte Rundweg, der durch das ganze Gebiet einschließlich des Waldes führt. Selbstverständlich darf das Naturschutzgebiet weder durch Nutzer noch durch Besucher geschädigt werden. Insbesondere dürfen keine Pflanzen gepflückt oder Tiere beunruhigt werden. Auch die Jagd und die Forstwirtschaft sind so geregelt, dass sie dem Schutzzweck dienen zum Beispiel durch ein Aufforstungsverbot und durch die Erhaltung der natürlichen Baumartenzusammensetzung im Wald.

Auf diesen extremen Standorten kommen nicht nur in der Pflanzen-, sondern auch in der Tierwelt zahlreiche Arten vor, die ihren Verbreitungsschwerpunkt im Mittelmeerraum oder in den osteuropäischen Steppen haben. Im Lindenberg ist die Gruppe der Heuschrecken mit 20 Arten, darunter Rotflügelige Ödlandschrecke und Italienische Schönschrecke, besonders hervorzuheben. Eine weitere Besonderheit ist die Berg-Zikade. Schön zu beobachten sind auch die massenhaft vorkommenden Schnecken der Art Zebrina detrita, die mit ihren lang gestreckten Gehäusen in der heißen Tageszeit die Grashalme hinaufklettern, um der Bodenhitze auszuweichen.

Dank der Schafbeweidung, der Wiesennutzung und gelegentlicher mechanischer Pflege-maßnahmen ist das Gebiet in einem sehr guten Zustand. Allerdings bereiten Trampelpfade, die durch Besucher auf der Jagd nach Pflanzenraritäten entstehen, einige Sorgen. Es wurde daher ein mit blauen Holzpflöcken markierter Rundweg angelegt, der durch den Oberhang und zurück durch den Wald führt, von dem aus alle Pflanzenarten mühelos beobachtet und fotografiert werden können.

Helga Bohmeyer

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