40 Jahre Botanischer Arbeitskreis

„Schloss Dhaun“

 

Am Wochenende vom 20. bis 21. Februar 1999 wurde im Paul-Schneider-Gymnasium in Meisenheim im Rahmen einer Jubiläumstagung das 40-jährige Bestehen des Botanischen Arbeitskreises gewürdigt. Die Tagung begann mit einer schlichten Feierstunde bei Kaffee und Kuchen (von Mitgliedern selbstgebacken) und frühlingshaftem Blumenschmuck. Dr.Hans Reichert, der Vorsitzende das Arbeitskreises, begrüßte zahlreiche Mitglieder, darunter einige, die die Gründungsphase des Arbeitskreises um 1960 herum noch miterlebt haben.

Zu ihnen gehört auch Gustav Schellack (Mengerschied), der in einem Lichtbildervortrag die Geschichte des Arbeitskreises revuepassieren ließ. Dessen Entstehung ist eng mit der Gründung der Heimvolkshochschule Schloss Dhaun verbunden, und diese wiederum mit der Person des unvergessenen Politkers Wilhelm Dröscher. Dröscher gewann seinen Kriegskameraden und Gesinnungsfreund Kurt Cullmann als Leiter der Heimvolkshochschule. Cullmann war eine der heute leider nicht mehr häufigen Lehrerpersönlichkeiten, die sich für die Heimatkunde und besonders auch für die Heimatnatur begeistern. Er hielt Umschau nach weiteren Hobby-Heimatforschern und wurde in Kirn, Idar-Oberstein und Umgebung fündig: Da gab es den Lehrer Hans Anacker, der die Geologie des Nahegebietes studierte, den Edelsteinhändler Fritz Klein, der sich mit Schmetterlingen auskannte, den Schuhmachermeister Eduard Peitz, ein Orchideenkenner ersten Ranges, und den Lehrer Anton Schoop, der sich mit Wildbienen befasste.

Sie und weitere naturkundlich Interessierte lud Cullmann 1959 zur Gründung eines „Botanischen Mitarbeiterkreises“ ein. Man nahm sich vor, auf gemeinsamen Exkursionen Wissen und Erfahrungen auszutauschen und sie einem breiten Kreis von Naturfreunden zu vermitteln. Die zunächst gebrauchte Bezeichnung „Mitarbeiterkreis“ verrät, dass man insbesondere daran dachte, der Heimvolkshochschule Schloss Dhaun zuzuarbeiten und sich gegenseitig als potentielle Referenten in der Erwachsenenbildung fit zu machen. In Angriff genommen wurde auch eine botanische Beschilderung des alten Baumbestandes im Schlosspark, um den Besuchern die teils einheimischen, teils exotischen Gehölze zu erläutern. Einziger lebender Zeuge dieser ersten Aktivitäten ist Rudolf Weichbrodt (Simmertal). Zu Füßen von Schloss Dhaun in Simmertal wohnend, brachten ihn seine ornithologischen und botanischen Interessen als damals noch jungen Mann dazu, mit dem Arbeitskreis Kontakt aufzunehmen.

Schon in den zwei folgenden Jahren kamen tatkräftige weitere Mitglieder hinzu: Theodor Schauder aus Simmern (Botanik), der schon erwähnte Gustav Schellack (Heimatforschung mit Schwerpunkt Geschichte, und Alfred Blaufuß aus Frei-Laubersheim/ Rheinhessen (Botanik).

Im Laufe der Jahre wurde der „Mitarbeiterkreis“ zum Kristallisationspunkt für vielfältige Aktivitäten. Vorträge und Exkursionen lockten eine rasch wachsende Zahl von Teilnehmern an, nicht mehr nur aus der engeren Umgebung von Kirn, sondern aus dem gesamten Nahe-Hunsrück-Raum und sogar darüber hinaus.

Kurt Cullmann erkannte, dass über die heimatkundlichen Interessen hinaus auch der Wunsch nach allgemein naturwissenschaftlicher Weiterbildung bestand. So nutzte er 1963 die Begegnung mit Prof.Dr.Günter Preuß (damals an der Pädagogischen Hochschule Kaiserslautern), um diesen für ein jährlich im Winter stattfindendes Mikrokopie-Seminar und eine mehrtägige Sommerexkursion zu gewinnen. Diese beiden Veranstaltungen, vor allem die Sommerexkursion (in diesem Jahr schon die siebenunddreißigste!), erwiesen sich als Dauerbrenner und Publikumsmagneten. Aber auch bei den kleineren Veranstaltungen war die Besucherzahl zufriedenstellend, so dass man sie schließlich in monatlichem Abstand anbieten konnte.

Der Erfolg war nicht zuletzt der anheimelnden Atmosphäre auf Schloss Dhaun und der freundlichen, gemütvollen Wesensart Kurt Cullmanns zu verdanken. Deren integrierende Wirkung war insofern wichtig, als die Interessen im stetig wachsenden Teilnehmerkreis nicht mehr einheitlich waren. Eine kleine Gruppe strebte nach einer gründlichen botanischen Erforschung des Nahegebietes mit dem Ziel, ein Buch darüber zu verfassen. Die Mehrheit war dagegen eher an den Schönheiten der Natur und an der Heimatkunde insgesamt interessiert. So gab es immer wieder einmal Klagen sowohl über zu anspruchsvolle als auch zu wenig anspruchsvolle Veranstaltungen. Die Organisatoren reagierten darauf mit dem Rezept, bei Vortragsveranstaltungen und Exkursionen stets auf die Bedürfnisse der verschiedenen Gruppen zu achten und schwerere und leichtere Kost in ausgewogener Mischung zu bieten. Vielleicht ist dies das Erfolgsrezept, das den Arbeitskreis bis heute am Leben erhalten hat.

Von 1968 bis 1979 wurde der Arbeitskreis durch Vermittlung von Prof. Preuß mit der Anfertigung von Naturschutz-Gutachten über schutzwürdige Gebiete im Nahe-Hunsrück-Raum betraut. Man muss wissen, dass es Büros für Landespflege, die man heute mit solchen Aufgaben betrauen würde, damals nur vereinzelt gab. Die 15 Gutachten, die der Arbeitskreis anfertigte, mögen an planerischer Professionalität mit den heutzutage von Fachbüros angefertigten nicht Schritt halten können. Was den Umfang und die Sorgfalt der faunistischen, floristischen und geographischen Bestandserhebung betrifft, können sie sich aber sehen lassen, und es ist schade, dass sie als Manuskripte in geringer Stückzahl in Archiven schlummern.

1973 brachte der Arbeitskreis das in einem Keller in Bad Kreuznach miserabel gelagerte Herbarium Geisenheyner (Jahrhundertwende) in Sicherheit. Es befindet sich heute in der Obhut des POLLICHIA-Museums.

Nach dem Tod von Kurt Cullmann im Jahr 1985 übernahm das seit 1967 dem Arbeitskreis angehörende Mitglied Dr.Hans Reichert (Trier) die Leitung. Jost Didlaukies (Meisenheim) wurde stellvertretender Vorsitzender. Die immer enger werdende Kooperation mit der POLLICHIA-Kreisgruppe Bad Kreuznach führte dazu, dass der Botanische Arbeitskreis der POLLICHIA, dem Verein für Naturforschung und Landespflege e.V. mit Sitz in Bad Dürkheim, auch offiziell beitrat.

1992 erschien die von Alfred Blaufuß und H.Reichert verfasste „Flora des Nahegebietes und Rheinhessens“. Das umfangreiche Buch ist das Ergebnis jahrzehntelanger, intensiver Bestandsaufnahme der heimischen Flora, zu der zahlreiche Mitglieder des Botanischen Arbeitskreises als Informanten beigetragen haben.

Nach 1990 hatten Änderungen im Erwachsenenbildungsgesetz zur Folge, dass ausbleibende Zuschüsse die Kosten für die Durchführung von Tagungen und Exkursionen unter der bisherigen organisatorischen Leitung der Heimvolkshochschule Schloss Dhaun zu teuer werden ließen. Der Arbeitskreis beschloss daher 1994 schweren Herzens, eine 35-jährige Tradition aufzugeben und sich organisatorisch von der Heimvolkshochschule zu lösen. Als neuer Tagungsort wurde das Paul-Schneider-Gymnasium der evangelischen Kirche in Meisenheim gefunden. Die Zahl der Vortragsveranstaltungen musste aus finanziellen Gründen, aber auch wegen oft geringer Teilnehmerzahl, reduziert werden. Die Zahl der Exkursionen konnte jedoch dank reger Nachfrage erhöht werden. Fast monatlich findet im Sommerhalbjahr eine Tagesexkursion statt.

Der aus Traditionsgründen noch beibehaltene Namensbestandteil „Schloss Dhaun“ gab und gibt zu vielen Missverständnissen Anlass, so dass jetzt in Meisenheim beschlossen wurde, einen neuen Namen zu wählen. Man einigte sich auf „Botanischer Arbeitskreis Nahe-Hunsrück“. Bei besonderes Gelegenheiten kann hinzugefügt werden: „gegründet 1959 auf Schloss Dhaun“.

Dr. Hans Reichert, Trier

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