Frühling auf Island 


 

Private Exkursion von Sonntag, 15.05.2005 bis Mittwoch, 25.05.2005

  


 

Papageitaucher (Fratercula arctica) auf der Vogelinsel Ingolshöfd (Südküste Islands)


Im vorfrühlingshaften Island traf sich eine Gruppe von 15 Teilnehmern zu einer ornithologischen und landeskundlichen Exkursion entlang der Küste des Landes. Unter der kompetenten Reiseleitung von Aldis Aðalbjarnardóttir wurde eine Vielzahl von Vogelfelsen und anderen Standorten für die Vogelbeobachtung aufgesucht. Bei einer für diese Jahreszeit auf Island typischen Hochdruckwetterlage herrschte sonniges im Nordosten mit Schneeschauern durchsetztes Wetter. Die Bedingungen für die Beobachtung von Vögeln waren nicht nur wegen des Wetters ausgezeichnet. Viele Arten zeigten ihr Prachtkleid und ihr charakteristisches Balzverhalten. Eindrucksvoll waren die Balzflüge der zahlreichen Bekassinen (Gallinago gallinago) und Regenbrachvögel (Numenius phaeopus). Da auf Island die Zahl der Vogel- und Pflanzenarten wesentlich geringer ist als bei uns, war die feldornithologische Bestimmung der Vögel erheblich vereinfacht. 
Die Besiedelung Islands mit Tieren und Planzen erfolgte sowohl von Europa als auch von Amerika her. Dabei ist die Zahl der Arten, die von Amerika aus die Insel besiedelt haben wesentlich geringer als die von Europa. Aus Nordamerika stammen z.B. der Eistaucher (Gavia immer), die Kragenente (Histrionicus histrionicus), die Spatelente (Bucephala islandica) und die Alaska-Lupine (Lupinus nootkatensis). Versuche zur weiteren Besiedelung der Insel haben wiederholt stattgefunden, sind jedoch oft auf Grund ungünstiger Witterungsverhältnisse gescheitert. Gegenwärtig scheint der Bergfink (Fringilla montifringilla) auf  Island Fuß zu fassen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Art dauerhaft die Insel besiedeln kann. Vom Menschen eingeschleppte Arten bereiten zunehmend Probleme wie z,B. der Amerikanische Nerz  Mink (Mustela vison) und die sich stark ausbreitende für die Bodenverbesserung eingeführte Alaska Lupine (Lupinus nootkatensis). Bis auf einige Rentierherden (Rangifer tarandus), die auch nach Island eingeführt worden sind, konnten keine wild lebenden Säugetiere beobachtet werden.
In Anbetracht der niedrigen Temperaturen (die Straßen im Hochland sind zu dieser Zeit noch wegen Schneeverwehungen und anderer witterungsbedingter Ursachen gesperrt) war die Vegetation zu Beginn der Exkursion vorfrühlingshaft. In den Vorgärten blühten gerade Kulturformen des Blausterns (Scilla bifolia) und der Narzisse (Narcissus pseudonarcissus), Auf den Felsen und den Zwergstrauchheiden (subpolare Tundrenvegetation) konnten zunächst als blühende Pflanzenarten nur die Alpen-Gänsekresse (Arabis alpina) und verschiedene Weidenarten (Salix lanata callicarpaea und phylicifolia)) beobachtet werden. Erst am Schluss der Exkursion nahm die Anzahl blühender Pflanzen stark zu. Auffällig war, dass Arten, die auch bei uns vorkommen, häufig als Zwergformen mit verkürzter Sprossachse und kleineren Blättern auftraten. 
Ein Muss ist für den botanisch interessierten Islandreisenden ist ein Besuch des Botanischen Gartens von Akureyri. Begünstigt durch das Kleinklima der Stadt können ca. 2000 in Island heimische und fremdländische Pflanzen gezeigt werden. Der Mai eignet sich jedoch weniger für einen Besuch des Botanischen Gartens, da die meisten Pflanzen erst später blühen.  
Ein weiterer Schwerpunkt der Exkursion waren die geologischen Phänomene auf Island. Besonders eindrucksvoll waren die Kennzeichen des Vulkanismus auf Island im Bereich der Geothermalgebiete mit den Schlammtöpfen, Geysiren und Solfataren. Mindestens ebenso faszinierend waren die großen Gletscher Islands mit dem Snaefellsjökull und den schwimmenden Eisbergen auf dem See Jökulsárlón  an der Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull.
 

Der Besuch folgender Beobachtungsstandorte ist besonders lohnenswert:

A - Vogelfelsen zwischen Arnastapi und Hellnar auf der Halbinsel Snaefellsness (27 W 0375516, 7185413)

B - Vogelinseln im Breiðafjörður vor Stykkishólmur   (27 W 0418900, 7218338)

C - Gebirgsbach am Myvatn (28 W 0400203, 7276155)

D - Zwergstrauchheide an der Gletscherzunge des Vätnajökull (28 V 0407766, 7097699)

E - Vogelfelsen Igólfshöfði (28 V 0419240, 7076164)

F - Schlucht bei Hunkubakkar (27 V 0639435, 7074597)

G - Vogelinsel bei Vik (27 V 0598120, 7031796)

Folgende Vogelarten konnten beobachtet werden:

Sterntauscher (Gavia stellata), verbreitet auch auf kleinen Gewässern, Eistaucher (Gavia immer), einige, Ohrentaucher (Podiceps auritus), verbreitet, Eissturmvogel (Fulmarus glacialis), häufig an küstennahen Felsen, Kormoran (Phalacrocorax carbo), einige (B), Krähenscharbe (Phalocrocorax aristotelis), einige (B), Singschwan (Cygnus cygnus), überall, Kurzschnabelgans (Anser brachyrhynchus), einige bei Reykjavik, Graugans (Anser anser), überall, Pfeifente (Anas penelope), verbreitet, Stockente (Anas platyrhynchos), verbreitet, Löffelente (Anas clypeata), einige, Strandsee Snaefellsness, Reiherente (Athya fuligula), verbreitet, Eiderente (Somateria mollissima), häufig im Küstenbereich, Kragenente (Histrionicus histrionicus) verbreitet, gern auf fließenden Gewässern (C), Eisente (Clangula hyemalis), vereinzelt Stykkishólmur und Husavik, Spatelente (Bucephala islandica), verbreitet im Nordosten Islands, gern in der Nähe menschlicher Siedlungen (C), Mittelsäger (Mergus serrator), vereinzelt, Seeadler (Haliaeetus albicilla), vereinzelt (B), Merlin (Falco columbarius), vereinzelt u.a. (F), Gerfalke (Falco rusticolus), 2 Exemplare (F) und Schlucht unterhalb des Gullfoss, Alpenschneehuhn (Lagopus mutus), verbreitet in der Zwergstrauchheide, Austernfischer (Haematopus ostralegus), vereinzelt an der Küste, Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria), überall häufig auch in Siedlungen (Kulturfolger), Steinwälzer (Arenaria interpres), vereinzelt, Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula), einige, Alpenstrandläufer (Calidris alpina), zahlreich z.B. an Strandseen, Regenbrachvogel (Numenius phaeopus), häufig auch in der Nähe von Siedlungen, Uferschnepfe (Limosa limosa), verbreitet, Rotschenkel (Tringa totanus), in Gewässern überall häufig, Bekassine (Gallinago gallinago), häufig auch in der Nähe von Siedlungen, Odinshühnchen (Phalaropus lobatus), vereinzelt an kleinen, flachen Gewässern, Skua (Stercorarius skua), relativ häufig an der Südküste (E), Schmarotzerraubmöwe (Stercorarius parasiticus), vereinzelt, Lachmöwe (Larus ridibundus), verbreitet, Dreizehenmöwe (Rissa tridaktyla), an Vogelfelsen (A), Silbermöwe (Larus argentatus), verbreitet, Heringsmöwe (Larus fuscus), verbreitet, Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea), verbreitet, Trottellumme (Uria aalge), einige (B), (E), (G), Dickschnabellumme (Uria lomvia), einige (E), Tordalk (Alca torda), 1 Exemplar (E), Gryllteiste (Cepphus grylle), einige (B), (G), Papageitaucher (Fratercula arctica), zahlreich auf Vogelinseln besonders bei Husavik, Wiesenpieper (Anthus pratensis), verbreitet, Bachstelze (Motacilla alba), verbreitet, Zaunkönig (Troglodytes troglodytes), 1 Exemplar Skaftafell, Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe), verbreitet, Rotdrossel (Turdus iliacus), überall häufig, Star (Sturnus vulgaris), einige in der Nähe von Siedlungen, Kolkrabe (Corvus corax), einige an Felswänden und Schluchten, Birkenzeisig (Carduelis flammea), vereinzelt  unterhalb der Perle in Reykjavik, Schneeammer (Plectrophenax nivalis), vereinzelt z.B.(E).

Pflanzenarten, die blühend beobachtet werden konnten:

Alaska-Lupine (Lupinus nootkatensis), Stengelloses Leimkraut (Silene acaulis), Aufgeblasenes Leimkraut (Silene uniflora), Gemeine Grasnelke (Armeria maritima), Silberwurz (Dryas octopetala), Salzmiere (Honckenya peploides), Echte Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi), Engelwurz (Angelica archangelica), Alpen-Gänsekresse (Arabis alpina), Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris), Zottiges Fingerkraut (Potentilla crantzii), Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens), Rosenwurz (Rhodiola rosea), Alpen-Frauenmantel (Alchemilla alpina), Moor-Birke (Betula pubescens), Zwerg-Birke (Betula nana), Wollige Weide (Salix lanata), Arktische Grauweide (Salix callicarpaea), Grüne Weide (Salix phylicifolia),

Ein großer Teil des Pflanzenarten konnte im Bereich der Zwergstrauchheide an der Gletscherzunge des Vätnajökull (D) gefunden werden.

Als Sporenpflanzen waren besonders der Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense) und die  Lanzettliche Mondraute (Botrychium lanceolatum) (E) auffällig.

Empfehlenswerte Bestimmungsbücher:

Kristinsson H., 1991, Die Blütenpflanzen und Farne Islands, Verlag Örn og Örlygur, ISBN 9979-55-228-X
Hilmarsson J.Ó, 2000, Isländischer Vogelführer, Verlag Iðunn, ISBN 9979-1-0380-9

 Koordinatensystem: UTM

 Zusammengestellt von Günter Wrusch

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