Frühlingsflora im Wiesbachtal bei der Teufelsrutsch

Botanische Exkursion am Samstag, 30. 04. 2005
Führung: Dr. Hans Reichert, Trier

 

Weißes Fingerkraut (Potentilla alba)


Ergiebige Frühjahrswanderung im Wiesbachtal bei Wendelsheim

Wieder einmal hatte die Pollichia-Kreisgruppe großes Glück mit dem Wetter. Am 30. April hatten unvermittelt sommerliche Temperaturen eingesetzt, und die Exkursionsteilnehmer konnten das frische Grün der Wälder und die Fülle der Frühlingsflora bei Sonnenschein und angenehmer Wärme genießen. In einer Rundwanderung unter Führung von Dr. Hans Reichert (Trier) wurde das Naturschutzgebiet Teufelsrutsch bei Wendelsheim erkundet (32:0426191 E, 5510860 N). Es liegt in der „Rheinhessischen Schweiz“, wo die sanften Oberflächenformen des Rheinhessischen Tafel- und Hügellandes in ein lebhafteres Relief mit engeren Tälern und Steilhängen übergehen, verursacht durch harte vulkanische Gesteine des Rotliegend. Der Wiesbach hat zwischen Niederwiesen und Wendelsheim ein ziemlich enges, gewundenes Tal in eine Zone von Andesit eingeschnitten. Unter diesem Namen fasst man ohne Rücksicht auf das geologische Alter Gesteine zusammen, die in Bezug auf ihren Silikatgehalt zwischen Rhyolith (Quarzporphyr) und Basalt einzuordnen sind. Der landschaftlich reizvolle Tal-Abschnitt ist seit dem 19. Jahrhundert ein bevorzugtes Ziel naturkundlicher Exkursionen, und seine Flora ist gut erforscht. Um so überraschender war es, dass versierte Botaniker unter den Teilnehmern der Pollichia-Exkursion mehrere Pflanzenarten fanden, die im Naturschutzgebiet schon lange nicht mehr beobachtet worden waren.

Am bedeutendsten ist ein Fund des Weißen Fingerkrautes (Potentilla alba) (32:0426603 E, 5510856 N). Nach Literaturangaben war es zwar im 19. Jahrhundert "in der Rheinhessischen Schweiz häufig" und "gemein im Wendelsheimer Wald", doch wurde es im 20. Jahrhundert im Wiesbachtal nicht mehr gefunden. Der Nachweis im Laufe der Pollichia-Exkursion ist schon der zweite Wiederfund. Damit sind nun drei Vorkommen im Nahegebiet bekannt.

Bemerkenswert ist auch der Nachweis der parasitischen Schuppenwurz (Lathraea squamaria), vermutlich an der Stelle, wo sie zuletzt 1979 von Alfred Blaufuß, dem 1995 verstorbenen Erforscher der Naheflora, gemeldet wurde. Bestätigt wurde weiterhin das 1969 mitgeteilte Vorkommen der Bleichen Vogelmiere (Stellaria pallida). Sie wächst vor allem in der Umgebung der ehemaligen Ausflugsgaststätte Schweizerhaus, wo außerdem die kronblattlose Mutante des Hirtentäschelkrautes angetroffen wurde. Diese wächst in einem kleinen Bestand an der Aussichtskanzel, von der aus man einen großartigen Blick über das Wiesbachtal und seine Umgebung genießen kann.

Erstaunen bei den Exkursionsteilnehmern riefen aber auch Pflanzenarten hervor, mit deren Vorhandensein man sicher rechnen konnte. Es war die Häufung dieser ansonsten eher zerstreut vorkommenden bis seltenen Arten, welche beeindruckte. Viele Hänge waren voll von Blattbüscheln des bereits völlig verblühten Blausternchens (Scilla bifolia). Einige Wochen zuvor muss es fast die gesamten Talhänge mit einem blauen Flor überzogen haben. Nahezu auf Schritt und Tritt begegnet man auch der Armblütigen Gänsekresse (Arabis pauciflora), der Finger-Segge (Carex digitata) und der Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum). An etlichen Stellen gab es größere Bestände des Gelben Windröschens (Anemone ranunculoides), der Berg-Segge (Carex montana), der Stinkenden Nieswurz (Helleborus foetidus) und der Haselwurz (Asarum europaeum) zu sehen. Der Exkursionsleiter demonstrierte deren merkwürdige, am Boden versteckte, bräunliche Blüten. Diese strömen einen leichten Aasgeruch aus und locken und damit kriechende Insekten der Humusschicht an, von denen sie bestäubt werden.

Botanisch besonders reich ist die Umgebung der eigentlichen Teufelsrutsch. Es handelt sich bei dieser um eine eiszeitliche Blockhalde an einem felsigen Steilhang. Die Blockhalde selbst ist vom Schild-Ampfer (Rumex scutatus) besiedelt, der sich mit langen senkrechten und waagerechten Wurzeln in dem instabilen Gesteinsschutt verankert. Auch der Ausdauernde Lattich (Lactuca perennis) ist vor allem im Bereich der Blockhalde zu finden.

Entlang dem steilen Pfad, der nahe der Teufelsrutsch vom Talgrund zur ehemaligen Ausflugsgaststätte Schweizerhaus führt, waren reiche Vorkommen des kurz vor der Blüte stehenden Diptams (Dictamnus albus), des Blauroten Steinsamens (Lithospermum purpurocaruleum) und der Bibernell-Rose (Rosa spinosissima) zu sehen. Von den wärmeliebenden Bäumen und Sträuchern seien der Fels-Ahorn (Acer monspessulanum), der Liguster (Ligustrum vulgare), die Elsbeere (Sorbus torminalis) und der Wollige Schneeball (Viburnum lantana) erwähnt.

Am Nachmittag führte die Wanderung auf die der Teufelsrutsch gegenüberliegende Seite des Wiesbachtales, wo im sogenannten Lental ein großes Vorkommen der bereits abgeblühten Hohen Schlüsselblume (Primula elatior) aufgesucht wurde. Den krönenden Abschluss der Exkursion bescherte das dortige Vorkommen des sehr seltenen Wunder-Veilchens (Viola mirabilis). Es wächst in einem sehr krautreichen Wald zusammen mit Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea), Einbeere (Paris quadrifolia), Sanikel (Sanicula europaea) und Massen des Blausternchens (Scilla bifolia).

Koordinatensystem: UTM

 Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert

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