Wormental

Main-Tauber-Kreis, Gemeinde und Gemarkung Werb ach

Fläche: 19,2 Hektar

Verordnung vom 23.09.1994, alte Verordnung vom 17.04.1978 (9,7 Hektar)

TK 25: Blatt 6323

Das Tauberland ist für seine ausgedehnten Muschelkalk-Trockenhänge bekannt. Das Gebiet zwischen Bad Mergentheim und Wertheim gehört zu den sonnenscheinreichsten, trockensten und wärmsten Gegenden Baden-Württembergs. Bei Werbach, etwa sechs Kilometer nördlich von Tauberbischofsheim, mündet von Nordosten ein Trockental, das Wormental ins Taubertal ein. An seinem West-hang zieht sich über einen Kilometer ein Trockenhang mit strukturreichen Magerrasen und Gebüschstreifen entlang. Aus der Luft betrachtet wirkt das Gebiet wie eine Insel inmitten der intensiv genutzten Landschaft.

Schutzzweck des Naturschutzgebiets ist die Erhaltung und Wiederherstellung eines typischen tauberfränkischen Standortes mit Trockenrasen, Kalk-Magerrasen, Wärme liebenden Waldgesellschaften und Waldrändern extensiven Streuobstbeständen, Äckern mit hohem Anteil an seltenen Ackerwildkrautarten, Hecken, Gebüschen sowie verschiedenen Sukzessionsstadien;

die Verbesserung. der Lebensräume zahlreicher seltener, zum Teil gefährdeter und geschützter Pflanzen- und Tierarten der trockenwarmen Standorte, insbesondere der Insekten, durch Wiederherstellung zusammenhängender, offener Bereiche;

die Erhaltung einer Hanglage mit weithin raumwirksamem landschaftsprägendem Charakter.

Der Hang des Wormentals liegt geologisch größtenteils in der Wellenkalk-Formation des Unteren Muschelkalks. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde in einem großen Teil des Gebiets Wein angebaut. An den ohnehin flachgründigen Stellen, wo die Schaumkalkbänke anstehen, haben die Weinbergbesitzer durch Abgrabungen die felsigen. vegetationsarmen Bereiche vergrößert und damit die Ausbreitung eines Trockenrasens begünstigt. Nach dem Rückgang des Weinbaus wurde in den unteren Hangbereichen Ackerbau betrieben. Zahlreiche alte Obstbäume deuten auch auf früheren Obstbau hin. Die Bereiche oberhalb der Schaumkalkbänke fielen brach. Daneben spielte im Gebiet - zumindest zeitweise - die Beweidung mit Schafen eine Rolle. Seit der Unterschutzstellung 1978 fanden im Naturschutzgebiet wiederholt Pflegeaktionen durch das Forstamt Tauberbischofsheim, die Landschaftspflegegruppe des Maschinenrings Tauberbischofsheim und die BNL Stuttgart statt. Die Trockenrasenflächen konnten dadurch offen gehalten und die Gebüsche an den Rand zurückgedrängt werden. Inzwischen ist es auch gelungen, wieder große Teile des Gebiets mit Schafen beweiden zu lassen.

Das Naturschutzgebiet Wormental weist eine Kombination von Lebensräumen auf, die außergewöhnliche Pflanzen- und Tierarten begünstigt. Einige Arten haben hier ihr einziges Vorkommen im Main-Tauber-Kreis. Die bemerkenswertesten Biotoptypen sind der tauberfränkische Trockenrasen (Goldaster-Erdseggen-Geselischaft), die Blaugrashalde und die Bunte Erdflechten-Gesellschaft. Charakteristische Pflanzen sind hier Kalk-Blaugras, Erd-Segge, Gold-Aster, Grauscheidiges Federgras, Zarter Lein und Küchenschelle. Die Bestände des Federgrases gehören neben den Vorkommen in den nicht weit entfernten

Naturschutzgebieten »Lindenberg« und »Hunsenberg« zu den reichsten in Baden-Württemberg. Nur noch von drei weiteren Standorten im Taubergebiet ist die Kleine Wiesenraute bekannt. Andere floristische Besonderheiten sind Bunte Erdflechten , Gelber Zahntrost und Geflecktes Ferkelkraut. An etwas wüchsigeren Stellen geht der Trockenrasen in einen Halbtrockenrasen (Kalk-Magerrasen.) über. Hier findet man Stängellose Kratzdistel, Helm-Knabenkraut und Fliegen-Ragwurz. Entlang eines Gebüschstreifens hat sich der Diptam ausgebreitet. Im Süden des Gebiets kommt in einem Schlehengehüsch ein größerer Bestand des Großen Windröschens vor. Zu den Raritäten zählen die Ackerwildkräuter Rundblättriges Hasenohr und Braunes Mönchskraut.

Die Insektenfauna des Wormentals ist überregional bedeutsam. Vor allem Heuschrecken, Käfer, Schmetterlinge und Ameisen sind hervorzuheben. Zahlreiche Ameisenarten der Roten Liste wurden festgestellt, darunter das einzige bekannte Vorkommen der Art Formica bruni in Deutschland. Die vom Aussterben bedrohte Blauflügelige Ödlandschrecke kommt in einem ehemaligen kleinen Steinbruch vor, der einzige Fundort im Tauberland. Die Italienische Schönschrecke ist in Mitteleuropa nur auf den wärmsten Standorten (Felsen, Schutthalden) anzutreffen. Sie ist in Baden-Württemberg vom Aussterben bedroht. Auch Eichenheldbock, Segelfalter, Flockenblumen - Scheckenfalter, Zwerg-Bläuling und viele andere Schmetterlingsarten deuten auf die Einmaligkeit des Gebiets hin. Die Vogelwelt wird durch die eng vernetzten Lebensräume von Feldflur, Hecken, Obstbaurnwiesen, Magerrasen und Gebüschen gefördert.

Hinweise für Besucher: Vom Sportplatz in Werbach ist das Naturschutzgebiet auf Feldwegen zu erreichen. Man folgt dem Weg im Taleinschnitt aufwärts und erblickt nach einem halben Kilometer rechter Hand den Trockenhang mit seinen Magerrasen und Gebüschen. Bitte verlassen Sie den Weg nicht! Verboten ist es auch, Pflanzen und Tiere zu entnehmen, das Gebiet mit Fahrzeugen jeglicher Art zu befahren, Feuer anzumachen, zu zelten, zu lagern und Hunde unangeleint laufen zu lassen. Den besten Blick über das Naturschutzgebiet hat man aber vom gegenüberliegenden Hang, vom Vereinsgelände des Motorsportclubs Werbach (Hütte, Feuerstelle).

Je nachdem, von wo aus man das Naturschutzgebiet »Wormental« betrachtet, erscheint seine Ausdehnung anders: Steht man am Rand des Schutzgebietes, erscheint der Hang weitläufig; beim Blick aus dem Flugzeug ändern sich die Dimensionen und man sieht, dass es sich nur um einen schmalen Streifen handelt. Nur wenige hundert Meter trennen das »Wormental« von Gebüschzonen an den Südhängen des Welzbachtals und an der Limbachsleite, so dass bei den meisten Tierarten keine »Verinselungseffekte« zu befürchten sind.

Ulrike Kreh

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