Moore und Wiesen im südlichen Soonwald


Die Floh-Segge (Carex pulicaris) ist zwischen Gras nicht leicht zu entdecken, mit ihren ringsum spießförmig abstehenden Ährchen jedoch unverkennbar.


Botanische Exkursion am Samstag, 08. 07.2006
Führung: Robert Fritsch, Idar-Oberstein und Prof. Dr. Barbara Ruthsatz, Trier

Auf feuchten Pfaden im Soonwald

Die erste von zwei Soonwald-Exkursionen des Jahres 2006 startete am 7. Juli beim Wanderparkplatz Kreershäuschen. Bei zunächst angenehmem Wetter nahmen die Teilnehmer unter Führung von Prof. Dr. Barbara Ruthsatz (Trier) und Robert Fritsch (Idar-Oberstein) zunächst die angrenzende feuchte Magerwiese in Augenschein. Es gab viel zu entdecken. Als Grünlandexpertin demonstrierte Frau Ruthsatz eine Reihe von Seggen- und Grasarten, darunter die seltene Filz-Segge (Carex tomentosa). Robert Fritsch wies unter anderem auf das Echte Mädesüß (Filipendula vulgaris) hin, eine weitere Rarität, die z. B. dem südwestlichen Hunsrück (Hochwald) völlig fehlt. Reichlich waren die Wiesen-Silge (Silaum silaus), ein gelblich blühender Doldenblütler, und die Färberscharte (Serratula tinctoria) vorhanden. Viele Hundert braune Fruchtstände des Breitblättrigen Knabenkrautes (Dactylorhiza majalis) ließen ahnen, dass die Wiese zur Blütezeit einen prächtigen Anblick geboten hatte, was die Teilnehmerin Marita Kiel aus eigener Anschauung bestätigen konnte.

Nächstes Ziel war das Naturschutzgebiet „Im Eschen“. Dank einer Erlaubnis des zuständigen Försters war es möglich, das ziemlich abgelegene Gebiet über den Landrichtweg anzufahren. Ehe dort die Wanderung so recht beginnen konnte, ging ein gewittriger Regenschauer nieder. Er war zwar schnell vorüber, doch führte der Weg anschließend durch nasses Gras in den moorigen Teil des Naturschutzgebietes hinein. Nasse Beine und Füße waren nicht zu verhindern. Die Teilnehmer ließen sich dadurch nicht abhalten, einen der eigenartigen Quellhügel zu besichtigen. Es sind bis 2 Meter hohe Hügel mit einem Durchmesser bis zu 20 Metern, die von einer Niedermoorvegetation bewachsen sind und von deren Gipfel her Wasser über die Flanken heruntersickert. Ihre Entstehung ist noch nicht in allen Einzelheiten geklärt, doch liegen sie vermutlich über starken Quellen, aus denen das Wasser regelrecht hochgedrückt wird, zusammen mit feinem Schlamm und Pflanzenresten, die sich im Laufe langer Zeiträume anhäuften.

Außer dichten Beständen der mächtigen Rispen-Segge (Carex paniculata) wachsen auf dem Hügel viele Exemplare der regional sehr seltenen Bach-Nelkenwurz (Geum rivale). Nach längerer Suche fand Hans Faus auch das hier vorkommende Alpen-Hexenkraut (Circaea alpina) gefunden.

Was bis dahin niemand für möglich gehalten hätte: Bei der weiteren Wanderung wurde es angenehm warm. Als die Teilnehmer nämlich die ausgedehnten Magerwiesen des Schutzgebietes betraten, klarte der Himmel auf, und Sonnenschein sorgte für ziemlich schnelles Trocknen der niedrigen Grasdecke. Das Botanisieren machte wieder richtig Spaß. Große Bestände des Heil-Ziests (Betonica officinalis) erfreuten mit ihrem prächtigen Pupurrot das Auge, und auf Schritt und Tritt wurden Raritäten entdeckt. Stellvertretend seien nur vier genannt: Arnika (Arnica montana), Floh-Segge (Carex pulicaris), Öhrchen-Habichtskraut (Hieracium lactucella) und Kleines Helmkraut (Scutellaria minor), das zufällig Horst Horn ins Auge fiel.

Der Rückweg führte über einen geschotterten Waldweg, der beiderseits von der Tollkirsche (Atropa bella-donna) begleitet wurde.

Nach Beendigung des offiziellen Teils der Exkursion fuhr eine kleine Gruppe zur Waldwiese „Gräfenbrühl“, weil das Arbeitskreismitglied Klaus Elle unbedingt den Haarstrangblättrigen Wasserfenchel (Oenanthe peucedanifolia) sehen wollte. Beinahe hätte er Pech gehabt: Obwohl viele Augen Ausschau hielten, fand sich auf der ganzen großen Wiese nur ein einziges Exemplar. Aber das genügte ja, zumal unvermittelt ein Wolkenbruch einsetzte und die Teilnehmer gerade noch die rettenden Autos erreichen konnten.

Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert, Trier

 ·       zurück zur Hauptseite