(Aus dem Manuskript von P. Wolff: „Soziologie und Ökologie der Moor-Standorte der West- und Südpfalz")

Scheidelberger Woog

Dieses Gebiet umfasst die Ebene zwischen Hütschenhausen, Hauptstuhl und östlich Miesau. Hier addieren bzw. überlagern sich die Glan-Aue und die Moorniederung zu einer ausgedehnten Fläche. Nur im Südteil liegt Torf, der bis 2 m mächtig war. Nach dem Ende des Abbaus wurden die meisten Stiche aufgefüllt, eingeebnet und als Wiesen angelegt.

Die Karte der Potentiellen Natürlichen Vegetation zeigt - je nach Substrat - Birken-Eichen­kiefernwald, Erlenbruchwald, Erlenauenwald und Stieleichenwald. In den 1980er Jahren waren im We­sentlichen folgende Biotoptypen vertreten:

 

 

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Feucht- und Nasswiesen, vor allem des Calthion (Wassergreiskraut- und Waldbinsenwiesen); wo nährstoffreicher (d. h. auf Lehm): Wiesen mit dominierendem Wasserschwaden oder Wiesenfuchsschwanz;

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feuchte bis nasse, im Osten auch wechseltrockene Weiden;

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mäßig feuchte bis mäßig trockene Rotschwingel- und Glatthaferwiesen auf Sand

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Pfeifengras-Bultflächen auf Torf;

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Wiesenbrachen mit Waldbinse, Hochstauden, Großseggenrieden und Schilfröhricht,

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Grau- und Ohrweidengebüsche auf nasseren Standorten;

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Zitterpappel- und Birken-Vorwäldchen;

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im Glanbogen: Forste aus Erlen, Fichten und Hybridpappeln,

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als Fließgewässer: der mesotrophe Glan, Schwarzbach und der Bachgraben von der Kläranlage, oligo- bis dystrophe Quell-, Entwässerungs- und Wiesengräben;

 

als Stillgewässer: zu Fischteichen erweiterte, humussäurereiche Torfstichgebiete, sowie die Fischteiche in der ehemaligen Sandgrube an der Brüchelslach.

Die vegetationskundlich wertvollsten Bereiche waren mehr oder weniger kleinflächig ausgebildet: Die Borstgrasrasen-Fragmente, die Niedermoor- und die Flutmulden-Gesellschaft in flachen Wiesenmulden, das Fadenseggen-Moor in verlandenden Torfstichen und einzelne besonders schützbedürftige Wiesenpar­zellen: zum einen zwei Waldbinsenwiesen mit Torfmoosen, Pfeifengras, Niedermoor- und Feuchtheide-Arten; zum anderen zwei magere Wassergreiskrautwiesen mit dem Sumpf-Lausekraut (letzter Bestand in der Pfalz! ob schon erloschen?!) sowie die Vorkommen des Haarstrang-Wasserfenchels (Oenanthe peu-cedanifolia) an Gräben. - Darüber hinaus ist das ganze Gebiet von überregionaler Bedeutung (auch für die Vogelwelt), als

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größte kühle, basen- und nährstoffarme, feuchte bis nasse Ebene in Südwest-Deutschland (pH 4.0 bis 6.5);

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größte zusammenhängende Nassgrünlandfläche der Pfalz, naturnah und ohne Bebauung.

Zu dieser Zeit waren bereits folgende Beeinträchtigungen zu verzeichnen:

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Ab 1950 Brachfallen der nassesten Wiesen;

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bis 1983 Verfullung eines großen Torfstichs mit Bauschutt u. a. Abfällen;

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etwa 1960 Aufforstung der Nassbrachen beiderseits des Glanbogens mit Erlen, Fichten und Hybridpappeln;

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die vorher floristisch wertvollen Flachteiche in der Sandgrube an der Brüchelslach waren zu trü­ben, tiefen Fischteichen mit naturferner Umgebung umgewandelt worden.

Später kamen folgende Schäden hinzu:

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Absenkung des Grundwasserspiegels, auch mangels ausreichender Niederschläge; dadurch u. a. Austrocknung der alten Torfstiche;

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Vertiefung von Entwässerungs- und Wiesengräben;

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Verfullung nasser Wiesenmulden (damit Zerstörung die Niedermoor- und Flutmulden-Vegetation);

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massive Zunahme der Gehölzsukzession, durch Stickstoff-Einträge aus der Luft und Mineralisie­rung des Torfs infolge von Luftzutritt bei Austrocknung;

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Brachfallen weiterer Mähwiesen, vor allem im torfigen, nährstoffärmsten Süden.

Dadurch sind folgende Gefäßpflanzen-Arten ausgestorben bzw. verschollen:

Arnica montana (Olenkorb, um 1925)

Lysimachia thyrsiflora

Botrychium lunaria

Myosotis discolor

Carex vulpina

Myriophyllum altemiflorum

Dactylorhiza maculaia

Pedicularis palustris (vennutlich)

Dactylorhiza traunsteineri

Pedicularis sylvatica

Drosera intermedia

Rhynchospora alba

Eleocharis mamillata

Rhynchospora fusca

Hieracium lactucella

Salix repens

Juncus squarrosus

Utricularia australis

Dem entsprechend sind auch viele Pflanzengesellschaften verschwunden bzw. flächenmäßig und/oder qualitativ zurückgegangen: z. B. der Borstgrasrasen, die Lysimachia thyrsiflora-Gesellschaft, das Faden­seggen-Moor und die Waldbinsen-Pfeifengraswiesen.

Diese Bilanz wäre ohne die, vor allem in den Anfangsjahren an vielen Stellen durchgeführten Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen (bzw. die administrativen Voraussetzungen dafür) noch schlechter ausgefallen:

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Ankauf zahlreicher Parzellen durch den Forst im Namen des Landes;

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Bewirtschaftung von vielen Wiesen nach dem Extensivierungsprogramm;

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Mahd und Entfernen von Gehölz (z. T. mit den Wurzeln!) an vielen Stellen;

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im torfigen Teilgebiet „Olenkorb-Dreieck": Anlage von Flachteichen und in zwei Jahren Abheben von je 50 m2 Pfeifengras-Bultflächen (dadurch für jeweils mehrere Jahre Ansiedlung von stark gefährdeten Hoch- und Zwischenmoor-Arten wie Kurzia pauciflora, Rhynchospora alba, Rh.fusca, Drosera intermedia und rotundifolia);

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Abschrägen von Ufern an einigen Teichen im Südteil;

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Auskoffern der illegalen Schuttdeponie aus dem o. g. Torfstich „Im Bruch" (2006 als Ausgleichsmaßnahme für die Verbreiterung der Autobahn A 6).

Außerdem hat sich die Sanierung der Kläranlage Hauptstuhl sehr positiv auf die Wasserqualität der Ablaufgrabens ausgewirkt.

Die Realisierung folgender Maßnahmen erscheint für die Folgezeit vordringlich:

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Fortführung des bisherigen Umfangs des Wiesen-Extensivierungs-Programms;

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Fortführung der speziellen Verträge für die Wiesenparzellen Bruchmühlbach 526/2 und 527: Mahd nicht vor Ende September, wegen des Pfeifengrases, und Hütschenhausen 514 und 515: Mahd nicht vor Mitte Juli, wegen des Sumpf-Läusekrauts;

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im „Olenkorb-Dreieck": Anlage weiterer Flachteiche und Abheben weiterer Pfeifengras-Bultflächen außerhalb der Lungenenzian- und Torfmoos-Vorkommen (Zweck s. oben);

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Herausziehen (mit den Wurzeln!) der Grau- und Ohrweiden an allen Teichufern und in möglichst vielen Wassergräben und ehemaligen Torfstichen;

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Abschrägen der Ufer des letzten Torfstichs (ehemals zur Versorgung des Moorbads Bad Dürkheim);

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Entfernen der Fichten aus dem östlichen Erlenforst am Glanbogen (wie schon im westlichen ge­schehen);

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Renaturierung des Glans (Wiederherstellung der Mäander und Altwasser), des Schwarzbachs und des Weißen Grabens.

 

 

Die Scheidgräben zwischen den Wiesen sollen durchaus weiter ausgehoben werden, jedoch nicht unnötig tief. Sie sind nach den Räumungen Pionier-Standorte mehrerer seltener Kleinmoose wie Fossombronia foveolata, außerdem immer Lebensräume für viele interessante Insekten.

Aus dem Scheidelberger Woog stammen 35 Moor-Aufnahmen der wichtigsten Pflanzengesell­schaften für das Kapitel 4. Weitere Aufnahmen finden sich im Westpfalz-Gutachten 1980; Vegetations­karten im Pflege- und Entwicklungsplan 1987.

(Stand am 1. 6. 2008, für die Exkursion am 7. 6. 2008 der POLLICHIA-Kreisgruppe Bad Kreuznach)