Ausgedehnte Feuchtwiesen im Scheidelberger Woog


Bastard (?) zwischen der Schnabel-Segge (Carex rostrata) und der Blasen-Segge (Carex vesicaria)


Botanische Exkursion am Samstag, 07.06.2008
Führung: Peter Wolff, Dudweiler

Artenschwund trotz Pflegemaßnahmen

NSG Scheidelberger Woog einst und jetzt

Eine kleine, aber stark interessierte Gruppe hatte sich am Marktplatz in Hauptstuhl eingefunden, um unter Leitung von Peter Wolff, dem bekannten Pfälzer Botaniker und Wasserpflanzen-Experten, das weitläufige Schutzgebiet „Scheidelberger Woog“ kennenzulernen. Es handelt sich, wie der Exkursionleiter in seiner Einführung darlegte, um das größte zusammenhängende Areal feuchter, nährstoffarmer Wiesen der Pfalz. Obwohl es mit seiner gesamten Fläche seit 1987 unter Naturschutz steht und seit damals auch Pflegemaßnahmen durchgeführt werden, musste Wolff miterleben, wie seit 1980 nicht weniger als 21 gefährdete Arten verschwanden

Es muss also Faktoren geben, denen mit Pflegemaßnahmen nicht beizukommen ist. Dazu gehört wahrscheinlich die Klimaveränderung, die zu einem Nachlassen der Feuchtigkeit führt. Stickstoffeinträge aus der Luft bewirken zudem eine Eutrophierung. Das begünstigt hochwüchsige Arten, welche die meist konkurrenzschwachen seltenen Arten verdrängen.

Stellvertretend für die verschwundenen Arten seien genannt: Botrychium lunaria (Mondraute), Dactylorhiza maculata (Geflecktes Knabenkraut), Hieracium lactucella (Ohrlöffel-Habichtskraut), Pedicularis palustris (Sumpf-Läusekraut) und Platanthera bifolia (Zweiblättrige Waldhyazinthe).

Da die heute noch sehenswerten Biotope weit auseinanderliegen, konzentrierten sich die Exkursionsteilnehmer auf wenige Autos und fuhren über teils holprige Wege zu den Fundstellen. Das etwas kühle Wetter erwies sich als ideal, da die sonst zahlreichen Plagegeister (Bremsen und Mücken) nur in geringer Zahl flogen.

Da eine Beschreibung des Exkursionsweges einen zu umfangreichen Text ergäbe und von Seiten der Teilnehmer eine möglichst vollständige Liste der gesehenen botanischen Besonderheiten gewünscht wurde, seien diese aufgezählt. Seltene Arten sind fett gedruckt.

Callitriche stagnalis Teich-Wasserstern Juncus effusus Flatter-Binse
Cardamine amara Bitteres Schaumkraut Lathyrus pratensis Wiesen-Platterbse
Carex acuta Zierliche Segge Listera ovata Großes Zweiblatt
Carex brizoides Zittergras-Segge, Falsches Seegras Lotus pedunculatus Sumpf-Hornklee
Carex canescens Grau-Segge Lycopus europaeus Wolfstrapp
Carex demissa Grünliche Gelb-Segge Lysimachia vulgaris Gewöhnlicher Gilbweiderich
Carex disticha Zweizeilige Segge Lythrum salicaria Gewöhnlicher Blutweiderich
Carex echinata Igel-Segge Molinia caerulea Pfeifengras
Carex lasiocarpa Faden-Segge Myosotis nemorosa Hain-Vergissmeinnicht
Carex nigra Braun-Segge Oenanthe peucedanifolia Haarstrangblättriger Wasserfenchel
Carex panicea Hirse-Segge Peucedanum palustre  Sumpf-Haarstrang
Carex pilulifera Pillen-Segge Phalaris arundinacea Rohr-Glanzgras
Cirsium palustre Sumpf-Kratzdistel Potamogeton polygonifolius Knöterichblättriges Laichkraut
Crepis paludosa Sumpf-Pippau Potentilla erecta Blutwurz
Dactylorhiza majalis Breitblättriges Knabenkrau Potentilla palustris Sumpf-Blutauge
Drosera rotundifolia Rundblättriger Sonnentau Ranunculus flammula Brennender Hahnenfuß
Elodea canadensis Kanadische Wasserpest Ranunculus peltatus  Schild-Wasserhahnenfuß
Epilobium obscurum Dunkles Weidenröschen Sanguisorba officinalis Großer Wiesenknopf
Equisetum palustre Sumpf-Schachtelhalm Silene flos-cuculi Kuckucks-Lichtnelke
Eriophorum angustifolium Schmalblättriges Wollgras Stellaria graminea Gras-Sternmier
Filipendula ulmaria Sumpf-Mädesüß Stellaria palustris Sumpf-Sternmiere
Galium palustre Sumpf-Labkraut Succisa pratensis Teufelsabbiss
Galium uliginosum Moor-Labkraut Thalictrum flavum  Gelbe Wiesenraute
Hypericum maculatum Geflecktes Johanniskraut Thelypteris palustris Sumpffarn
Iris pseudacorus Gelbe Schwertlilie Typha latifolia Breitblättrigr Rohrkolben
Juncus acutiflorus Spitzblütige Binse Valeriana dioica  Sumpf-Baldrian
Juncus bulbosus Knoten-Binse Moose:  
Juncus conglomeratus Knäuel-Binse Philonotis cespitosa  Rasen-Quellmoos

Was die Exkursion besonders lehrreich machte, waren die zahlreichen Hinweise des Exkursionsleiters auf ökologische Zusammenhänge. Darüber könnte seitenlang berichtet werden. Hier sei nur ein Beispiel herausgegriffen: Die nährstoffärmste Wiese des Gebietes verdankt ihre artenreiche Flora der Tatsache, dass sie noch nie gedüngt wurde. Ihre geringe Wuchsleistung ließ nur eine einzige Mahd im Jahr zu. Und selbst diese lohnte sich nur spät im Sommer. Alle Pflanzen konnten dadurch ungehindert Samen bilden, die beim Mähen größtenteils auf den Boden fielen. Das führte zum Artenreichtum und förderte auch das Pfeifengras, welches Mahd nicht gut verträgt. So entstand der seltene Typ einer pfeifengrasreichen Mähwiese. Wer Pfeifengras nur von seiner unangenehmen bultbildenden Variante aus austrocknenden Moore kennt, war überrascht, dass man hier völlig ebenerdig durch lockere Pfeifengrasbestände laufen konnte.

Fast am Schluss der Exkursion bereitete eine ganz eigenartig aussehende Segge Kopfzerbrechen. Vermutlich handelt es sich um einen Bastard zwischen der Schnabel-Segge und der Blasen-Segge.

Durch viele Eindrücke bereichert, dankten die Teilnehmer dem sach- und ortskundigen Exkursionsleiter, ohne den man die vielen verborgenen Besonderheiten nicht hätte finden können.

 

 Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert, Trier

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