Artenreiche Wiesen in der pfälzischen Oberrheinebene bei Ruchheim und evtl. zwischen 
Speyer und Schifferstadt 

Botanische Exkursion am Samstag, 31.05.2008
Führung: Dr. Walter Lang, Bad Dürkheim

Begrannter Klappertopf  (Rhinanthus glacialis)                                                     


Artenreiche Biotope in der Nähe von Ludwigshafen

Fährt man über die Autobahnen im Umkreis von Ludwigshafen, hat man den Eindruck einer total von wirtschaftlicher Nutzung geprägten Landschaft. Städte und große Dörfer mit Industrie- und Gewerbegebieten nehmen viele Flächen ein, und die verbleibende freie Landschaft ist durch intensiven Ackerbau geprägt. Unterbrochen wird das oft monotone Bild lediglich durch Auenwälder entlang des Rheins und der Altrheinarme.
Dass aber auch im waldfreien Bereich hie und da noch hervorragende Biotope erhalten geblieben sind, wurde bei der Exkursion am 31.Mai 2008 deutlich. Die Führung lag in Händen des bekannten Pfälzer Botanikers Dr. Walter Lang. Ihm ist es in erster Linie zu verdanken, dass für die botanische Erforschung der Pfalz in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Blütezeit begann. Er kennt die besuchten Biotope schon viele Jahre lang und konnte deshalb vieles über deren Entwicklung und die Geschichte des Naturschutzes berichten. Leider erfüllte sich die Erwartung, ein so hochkarätiger Exkursionsleiter müsse zahlreiche Mitglieder der POLLIHIA-Kreisgruppe Bad Kreuznach und des Botanischen Arbeitskreises Nahe-Hunsrück anlocken, nicht. Nur 5 Mitglieder kamen, und es wäre dem Leiter des Arbeitskreises peinlich gewesen, wenn nicht fast dreimal so viele Interessenten aus der Pfalz hinzugekommen wären. Sie hatten durch den POLLICHIA-Kurier von der Exkursion erfahren, ein Beweis dafür, dass die Zeitschrift eifrig gelesen wird.
 
Erstes Ziel waren die Ruchheimer Wiesen. Es handelt sich um artenreiche Stromtalwiesen in einer uralten Flutmulde weitab vom heutigen Rheinlauf und von den Altrheinarmen. Die Feuchtigkeitsverhältnisse reichen von trocken bis nass. Das erklärt den Reichtum an meist seltenen und schutzwürdigen Arten. Die folgende Liste präsentiert eine Auswahl:
 
Allium angulosum Kanten-Lauch
Althaea officinalis Echter Eibisch
Anthericum ramosum Ästige Graslilie
Carex otrubae Falsche Fuchs-Segge
Carex tomentosa Filzige Segge
Cirsium tuberosum  Knollige Kratzdistel
Eleocharis uniglumis Einspelzige Sumpfbinse
Equisetum ramosissimum Ästiger Schachtelhalm
Euphorbia palustris  Sumpf-Wolfsmilch
Filipendula vulgaris Echtes Mädesüß
Galium boreale Nordisches Labkraut
Galium wirtgenii                                   (Galium verum subsp. wirtgenii) Wirtgens Labkraut
Genista tinctoria Färber-Ginster
Inula salicina Weiden-Alant
Ononis spinosa Dornige Hauhechel (zahlreich)
Peucedanum officinale Echter Haarstrang
Rhinanthus glacialis  Begrannter Klappertopf (in Massen)
Schoenoplectus lacustris Gewöhnliche Teichbinse
Tetragonolobus maritimus Spargelbohne (zahlreich)
Tragopogon orientalis                (Tragopogon pratensis s.l.) Orientalischer Bocksbart
Trifolium montanum Berg-Klee
Valeriana pratensis Wiesen-Baldrian
Veronica teucrium Großer Ehrenpreis
                                                  
Die Dornige Hauhechel in großer Zahl zu sehen, war sehr lehrreich. Immer wieder wird nämlich die viel häufigere Kriechende Hauchechel damit verwechselt, da sie auch recht dornig sein kann. Die Äste der Dornigen Hauhechel ragen auffällig senkrecht in die Höhe und sind fast nicht klebrig.
Der Wiesen-Baldrian gehört zu den Besonderheiten der Oberrheinebene. Er ähnelt dem Hügel-Baldrian, ist aber im Gegensatz zu diesem kahl.
Da das Naturschutzgebiet nicht gerade groß ist, wurde es immer wieder von umliegenden Landwirten bedrängt, die versuchten, sich beim Pflügen möglichst nahe an die Mulde heranzuarbeiten. Neuerdings gelang es zum Glück, angrenzende Parzellen zu erwerben und als Pufferzone dem Schutzgebiet einzugliedern. Dort entwickeln sich die Pflanzenbestände vielversprechend.
 
Das nächste Exkursionsziel, das NSG „Sandgruben bei Schauernheim“, bot einen scharfen Kontrast. Es ist ein erst in neuester Zeit vom Menschen gemachter Biotop. Zum Bau einer Autobahn wurde dort am Fuße des Hochufers Sand abgegraben. Auf dem dadurch entstandenen Rohboden entwickelte sich teilweise eine Wiese mit Kartäusernelke, Großem Ehrenpreis, Salbei und Tauben-Skabiose. Auf Rohboden haben sich Große Bestände des Wolligen Fingerhutes (Digitalis lanata) entwickelt, der gerade zu blühen begann. In einem größtenteils trockengefallenen Teich wuchsen in Mengen die Salzbunge (Samolus valerandi) und die Blaugrüne Teichbinse (Schoenoplectus tabernaemontani).
 
Zuletzt wurde das einst berühmte NSG „Dannstadter Gräberfeld“ aufgesucht. Es ist ein trauriges Beispiel dafür, wie man einen Biotop „totschützen“ kann. Mitten in der Rheinebene liegt ein latènezeitliches Grabhügelfeld. Die aus Sand errichteten Grabhügel waren das ganze Mittelalter hindurch ohne den geringsten Gehölzbewuchs und somit dem Wind ausgesetzt. Die dadurch verursachte Trockenheit bot einer Steppenvegetation mit Adonisröschen und anderen Raritäten Lebensmöglichkeiten. 
Im 20. Jahrhundert glaubte man das Schutzgebiet durch eine Gehölzpflanzung abschirmen zu müssen. Das führte rasch zu einer totalen Änderung des Kleinklimas, und die Steppenvegetation verschwand nach und nach. Heute trifft man einen lichten Wald mit hohen Bäumen an, und nur noch wenige Arten wie der Blutrote Storchschnabel, die Kartäusernelke und ein einsames Exemplar der Schwalbenwurz erinnern an die einstige Steppenvegetation, die auf einer Hinweistafel weiterhin angepriesen wird. Nach der Essigrose, die ebenfalls noch vorkommen soll,, suchten die Teilnehmer vergebens.
Dr. Lang wusste zu berichten, dass es auch außerhalb des NSG noch ein paar schöne Grabhügel gab, die aber schließlich von Landwirten plattgewalzt wurden.  
 
Die Exkursion hatte solchen Anklang gefunden, dass sich jeder einzelne Teilnehmer beim Exkursionsleiter durch Händedruck bedankte. Lobend wurde vor allem erwähnt, dass die Wanderung ohne jeglichen Zeitdruck erfolgte und alles Wissenswerte in Ruhe und sehr anschaulich erklärt wurde.

  Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert

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