Trocken- und Feuchtbiotope im Glantal: Remigiusberg und Glanaue



Botanische Exkursion am Samstag, 12.07.2008
Führung: Robert Fritsch, Idar-Oberstein

Vom Menschen erzeugte Biotopvielfalt

am Remigiusberg und in der Glanaue bei Theisbergstegen

Steinbrüche, Sand- und Tongruben trugen in der Zeit vor der Industrialisierung fast immer zur Erhöhung der Biotopvielfalt bei. Der Abbau schritt langsam voran und sorgte deshalb permanent für offene, felsige oder schotterige Flächen, auf denen sich seltene Pionierpflanzen ansiedeln konnten. In den älteren Teilen der Gruben gab es alle möglichen Sukzessionsstadien. Auch flache Tümpel und Teiche blieben oft zurück. Nur selten wurden Gruben wieder verfüllt.

Heute erfolgt der Abbau großflächig, und bis zur Wiederverfüllung bleibt oft wenig Zeit. Pioniervegetation kann sich deshalb meist nicht mehr so reichhaltig entwickeln wie in früheren Zeiten.

Der Remigiusberg am Glan ist insofern eine interessante Ausnahme, als es zwar stark industrialisierte Abbaubereiche gibt, aber auch zahlreiche ältere Steinbrüche und Abraumhalden. Nur letztere sind zugänglich.

Geführt von Robert Fritsch (Idar-Oberstein), begaben sich vom Parkplatz an der Michelsburg sieben stark interessierte Teilnehmer auf steinigen, aber weitgehend ebenen Pfaden in das Gebiet hinein. Es gäbe keinen Berg in der Nordpfalz, der so zerwühlt ist wie der Remigiusberg, erklärte der Exkursionsleiter. Der hier anstehende Kuselit, ein permisches Vulkangestein, liefert einen begehrten Hartstein, u.a. für den Straßenbau. Die Pioniervegetation der Steinbruchwände, Steinschutt- und Abraumhalden sei botanisch nicht allzu spektakulär, doch kämen zu einigen bemerkenswerten einheimischen Arten auch einige interessante Neophyten hinzu, darunter zwei Weidenröschen-Arten. Zum einen das Rosmarin-Weidenröschen (Epilobium dodonei), das im Randbereich der Alpen beheimatet ist und in Rheinland-Pfalz erstmals um 1950 auftauchte, und zwar am Rammelsbacher Kopf nördlich des Remigiusberges. Zum anderen das aus Nordamerika stammende Kurzfrüchtige Weidenröschen (Epilobium brachycarpum), das in Deutschland erstmals 1994 bei Kirchheimbolanden gefunden wurde und sich seit damals geradezu explosionsartig in Steinbrüchen und entlang mancher Bahnanlagen ausbreitet. Es verdrängt dabei nicht einmal einheimische Arten, denn es besiedelt – wie die Exkursionsteilnehmer beobachten konnten – extrem karge Gesteinsschutthalden, an denen vorher garnichts wuchs. Beide Weidenröschen-Arten waren gerade am Aufblühen, der Exkursionszeitpunkt also gut gewählt.

An selteneren einheimischen Arten wurden notiert: Stinkender Pippau (Crepis foetida), Acker-Filzkraut (Filago arvensis) und Schmalblättriger Hohlzahn (Galeopsis angustifolia). Die an vielen Stellen wachsende Flockenblume erwies sich trotz strahlender Randblüten nicht als Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea). Die Hüllblatt-Anhängsel der Blütenköpfe sind zumindest in der unteren Hüllenhälfte kammförmig gefranst. Bei der Wiesen-Flockenblume dürfen sie nur unregelmäßig eingerissen sein. Die Pflanzen gehören also zur formenreichen Übergangsgruppe zwischen Centaurea jacea und Centaurea nigra.

Nach der Mittagspause mit Rucksackverpflegung fuhren die Teilnehmer ins Glantal nach Theisbergstegen hinunter. Die Wanderung führte glanabwärts an der Bahn entlang, wo es von Kusel nach Kaiserslautern wieder einen regen Bahnbetrieb durch die private Bahngesellschaft  Transregio gibt.

Auf Schotterflächen neben der Bahn, die teilweise als Lagerplatz für Kies genutzt werden, fanden die Teilnehmer wiederum Crepis foetida in großer Zahl, ebenso zahlreich die Sprossende Felsennelke (Petrorhagia prolifera) und einen ansehnlichen Bestand der Hunds-Braunwurz (Scrophularia canina), die von hier noch nicht bekannt war. Weitere typische Bahnstrecken-Neophyten waren die Virginische Kresse (Lepidium virginicum) und das schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens), von dem nur 1 Exemplar vorkam. Vergeblich wurde nach dem Purpur-Storchschnabel (Geranium purpureum) Ausschau gehalten; zwischen den Gleisen wuchs ausschließlich der Ruprechts-Storchschnabel (Geranium robertianum).

Die gut vorbereitete Exkursion machte deutlich, dass sogenannte gestörte Stellen, an denen abgegraben, aufgeschüttet oder geschottert wurde, artenreiche Biotope und lohnende botanische Exkursionsziele sein können. Das darf aber nicht als Aufforderung missverstanden werden, in der Landschaft möglichst viel herumzubaggern. Es kommt immer darauf an, wo es geschieht.

Als hätte der Exkursionsleiter das Wetter genau vorausberechnet, fing es erst kurz vor der Rückkehr zu den Autos zu nieseln an.

 Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert, Trier

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