Botanische Raritäten auf ehemaligem Bergwerksgelände


Das Zentrum für Biodokumentation des Saarlandes 
auf einem ehemaligen Bergwerksgelände in Landsweiler-Reden

Botanische Exkursion am Samstag, 09.08.2008
Führung: Steffen Caspari und Franz-Josef Weicherding, Zentrum für Biodokumentation

Ergiebige botanische Wanderung über Bergwerkshalden

Exkursion am 9. August 2008 in Landsweiler-Reden im Saarland

Die Exkursion stand unter mehreren guten Sternen. In einer Schlechtwetterperiode sorgte ein Zwischenhoch für sonniges und warmes  Wetter. In Dr. Steffen Caspari und Franz Josef Weicherding standen zwei Biologen zur Verfügung, die zu der leider sehr geschrumpften und im akademischen Raum viel zu wenig geförderten Gruppe mit profunden Artenkenntnissen gehören. Bei seiner Begrüßung im Zentrum für Biodokumentation des Saarlands machte Dr. Caspari deutlich, das hier gegen den Trend in Deutschland eine Institution geschaffen wurde, in der ein Team qualifizierter Feldbiologen in einer Kombination von Museum, Bildungsstätte und Forschungsinstitut fast alle Organismengruppen bearbeitet. In erster Linie eine Institution des Saarlandes, die auch gewisse behördliche Funktionen im Bereich des Biotop- und Artenschutzes ausübt, gewinnt das Zentrum auch für bundesweite Projekte Bedeutung, weshalb demnächst Bundesumweltminister Gabriel einen Besuch abstatten wird.

Eine Besichtigung des Zentrums wäre zwar verlockend gewesen, doch soll diese einer späteren Exkursion im Winterhalbjahr vorbehalten bleiben. Diesmal lohnte es sich, die Natur draußen aufzusuchen. Draußen heißt in diesem Fall: ein ehemaliges Bergwerksgelände mit riesigen Abraumhalden. Auf Teilen derselben versuchte man durch Auftragen einer Mulchschicht eine rasche Bewaldung herbeizuführen. Das schlug fehl, da sich statt Wald öde Brennnesselbestände entwickelten, und viel Geld wurde unnötig verpulvert. Botanisch höchst interessante Pioniergesellschaften entwickelten sich jedoch dort, wo man das nährstoffarme Abraummaterial unbedeckt ließ.

Anfangs mussten die Exkursionsteilnehmer etwas kraxeln, und der kurze Aufstieg durch den rutschigen Hang wurde sogleich durch Funde von Fossilien in Kohlestücken und karbonischem Sandstein belohnt. Der weitere Weg führte über eine riesige, meist ebene Haldenfläche, die teilweise als Bauschuttdeponie dient und auf der es Mulden mit verdichtetem Boden gibt, die ständig oder zeitweise mit Wasser gefüllt sind. Hier hatten die Exkursionsteilnehmer ausgiebig Gelegenheit, die seltene Wechselkröte zu beobachten. Auch Kreuzkröten und Ringelnattern seien hier anzutreffen, erklärten die Exkursionsleiter.

Diese kennen fast jeden Quadratmeter des Geländes und führten deshalb von einer botanischen Überraschung zu anderen. Da die Flora von Landsweiler-Reden bereits gut dokumentiert ist, sei nur eine Auswahl der Besonderheiten aufgezählt: Alisma lanceolatum (Lanzett-Froschlöffel), Bolboschoenus laticarpus (Breitfrüchtige Strandsimse), Crepis foetida (Stinkender Pippau), Crepis pulchra (Schöner Pippau, den es im Saarland nur hier gibt),

Cynoglossum officinale (Echte Hundszunge), Epilobium brachycarpum (Kurzfrüchtiges Weidenröschen, der vor kurzem eingewanderte Neophyt), Geranium rotundifolium (Rundblättriger Stochschnabel), Gypsophila muralis (Mauer-Gipskraut), Hyoscyamus niger (Bilsenkraut), Picris echioides (Natternkopf-Bitterkraut), Pyrola minor (Kleines Wintergrün), Rumex maritimus (Strand-Ampfer), Rumex palustris (Sumpf-Ampfer) und Salix eriocephala (Herzblättrige Weide, ein Neophyt).

Reichlich waren die Chenopodiaceen vertreten, und die Exkursion wurde geradezu zu einem Seminar zum Vergleichen und Unterscheiden der Gänsefuß- und Meldenarten. Einander ähnliche Arten wuchsen nämlich oft dicht beisammen. Franz-Josef Weicherding demonstrierte viele Merkmale der folgenden Arten, die auch im vegetativen Zustand eine sichere Unterscheidung erlauben:

Atriplex micrantha (Verschiedensamige Melde), Atriplex oblongifolia (Langblättrige Melde), Atriplex sagittata (Glanz-Melde), Chenopodium album (Weißer Gänsefuß), Chenopodium botrys (Klebriger Gänsefuß), Chenopodium ficifolium (Feigenblättriger Gänsefuß), Chenopodium glaucum (Graugrüner Gänsefuß), Chenopodium rubrum (Roter Gänsefuß) und Chenopodium strictum (Gestreifter Gänsefuß).

Einige der genannten Arten wachsen auf der bis ca. 400 m aufragenden, höchsten Halde, die nach der Mittagspause aufgesucht wurde. Dort erhielten die Exkursionsteilnehmer zusätzlich zu den botanischen auch viele interessante geographische Informationen. Das bot sich dort an, da man in alle Himmelrichtungen weite Ausblicke über den Saar-Kohlenwald mit seinen zahlreichen Fördertürmen und anderen Spuren des Bergbaues bis hin zum Pfälzer Wald, zum Andesitplateau von Baumholder und zum Hunsrück genießen konnte.

Einhellige Meinung aller Teilnehmer: „Wir haben neue und faszinierende Eindrücke vom Saarland bekommen.“

 Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert, Trier

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