Bestimmen von Pilzen in der Umgebung Meisenheims


Der Grünlings-Klumpfuß (Cortinarius pseudosulphureus).im Wald unterhalb des Raum-Berges


Pilzkundliche Exkursion am Samstag, 14.10.2006
Führung: Hans-Dieter Zehfuß, Pirmasens

Am Freizeitgelände der Ortsgemeinde Raumbach (32:0402662 E, 5510221 N) traf sich eine kleine Gruppe Interessierter zu einer pilzkundlichen Exkursion. In einem Umkreis von nur 100 Metern vom Ausgangspunkt der Exkursion aus konnte ein breites Spektrum von Pilzen der Wiesen, Waldsäume und Eichen-Hainbuchenwälder bestimmt werden. Ingesamt waren etwa 50 verschieden Arten anzutreffen. Der Artenreichtum und das Auftreten einer Vielzahl von Pilzen, die sonst fast nie in dieser Region anzutreffen sind, wurde auf die besonderen Witterungsbedingungen in diesem Jahr zurückgeführt. Der sehr heiße Juli und der kühle, nasse August haben sicherlich zum massenhaften Auftreten von Pilzen beigetragen. Dabei ist zu bedenken, dass die Myzelien der Pilze wahrscheinlich immer im Boden vorhanden sind, Fruchtkörper jedoch erst bei bestimmten äußeren Bedingungen auftreten.

Am Beispiel des Karbol-Champignons (Agaricus xanthoderma) und anderer Pilze gab uns Herr Zehfuß im Laufe der Exkursion einige nützliche Hinweise für deren Bestimmung. Das äußere Erscheinungsbild des Fruchtkörpers eines Pilzes ist dabei nicht immer eindeutig, da es je nach Standort variieren kann. So sind z.B. die Farbe der Hut-Oberseite und des Stieles auch von der Beleuchtung während des Wachstums abhängig. Zucht-Champignons (Agaricus bisporus), die bei völliger Dunkelheit wachsen, bleiben reinweiß. Die gleichen Pilze haben, wenn sie bei Helligkeit gehalten werden, einen braun gefärbten Hut (sog. "Stein-Champignons"). Eindeutig sind dagegen die Farben des Sporenpulvers und der Geruch eines Pilzes. Leider gibt es für die Beschreibung dieser Artkennzeichen nicht genügend Begriffe, um die Merkmale exakt beschreiben zu können. Die Farbtafeln von Seguy, Kornerup, Wanscher u.a., mit denen die Farbe des Sporenpulvers einer Pilzart verglichen werden kann, sind ein wertvolles Hilfsmittel bei der Bestimmung von Pilzen.

Ein weiteres Thema war die Essbarkeit und Giftigkeit eines Pilzes. Es gibt eine große Anzahl von Pilzen, die zwar essbar sind, als Speisepilze jedoch nicht zu empfehlen sind, da sie auf Grund der Besonderheiten ihres Geruchs, Geschmacks, der geringen Festigkeit der Fruchtkörper und anderer Eigenschaften für den Verzehr ungeeignet sind. Der Geschmack eines Pilzes wird zudem häufig unterschiedlich bewertet. So ist der Nebelgraue Trichterling (Clitocybe nebularis), der in manchen Pilzbüchern als "bedenklich und ungenießbar" bezeichnet wird, in Bayern ein beliebter Speisepilz. Die Giftwirkung eines Pilzes ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Sie bezieht sich je nach Pilzart auf verschiedene Organe. Sie kann sofort aber auch erst nach mehreren Tagen eintreten. Weiterhin wird die Giftigkeit eines Pilzes von verschiedenen Autoren und auch regional unterschiedlich bewertet. So ist der Kahle Krempling (Paxillus involutus), ein in der Vergangenheit beliebter und wohlschmeckender Speisepilz, auf Grund eines Berichts über die Auslösung eines tödlich verlaufenden allergischen Schocks allgemein zum Giftpilz erklärt worden.

Die folgende Tabelle stellt einige Pilzarten zusammen, die während der Exkursion bestimmt werden konnten:

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

Besonderheiten
Schaf-Champignon Agaricus arvensis
Karbol-Champignon Agaricus xanthoderma Geruch nach Desinfektionsmittel (Karbol) oft nicht sehr intensiv. Eindeutig ist die intensive chromgelbe Verfärbung der Schnittfläche an der Stielbasis
Wiesen-Champignon Agaricus campestris auf gedüngten Wiesen
Kammförmige Koralle Clavulina coralloides  
Nebelgrauer Trichterling  Clitocybe nebularis
Brennender Rübling Collybia peronata faseriger, elastischer Stiel
Bitterer Schleimkopf Cortinarius infractus
Verfärbender Schleimkopf Cortinarius nemorensis*
Purpurfleckender Klumpfuß Cortinarius purpurascens
Grünlings-Klumpfuß Cortinarius pseudosulphureus*
Violettroter Klumpfuß Cortinarius rufoolivaceus*
Niedergedrückter Rötling Entoloma rhodopolium rötliche Sporen
Riesen-Rötling Entoloma sinuatum gefährlicher Giftpilz
Gewimperter Erdstern Geastrum fimbriatum
Herbst-Lorchel Helvella crispa

Kegeliger Saftling Hygrocybe conica
"Überpilze", Schimmelpilze Hypermyceten weiß später gelb auf Rotfuß-Röhrlingen
Erdblättriger Risspilz Inocybe geophylla
Birnen-Risspilz Inocybe fraudans
Orangefuchsiger Milchling Lactarius fulvissimus Wegen des scharfen Geschmacks werden Milchlinge auch Reizker genannt.
Gebänderter Milchling Lactarius pyrogalus Hut gebändert, Mykorrhiza mit Hainbuchen
Tränender Saumpilz Lacrymaria lacrymabunda auf Wiesen am Waldrand
Hainbuchen-Rauhfuß Leccinum griseum Fleisch im Schnitt schwarz verfärbend, sonst wie Birkenpilz
Wasserfleckiger Röteltrichterling Lepista gilva
Lilafarbener Rötelritterling Lepista sordida kleiner und weniger riechend als Violetter Rötelritterling
Warzen-Riesenschirmling Macrolepiota mastoidea Hutmitte mit typisch brustwarzenförmigen Buckel
Rettich-Helmling Mycena pura durch Geruch gut gekennzeichnete Art
Heu-Düngerling Panaeolina foenisecii
Kahler Krempling Paxillus involutus
Büscheliger Faserling Psathyrella multipedata in dichten Büscheln mit 30-50 Hüten
Steife Koralle Ramaria stricta
Würziger Tellerling Rhodocybe gemina*
Zerbrechlicher Täubling Russula fragilis
Weinbrauner Täubling Russsula vinosobrunnea*
Dünnschaliger Kartoffelbovist Scleroderma verrucosum
Rotbrauner Zitterling Tremella foliacea auf totem Laubholz
Rotfuß-Röhrling Xerocomus chrysenteron
Eichen-Filzröhrling Xerocomus communis Art erst kürzlich beschrieben, in diesem Jahr häufig
Grubiger Wurzelrübling Xerula radicata
 

* Von diesen Arten werden Exemplare als Belege im Fungarium des Pfalzmuseums für Naturkunde (POLLICHIA-Museum) in Bad Dürkheim aufbewahrt.

Koordinatensystem: UTM

Zusammengestellt von Günter Wrusch, Meisenheim

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