Frühlingsboten in Weinbergen und an Felsvorsprüngen an der Senheimer Lay im Moseltal und im weniger bekannten Ostteil des Calmont


Lauch-Hellerkraut (Thlaspi alliaceum)

 

Nelken-Sommerwurz (Orobanche caryophyllacea)


Botanische Exkursion am Samstag, 11.05.2013
Führung: Robert Fritsch, Idar-Oberstein und Dr. Hans Reichert, Trier

Gelungener Auftakt zum Exkursionsjahr 2013:
Wanderungen an felsigen Steilhängen des Moseltales

 

Am 11. Mai fand sich am Ortsrand von Senheim bei Cochem nur eine kleine Gruppe von POLLICHIA-Mitgliedern ein, um unter Führung von Robert Fritsch und Dr. Hans Reichert die Frühlingsflora an zwei Felshängen des Moseltales zu erkunden. Einige hatte wohl die Ankündigung von Regenschauern abgeschreckt, andere wollten sich nach einer mehrtägigen, erst am Tag zuvor beendeten Ungarnreise des Ornithologischen Arbeitskreises erholen. Aufgestockt wurde die Teilnehmerzahl durch zwei Gäste aus der Region Trier, wo die Exkursion in einem Faltblatt der Naturschutzverbände angekündigt worden war. Erstmals verschaffte sich Frau Bianca Steimle, die neue Vorsitzende der POLLICHIA-Kreisgruppe Bad Kreuznach, einen Eindruck von den Botanischen Tagesexkursionen.

Mit dem Wetter hatte die Gruppe Glück, denn es gab nur kurze Perioden von Nieselregen, dazwischen lediglich bedeckten Himmel, gelegentlich sogar Sonnenschein.

Erstes Ziel war die Senheimer Lay. Es handelt sich dabei um eine zwischen Weinbergen gelegene Felszone, die von einem steil bergauf führenden Wandersteig erschlossen ist. Bereits auf dem Anmarsch durch Weinbergs Wege stießen die Exkursionsteilnehmer auf die erste botanische Rarität: das nach Knoblauch riechende Lauch-Hellerkraut (Thlaspi alliaceum). Die Pflanze war schon weitgehend verblüht, wegen ihres stattlichen Wuchses und ihres reichlichen Vorkommens an Weinbergsrändern und –mauern jedoch nicht zu übersehen (Abbildung 1). Sie wurde erst in den 90er Jahren im Moseltal nachgewiesen, nachdem zuvor in Rheinland-Pfalz nur ein Vorkommen in der Pfalz bekannt war. Es ist anzunehmen, dass die südeuropäische Pflanze erst in neuerer Zeit an der Mosel eingewandert ist.

Am Felsenpfad empfing die Teilnehmer eine Fülle wärmeliebender Pflanzenarten, von denen viele auch aus dem Nahetal bekannt sind: Astlose Graslilie (Anthericum liliago), Sand-Schaumkresse (Arabidopsis thaliana subsp. borbasii), Schwarzstieliger Streifenfarn (As plenium adiantum-nigrum), Schriftfarn (Asplenium ceterach), Blauroter Steinsame (Buglossoides purpurocaerulea), Sichel-Hasenohr (Bupleurum falcatum), Wald-Bergminze (Calamintha menthifolia), Kartäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), Bleicher Schaf-Schwingel (Festuca pallens), Armblütige Gänsekresse (Fourraea alpina, älterer Name Arabis pauciflora), Blutroter Storchschnabel (Geranium sangiuineum), Ausdauernder Lattich (Lactuca perennis), Wimper-Perlgras (Melica ciliata), Durchwachsenblättriges Kleintäschelkraut (Microthlaspi perfoliatum), Nelken-Sommerwurz (Orobanche caryophyllacea, Abb. 2), Schild-Ampfer (Rumex scutatus), Blausternchen(Scilla bifolia), Berg-Heilwurz (Seseli libanotis), Echtes Federgas (Stipa pennata), Ebensträußige Wucherblume (Tanacetum corymbosum), Kleine Wiesenraute (Thalictrum minus subsp. saxatilis), Alpen-Klee (Trifolium alpestre) und andere mehr. Das Federgras hat an der Senheimer Lay sein moselaufwärts letztes Vorkommen.

Da fast alle Pflanzen in voller Blüte standen, kann man sich vorstellen, dass kein besserer Zeitpunkt für die Exkursion hätte gefunden werden können.

Auch in der Strauchschicht war vom Felsenahorn (Acer monspessulanum) über die Felsenmispel (Cotoneaster integerrimus) und die Bibernell-Rose (Rosa spinosissima) bis zum Wolligen Schneeball (Viburnum lantana) fast alles vertreten, was zur wärmeliebenden Felsflora gehört.

Nach der Mittagsrast am Ortsrand von Senheim ging es bei sonnigem, aber sehr windigen Wetter etwas moselaufwärts zum Calmont bei Ediger-Eller. Dort folgte die Wanderung nicht dem weithin bekannten Klettersteig durch „Deutschlands steilsten Weinberg“, sondern führte am Sporn zwischen dem Moseltal und dem Ellerbachtal bergauf und dann bergab in das Ellerbachtal hinein, dessen Talsohle nahe des Beginns des langen Cochemer Eisenbahntunnels erreicht wurde. Im Tal ging es dann zurück zum Ausgangspunkt. Viele der bei Senheim beobachteten Pflanzen sahen wir hier nochmals. Es gab aber auch Neues wie z. B. reiche Bestände des Buchsbaumes (Buxus sempervirens) und Vorkommen des Hirsch-Haarstrangs (Peucedanum cervaria) und des Ährigen Ehrenpreises (Veronica spicata).

Ermüdet von den anstrengenden Wanderungen aber zufrieden mit der Fülle des Gesehenen traten die Teilnehmer den Heimweg an.

 

Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert, Trier

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