Artenreiche Wiesen auf dem Plateau über der Mosel bei Graach und Zeltingen


 

Botanische Exkursion am Samstag, 07. 07.2007

Führung: Prof. Dr. Barbara Ruthsatz, Trier und Dr. Hans Reichert, Trier

 


Schachbrett (Melanargia galathea) an einer Wiesen-Flockenblume (Centaurea jakea)


Am Samstag, dem 23. Juni, fand sich trotz regnerischen Wetters ein Dutzend Teilnehmer auf den Moselhöhen zwischen Bernkastel und Traben-Trarbach ein. Auf einem Bergsporn innerhalb einer großen Moselschleife liegt dort das Kulturdenkmal der Graacher Schanzen. Diese Befestigungswälle wurden 1794 von den Preußen zur Abwehr französischer Angriffe angelegt und nach der Eroberung von den französischen Truppen erweitert und vollendet.

Heute sind die Schanzen größtenteils von Gebüsch überwachsen und fallen im Gelände deshalb wenig auf.

Botanischer Anziehungspunkt sind wenig bis mäßig gedüngte Wiesen in der Umgebung der Schanzen. Sie waren Ziel der von Prof. Dr. Barbara Ruthsatz und Dr. Hans Reichert (Trier) geleiteten Exkursion. Der floristische Reichtum dieser Wiesen wurde von Frau Ruthsatz damit erklärt, dass der Nährstoffgehalt und die Feuchtigkeit der Böden variieren.

Trotz zeitweisen Nieselregens bot sich den Teilnehmern ein bunter Blühaspekt, hervorgebracht unter anderem von folgenden Arten: Heilziest (Betonica officinalis), Zittergras (Briza media), Blaugrüne Segge (Carex flacca), Hirse-Segge (Carex panicea), Färber-Ginster (Genista tinctoria), Bach-Nelkenwurz (Geum rivale), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), Borstgras (Nardus stricta), Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga), Gewöhnliche Kreuzblume (Polygala vulgaris), Blutwurz (Potentilla erecta), Brennender Hahnenfuß (Ranunculus flammula), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor), Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria), Kümmel-Silge (Selinum carvifolia), Teufels-Abbiss (Succia pratensis), Orientalischer Bocksbart (Tragopogon pratensis subsp. orientalis) und Sumpf-Baldrian (Valeriana dioica).

Nach brieflicher Auskunft von Dr. Ralf Hand handelt es sich bei der Skabiose wahrscheinlich um eine besondere, westeuropäische Sippe, die früher zu blühen beginnt als die weitverbreitete Art.

An wenigen Stellen wurden auch ausgesprochen seltene und gefährdete Arten angetroffen: zum einen das Wiesen-Leinblatt (Thesium pyrenaicum), zum anderen der Kümmelblättrige Haarstrang (Peucedanum carvifolia), von letzterem allerdings nur Exemplare, die infolge Beweidung nicht zur Blüte kamen.

Damit sind die negativen Aspekte angesprochen, mit denen die Exkursionsteilnehmer konfrontiert wurden: Die besuchten Wiesen sind nicht durch die B 51 (neu) bedroht, da sie abseits der geplanten Trasse liegen. Gefährdet sind sie jedoch durch landwirtschaftliche Nutzungsänderungen. Eine feuchte Wiese in einem Quellbereich, auf der noch vor 10 Jahren ein Bestand des seltenen Haarstrangblättrigen Wasserfenchels (Oenanthe peucedanifolia) gefunden wurde, ist infolge zu früher und zu intensiver Beweidung stark zertrampelt und in einem jämmerlichen Zustand. Eine weitere große Wiesenfläche, für die nach Kartenunterlagen des Umweltministeriums ein Vertrag zur extensiven Nutzung besteht, war bereits gemäht und das Mähgut zu Silageballen verarbeitet. Letzteres ist schädlicher als der frühe Mähtermin, da durch das Verpacken des noch feuchten Mähgutes in Silo-Folie keine Samen ausfallen können. Die Fortpflanzung ein- und zweijähriger Kräuter wird dadurch sofort unterbunden. Aber auch ausdauernde Kräuter leiden auf Dauer darunter.

Angesichts der großen Erfolge des Vertrags-Naturschutzes, den Mitglieder der POLLICHIA Kreisgruppe vor wenigen Wochen in Nordrhein-Westfalen bewundern konnten, musste man wieder einmal feststellen, dass es um die Erhaltung artenreicher Mähwiesen in Rheinland-Pfalz nicht gut bestellt ist.

Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert

Foto: Dorothea Didlaukies

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