Gelungene Verbindung von Fremdenverkehr und Naturschutz im Quellmoor Ortelsbruch bei Morbach / Hunsrück


Samstag, 02.07.2005
Führung: Dr. Hans Reichert und Prof. Dr. Barbara Ruthsatz, Trier

Die Hunsrück-Brombeere (Rubus caninitergi) im Ortelsbruch bei Morbach


Bei zeitweiligem Regen traf sich eine Gruppe von 16 Teilnehmern zu einer interessanten Exkursion ins Ortelsbruch bei Morbach. Eine bedeutende Rolle spielten auf dieser Exkursion neben der Flora des Gebietes auch die Qualität des Wassers, die Frau Prof. Ruthsatz am Beispiel praktischer Leitfähigkeitsmessungen erläuterte.
Die unterschiedliche Leitfähigkeit des Wassers beruht auf dem Gehalt an freien (dissoziierten) Ionen. Im Bereich der Quell- und Hangmoore des Hunsrücks sind es im Wesentlichen Hydroniumionen. Diese werden u.a. durch den Stoffwechsel der Torfmoose im Austausch mit Ionen von Nährsalzen freigesetzt. Dadurch sinkt der pH-Wert in Hochmooren so stark, dass die bakterielle Zersetzung von organischer Substanz eingeschränkt ist. In Hochmooren führt das zur Ablagerung von Torf. 
Das Quellmoor Ortelsbruch ist ein Niedermoor ohne Torfablagerung.  Das Fehlen einer nennenswerten Torfablagerung beruht darauf, dass hier der pH-Wert höher ist, und Bakterien (Destruenten) die organische Substanz zersetzen können. Da im Ortelsbruch Torfmoose vorkommen, die Hydroniumionen freisetzen, muss hier im Gegensatz zum Hochmoor das fließende Wasser einen großen Teil dieser Ionen abtransportieren. 
Charakteristisch sind für diesen Lebensraum die Torfmoose Sphagnum fallax und Sphagnum palustre. Auf Hochmoorbülten im Bereich des Quellmoores war neben Sphagnum palustre auch das rötlich überlaufene Torfmoos Sphagnum magellanicum zu finden. 
In einigen Quellbereichen des Ortelsbruchs ist der pH-Wert so niedrig, dass toxische Aluminiumionen freigesetzt werden können (Gewässer 50-53 im Anhang). 
Im jahreszeitlichen Wechsel sind Unterschiede in der Wasserqualität festzustellen (Gewässer 11,12,13 Osmu). Auffällig sind die hohen Nitratwerte bei den Messstellen 12 und 13 Osmu im März. Da keine landwirtschaftlichen Flächen mit Kunstdüngereintrag in der Nähe sind, muss hier eine intensive Zersetzung von eiweißhaltigem organischen Material stattgefunden haben. 
Die Belastung durch Natrium- und Chloridionen (Gewässer 9Qu und 7) ist wahrscheinlich auf die Verwendung von Streusalz auf den nahegelegenen Straßen zurückzuführen.   
 
Ein Höhepunkt der Exkursion waren aus botanischer Sicht die stattlichen Exemplare des Königsfarns (Osmunda regalis) (32:0365756 E, 5517262 N). 
Wie durch entsprechende Pflegearbeiten und Besucherlenkung die Artenvielfalt erhalten bzw. erhöht werden kann, war im Bereich der Moore gut zu erkennen. Eindrucksvoll war dabei ein Standort mit Sprossendem Bärlapp (Lycopodium annotinum) und Rundblättrigem Sonnentau (Drosera rotundifolia) (32:0365569 E, 5517544 N). 
Eine weitere Besonderheit des Ortelbruchs sind die Bestände der Hunsrück-Brombeere (Rubus caninitergi), die an der durch Drüsen hervorgerufenen Rotfärbung der Sproßachsen erkennbar ist.

Folgende Pflanzenarten konnten beobachtet werden:

Torfmoos Sphagnum fallax Hunsrück-Brombeere Rubus caninitergi
Torfmoos Sphagnum palustre Faltblättrige Brombeere Rubus plicatus
Torfmoos Sphagnum magellanicum Schönes Johanniskraut Hypericum pulchrum
Königsfarn Osmunda regalis Kleines Wintergrün Pyrola minor
Sprossender Bärlapp Lycopodium annotinum Moosbeere Vaccinium oxycoccus
Quirlblättrige Weißwurz Poygonatum verticillatum Harzer Labkraut Galium harcynicum
Breitblättrige Sitter Epipactis helleborine Zweinervige Segge Carex binervis
Rundblättriger Sonnentau Drosera rotundifolia
Koordinatensystem: UTM
 
Zusammengestellt von Günter Wrusch