Botanische Exkursionen im Bereich des Mittelrheins

 

Weinbergslandschaft bei Bacharach mit folgenden Stationen: Felshang oberhalb Bacharach, Mönchholzkopf, Henschhäuser Heide

Spätsommerflora in der Umgebung von Bingerbrück

Hirschkopf bei Boppard und Bopparder Hamm

Auf steilen Pfaden im Weltkulturerbe Mittelrheintal

Botanische und landeskundliche Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Neuwied

Weinbergslandschaft am Oertelsberg bei Oberwesel

Spätsommerflora mit Neophyten im Mittelrheintal: Hafen von Brohl-Lützing, renaturierte Ahrmündung

 


Spätsommerflora mit Neophyten im Mittelrheintal: Hafen von Brohl-Lützing, renaturierte Ahrmündung


Die Hafenmole von Brohl-Lützing


Botanische Tagesexkursion am Samstag, 10.08.2013
Führung: Robert Fritsch, Idar-Oberstein und Dr. Hans Reichert, Trier

Im Hochsommer am Ufer des Mittelrheins

 

Die Tagesexkursion am 10. August fand in der lange andauernden Schönwetterperiode des Jahres 2013 statt. So war es nicht überraschend, dass sich am Hafen von Brohl-Lützing fast 20 Teilnehmer einfanden, um unter Führung von Robert Fritsch Biotope am Ufer und in der Talaue des Rheins kennenzulernen. Dort bewegte man sich auf ebenem Boden und teilweise im Auenwald, so dass die Wanderungen auch an diesem warmen Sommertag keinen Schweiß kosteten. Etwas Mühe bereitete am zweiten Exkursionsziel Kripp bei Sinzig lediglich der starke Touristenverkehr, der die Parkplatzsuche erschwerte und das Wandern auf einem Stück des stark frequentierten Rheinufer-Radweges zu einem fast gefährlichen Abenteuer werden ließ.

Am Morgen waren wir jedoch auf dem Hafengelände Brohl-Lützing fast unter uns und konnten gemächlich auf der langen Mole entlangwandern, wo es auf Schritt und Tritt nicht alltägliche Pflanzen zu entdecken gab. Damit wir nichts übersahen, konzentrierten wir uns auf Empfehlung des Exkursionsleiters beim Hinweg auf die dem Rhein zugewandte Seite der Mole. Dort fielen sofort zahlreiche Exemplare der Osterluzei (Aristolochia clematitis) auf. Aus der taxonomisch verzwickten Gruppe der Wiesen-Flockenblumen wächst hier eine schmalblättrige und spätblühende Art mit strahlenden Randblüten und unregelmäßig zerschlitzten Hüllblättern, die wir als Centaurea pannonica (C. jacea subsp. angustifolia) bestimmten. 

In den Fugen der Steinblöcke, mit denen die Böschungen der Mole befestigt sind, wachsen hie und da auch Gehölze auf. Untere diesen fanden besonders der Eschen-Ahorn (Acer negundo), ein aus Amerika stammender Neophyt, und die Weinrose (Rosa rubiginosa) unsere Aufmerksamkeit. Weiterhin sahen wir den Schwarzkohl (Brassica nigra), den Schild-Ampfer (Rumex scutatus), den Hohen Steinklee (Melilotus altissimus) und den Rispen-Ampfer (Rumex thyrsiflorus). Diesen könnte man bei flüchtigem Hinsehen für einen üppig entwickelten Sauerampfer halten. Sein Blütenstand hat jedoch stärker verzweigte Äste und ist dadurch dichter.

Auf dem Rückweg stellten wir fest, dass auf der inneren, dem Hafenbecken zugewandten Seite der Mole eine Reihe von Arten vorkommt, die der Außenseite fehlen: Echter Eibisch (Althaea officinalis), Feigenblättriger Gänsefuß (Chenopodium ficifolium), Wiesen-Alant (Inula britannica), Wasser-Ampfer (Rumex hydrolapathum) und Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum). Von der Seide (Cuscuta), die sich als Parasit mit fadenartigen, blattlosen Stängeln um ihre Wirtspflanzen schlingt und mit Saugsprossen (Haustorien) in diese eindringt, gibt es an der Mole drei Arten, von denen wir zwei fanden: die Europäische Seite (Cuscuta europaea), die Brennnesseln und andere Stauden befällt, und die Weiden-Seide (Cuscuta lupuliformis), die an Weiden, Pappeln und anderen Bäumen parasitiert.

Besondere Aufmerksamkeit fand die Breitblättrige Kresse (Lepidium latifolium) mit ihrem zarten Blütenflor, der von weitem mit dem der Gelben Wiesenraute Ähnlichkeit hat. Die hochwüchsige Art ist erst in den letzten Jahrzehnten von Frankreich her über die Mosel am Rhein eingewandert. 

Die Exkursionsteilnehmer machten sich natürlich Gedanken darüber, weshalb die aufgezählten Arten nur an der Innenseite der Mole vorkommen und im Gegensatz dazu die Osterluzei und der Schildampfer auf die Außenseite beschränkt sind. Unter anderem dürfte dabei der Standortfaktor „Boden“ eine Rolle spielen. Während auf der Außenseite Feinerde durch den Wellenschlag fortgespült wird, sammelt sie sich im ruhigen Wasser des Hafenbeckens an. Dort gibt es deshalb kleine Sand- und Schlammbänke, und die Fugen der Steinpackungen sind mehr mit Humus gefüllt.

So bequem wie die Wanderung gestaltete sich auch die Mittagsrast. Direkt am Hafen lud uns der Biergarten eines kleinen Ausflugsrestaurants ein.

Danach führte eine kurze Fahrt rheinabwärts nach Remagen-Kripp, wo wir zur renaturierten Ahrmündung wanderten. Sie ist in Deutschland der einzige Mündungsbereich eines Rhein-Nebenflusses mit natürlicher Gewässerdynamik. Der Ankauf eines 16 Hektar großen Areals der Talaue für Naturschutz-Zwecke hat es möglich gemacht, der Ahr in ihrem Mündungsbereich freien Lauf zu lassen. Prompt hat sie bei einem Hochwasser ihren bisherigen Lauf verlassen und einen großen Mäanderbogen mit über 2 m hohem, senkrechtem Prallhang und großem Gleithang mit Kiesbänken geschaffen. Dort hat sich eine Pioniervegetation mit zahlreichen Exemplaren einer üppig wachsenden Fuchsschwanz-Art (Amaranthus spec.) angesiedelt, die noch nicht blühte und deshalb nicht bestimmt werden konnte. Dazu kommen die Gänsefuß-Arten Chenopodium ficifolium, Chenopodium glaucum und Chenopodium rubrum. Vereinzelt wächst auf noch nahezu kahlen Sandflächen das Japanische Liebesgras (Eragrostis multicaulis) das erst in den letzten Jahren bei uns eingewandert ist. 

Im Auenwald am Rheinufer notierten wir den Schuppenkopf (Dipsacus pilosus) und die lange Zeit übersehene Auen-Brennnessel (Urtica subinermis), beides charakteristische Arten dieses Biotoptyps. Die Brennnessel unterscheidet sich von der häufigen Großen Brennnessel (Urtica dioica) durch schmale, lang zugespitzte Blätter, die fast keine Brennhaare aufweisen und unterseits stark behaart sein sollen, was wir nicht so ganz bestätigen konnten. Am Rheinufer selbst wurde das Dünnstängelige Sandkraut (Arenaria leptoclados) gefunden. Im Gegensatz zum häufigen Quendel-Sandkraut (Arenaria serpyllifolia) haben seine kleinen Fruchtkapseln pergamentartig dünne Wände, die beim Zusammendrücken nicht zerbrechen. 

Mit dem Dank an den Exkursionsleiter für die ergiebigen Wanderungen schloss die Exkursion am späten Nachmittag. 

Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert, Trier

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Hirschkopf bei Boppard und Bopparder Hamm


Ginster-Sommerwurz (Orobanche rapum-genistae) mit Besenginster (Sarothamnus scoparius) als Wirtspflanze


 
Botanische Tagesexkursion am Samstag, 28.05.2011
Führung: Thomas Merz, Weiler

Bei herrlichem Frühsommerwetter haben sich etwa 25 Teilnehmer unter der Leitung von Thomas Merz zu einer sehr interessanten botanischen Exkursion zum Hirschkopf und zum Bopparder Hamm getroffen. Rechts neben der Talstation des Sessellifts zum "Vierseenblick" im Mühltal führt ein steiler Pfad auf einem felsigen, südexponierten Trockenhang mit trockenresistenter Vegetation zum Hirschkopf. Von dort führte die Exkursion zunächst zum "Vierseenblick".
Der "Vierseenblick" befindet sich etwa 500 m oberhalb der Bergstation des Sessellifts. An diesem Aussichtspunkt überschneiden sich Berghänge und Rheinschleife im Panorama so, dass der Eindruck entsteht, der Rhein bildet hier 4 voneinander getrennte Seen.
Im weiteren Verlauf führte die Exkursion durch trockenen Eichen-Niederwald mit einem kleinen Feuchtstandort. 
In der Vergangenheit wurden diese auf nährstoffarmen, flachgründigen Böden wachsenden Trockenwälder als Lohhecken genutzt. Inzwischen sind die Stockausschläge zu Wälder mit verhältnismäßig schwachen, nicht sehr standfesten Stämmen herangewachsen.
Die Böden des Exkursionsgebietes sind flachgründig, skelettreich mit schiefrigen Lockersedimenten. Kalkreiche und saure Bereiche wechseln einander ab.
Die Rückweg führte z.T. durch steile Weinbergslagen zurück zum Ausgangspunkt der Exkursion.

Die verschiedenen Lebensräume und ihre Vegetation

1. Felsvegetation oberhalb des Ortsrands von Boppard

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

Besonderheiten
Weiße Fetthenne Sedum album sukkulente CAM-Pflanze, Anpassung an trockene Standorte
Wimper-Perlgras Melica ciliata wärmeliebend, Nordwestgrenze des Verbreitungsgebiets
Karthäuser-Nelke Dianthus carthusianorum Tagfalterblume: aufrechte Stellung der Blüte mit leuchtend roter Färbung, engem Röhrenbau und tief verborgenem Nektar.
Aufrechter Ziest Stachys recta submediterranes Florenelement auf kalkhaltigen Böden
Gold-Aster Aster linosyris Blätter mit geringer Oberfläche und Wachsüberzug, weit verzweigtes Wurzelwerk
Acker-Wachtelweizen Melampyrum arvense auf flachgründigen Grenzertragsböden, Halbparasit auf Gräsern, Verbreitung durch Ameisen.
Stein-Weichsel Prunus mahaleb Wärmeliebendes Gehölz
Felsenbirne Amelanchier ovalis Wärmeliebendes Gehölz, an der Trockengrenze für Gehölze
Französischer Ahorn Acer monspessulanum Wärmeliebendes Gehölz, Nordgrenze seiner Verbreitung
Salomonssiegel Polygonatum odoratum Saumpflanze an Gehölzen
Hirschwurz Peucedanum cervaria
Behaarter Ginster Genista pilosa Zeigerpflanze für saure Böden
Felsen-Beifuß Artemisia rupestris
Ausdauernder Knäuel Scleranthus perennis
Blauer Lattich Lactuca perennis submediterrane Art auf basenreichen Felsstandorten, oft Weinbergs- begleitpflanze, hier gemeinsam mit dem Roten Weinbergspfirsich.
Kamm-Wachtelweizen Melampyrum cristatum kalkliebend
Salbei- Gamander Teucrium scorodonia
Drahtschmiele Deschampsia flexuosa
Wiesen-Wachtelweizen Melampyrum pratense kalkmeidend
Speierling Sorbus domestica
Ährige Graslilie Anthericum liliago

2. Feuchtstandort im Bereich des "Vierseenblicks"

Bittersüßer Nachtschatten Solanum dulcamara Bittersüßer Nachtschatten, Kletten-Labkraut und Spring-Schaumkraut sind Spreizklimmer mit einer wenig standfesten Sprossachse, die sich an größeren Pflanzen abstützen und damit ans Licht gelangen.
Kletten-Labkraut Galium aparine
Spring-Schaumkraut Cardamine impatiens

3. Waldwiese im Eichen-Niederwald

Ginster-Sommerwurz Orobanche rapum-genistae
Kleinköpfiger Pippau Crepis capillaris
Mausohr Habichtskraut Crepis pilosella Die Blätter sind unterseitig graufilzig. Bei Trockenheit werden die Blätter eingerollt, wobei die Unterseite nach oben weist, um die Erwärmung der Blätter zu verringern.
Weicher Storchschnabel Geranium molle
Flügelginster Chamaespartium sagittale
Mausohr Habichtskraut (Crepis pilosella)
Die graufilzigen Blattunterseiten weisen nach oben, um die Blätter
vor zu starker Erwärmung zu schützen.
 
4. Weinberge auf dem Bopparder Hamm
Bopparder Schleifenblume Iberis linifolia subsp. boppardensis Unterart der Mittleren Schleifenblume (Iberis linifolia), endemisch auf dem Bopparder Hamm
Kugel-Lauch Allium sphaerocephalon
Färberwaid Isatis tinctoria
Mehlige Königskerze Verbascum lychnitis
Felsen-Fetthenne Sedum rupestre
Stinkende Nieswurz Helleborus foetidus an der östliche Verbreitungsgrenze, beansprucht milde Winter
Schild-Ampfer Rumex scutatus weit verzweigtes Wurzelwerk, elastische Wurzeln, Hangbefestigung
Schöner Pippau Crepis pulchra
Acker-Klettenkerbel Torilis arvensis
Schmalblättriges Greiskraut Senecio inaequidens Neophyt aus Südafrika, breitet sich vom Bereich Aachen her aus
Natternkopf Echium vulgare
Färber-Hundskamille Anthemis tinctoria
Färber-Wau Reseda luteola

Zusammengestellt von Günter Wrusch, Meisenheim

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Weinbergslandschaft am Oertelsberg bei Oberwesel


Wilde Malve (Malva sylvestris), Wegrand am Oertelsberg


Botanische Tagesexkursion am Samstag, 01.09.2007
Führung: Thomas Merz, Weiler

Exkursionsbericht von Dr. Hans Reichert, Trier

Exkursionsbericht von Wolfgang Steigner, Altenglan


Die Pflanzenwelt als Bestandteil des Weltkulturerbes Mittelrheintal

Erlebnisreiche Exkursion unter Leitung von Thomas Merz am Oertelsberg bei Oberwesel

Bei idealem Wanderwetter hatte sich am 1. September 2007 eine Gruppe von 21 Teilnehmern eingefunden um – ähnlich wie im vergangenen Jahr am rechtsrheinischen Rheinsteig – ein Stück des Weltkulturerbes Mittelrheintal auf der linken Rheinseite kennenzulernen. Der Oertelsberg am Nordausgang von Oberwesel (32 U 0408397 , 5552212) bot sich dafür an, da dort ein Wanderweg angelegt wurde, der alle Facetten der Weinbergslandschaft erschließt. Er führt auch durch schroffe Felspartien. Stufen aus Moniereisen und Seile zum Festhalten erleichtern und sichern die kurzen Kletterpartien, wecken etwas Abenteuerlust und ziehen viele Touristen an. Der Weinbau drohte dort wegen der beschwerlichen Arbeitsbedingungen zum Erliegen zu kommen, wie Thomas Merz anhand von Fotos eindrucksvoll demonstrierte. Dank behutsamer Flurbereinigung konnten jedoch die Voraussetzungen so verbessert werden, dass der Weinbau nicht zuletzt dem Tourismus zuliebe gerettet und eine totale Wiederbewaldung des Hanges verhindert werden konnte.

Thomas Merz war der ideale Führer durch dieses Gebiet. Anders als die meisten Gebildeten, denen zwar die historischen, kulturellen und wirtschaftlichen, jedoch weniger die naturkundlichen Gegebenheiten des Mittelrheintales geläufig sind, schöpft er in allen Bereichen aus dem vollen.

So kam es, dass bei dieser an sich botanischen Exkursion kaum eine Pflanze gezeigt wurde, von der aus Thomas Merz nicht irgendwelche Querverbindungen zog, sei es zu anderen naturwissenschaftlichen Bereichen wie Geologie, Bodenkunde und Klima, sei es zu kulturgeschichtlichen Besonderheiten. Die Teilnehmer erfuhren, dass der an Weinbergsrändern und in Weinbergsbrachen wachsende Wermut (Artemisia absinthium) früher zum Würzen des Weines verwendet wurde. Am Beispiel des Färber-Waids gab es ein mit Humor gewürztes kleines Seminar über die Färbereitechnik früherer Zeiten, wobei auch die Herkunft der Ausdrücke „blauer Montag“ und „blau machen“ klar wurde.

Viel Wert legte Thomas Merz auf die Bedeutung von Pflanzen als Zeigerarten für Standortfaktoren. Er öffnete die Augen dafür, dass diese sich im Laufe des Exkursionsweges mehrfach ändern. War der Schiefer von Löss überlagert und der Boden deshalb kalkhaltig und basisch, zeigte sich das am Vorkommen der Aufrechten Trespe (Bromus erectus). Im Gegensatz dazu wies das Rote Strassgras (Agrostis capillaris) auf kalkarme und saure Böden hin.

Auch die botanisch verwöhnten Teilnehmer, die gerne seltene Pflanzenarten sehen wollen, kamen voll auf ihre Kosten. In den Weinbergen wuchsen nicht nur Allerwelts-Unkräuter, sondern auch seltenere Arten wie der Acker-Ziest (Stachys arvensis) und in großen Mengen der Rundblättrige Storchschnabel (Geranium rotundifolium) und der Acker-Klettenkerbel (Torilis arvensis). Die beiden letzteren sind allerdings im warmen Mittelrheintal und seinen Nebentälern häufig.

Überhaupt dominierten an dem größtenteils nach Süden ausgerichteten Hang wärmeliebende Arten wie z.B. das Wimper-Perlgras (Melica ciliata) und das Siebenbürgische Perlgras (Melica trannsilvanica), die Gold-Aster (Aster linosyris), die Färber-Hundskamille (Anthemis tinctoria), die Weg-Distel (Carduus acanthoides), der Gift-Lattich (Lactuca virosa) und der Kompass-Lattich (Lactuca serriola). Auch Neophyten wie das aus Südafrika stammende Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens), das erst vor knapp 30 Jahren einwanderte, gehören zur Flora des Mittelrheintales.

An einem mit Gebüsch bewachsenen Felshang fiel sofort das rotviolett blühende Nelken-Leimkraut (Silene armeria) auf, das mehrere Exkursionsteilnehmer zuvor noch nie gesehen hatten. Dies hat damit zu tun, dass diese Art, deren Verbreitungszentrum in Süd- und Südwesteuropa liegt, in Deutschland äußerst selten ist und nur von der Pfalz über das Nahegebiet bis zum Mittelrhein vorkommt.

Der Rückweg führte an der oberen Hangkante entlang, der früher durch Schafbeweidung genutzt wurde. Dort blieben Magerrasen und Saumgesellschaften erhalten, in denen folgende Arten gefunden wurden: Kartäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), Berg-Klee (Trifolium montanum), Blutroter Storchschnabel (Geranium sanguineum), Acker-Mannstreu (Eryngium campestre), Sichel-Hasenohr (Bupleurum falcatum) und Golddistel (Carlina vulgaris).

Wieder wohlbehalten am Ausgangspunkt angekommen, dankten die Teilnehmer mit lebhaftem Applaus dem Exkursionsleiter für den an Eindrücken so reichen Nachmittag.

 

 Koordinatensystem: UTM 

Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert, Trier

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Auf steilen Pfaden im Weltkulturerbe Mittelrheintal


Grandioser Ausblick hinunter zum Rhein beim Aufstieg zur Loreley


Botanische Exkursion am Samstag, 17. 06.2006
Führung: Thomas Merz, Weiler

Diese Exkursion im Weltkulturerbe Mittelrheintal führte von St. Goarshausen zur Loreley, von dort zur Spitznack und über einem steilen Abstieg zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung.
Der Aufstieg begann hinter einer Bahnunterführung (32:409210 E, 5555978 N) ca. 1,5 km südlich St.Goarshausen. Zunächst führte der Weg auf einem alten Eselspfad an verwilderten Weinbergen und Felsgebüschen vorbei, danach auf einem Trampelpfad durch Trockenwälder mit kalkarmen basischen und anschließend sauren Böden zur Loreley. Von dort aus ging es auf dem Rheinsteig an einer nährstoff- und artenreichen Wiese vorbei zur Spitznack. Der Abstieg erfolgte von der Aussichtskanzel aus auf einem steilen Trampelpfad ins Rheintal.

Folgende Pflanzenarten der verschiedenen Ökosysteme wurden angesprochen (in der Reihenfolge des Auffindens):

1. Weinbergsmauern am alten Eselspfad und Trockengebüsche

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

Besonderheiten
Binsen-Knorpellattich Chondrilla juncea Blätter zurückgebildet, Stamm assimiliert, Steppenpflanze, abgestorben Steppenhexe
Schmalblättriges Greiskraut Senecio inaequidens Neophyt aus Südafrika, wärmeliebend
Zimbelkraut Linaria cymbalaria Heimat: Mittelmeergebiet, als Zierpflanze kultiviert und verwildert
Mauer-Glaskraut Parietaria judaica aus Südeuropa eingeschleppt, Asche zum Glasreinigen
Wermut Artemisia absinthium aus Asien eingebürgert, Heil- und Gewürzpflanze
Gelber Wau Reseda lutea Tieflagen des Mittelrheins
Milzfarn Ceterach officinarum Verbreitungsschwerpunkt: Mittelmeergebiet
Blauer Lattich Lactuca perennis wurde früher als Salatpflanze gesammelt
Nickendes Leimkraut Silene nutans öffnet Blüten abends, Bestäubung durch Nachtfalter
Rote Fetthenne Sedum telephium
Gewöhnlicher Tüpfelfarn Polypodium vulgare speichert in Kriechsprossen Glycericin, früher zum Süßen von Speisen verwendet, auch Engelsüß genannt
Kohl-Lauch Allium oleraceum
Grasblättrige Kresse Lepidium graminifolium Verbreitungsschwerpunkt: Mittelrheingebiet
Trespen-Fuchsschwingel Vulpia bromoides auf mageren Böden, z.B. Truppenübungsplätzen, konkurrenzschwach
Knolliges Rispengras Poa bulbosa ausdauernd, vivipar
Aufrechter Ziest Stachys recta auf Felsen
Karthäuser-Nelke Dianthus carthusianorum
Felsen-Fetthenne Sedum reflexum wurde früher als Salatpflanze gesammelt
Feld-Beifuß Artemisia campestris ssp. lednicensis
Schaf-Schwingel Festuca heteropachys
Gold-Aster Aster linosyris Wurzeln bis zu 4 m lang, Anpassung an trockene Standorte
Wimper-Perlgras Melica ciliata Heimat: Mittelmeergebiet, hier nördliche Verbreitungsgrenze
Siebenbürgisches Perlgras Melica transsilvanica Heimat: südosteuropäische Steppen, hier westliche Verbreitungsgrenze, Bastardierung mit M. ciliata möglich
Behaarter Ginster Genista pilosa
Schild-Ampfer Rumex scutatus auf Schutthalden, ursprünglich Alpenpflanze, Eiszeitrelikt, wurde früher als Salatpflanze gesammelt
Gift-Lattich Lactuca virosa Verbreitungsschwerpunkt: Mittelrhein
Waid Isatis tinctoria verwilderte Kulturpflanze, erzeugt Indigo 
Steinweichsel Prunus mahaleb Futterpflanze für Segelfalter (Papilio podalirius)
Färber-Hundskamille Anthemis tinctoria alte Kulturpflanze
Französischer Ahorn Acer monspessulanum hier nördliche Verbreitungsgrenze
Schwarzer Streifenfarn Asplenium adiantum-nigrum an halbschattigen Standorten
Dürrwurz Inula coryzae auf schiefrigen Böden

2. Trockenwälder auf basischen, kalkarmen, z.T. lösshaltigen Böden 

Stinkende Nieswurz Helleborus foetidus Mehlbeere Sorbus aria
Gewöhnliche Waldrebe Clematis vitalba Elsbeere  Sorbus torminalis
Rote Johannisbeere Ribes rubrum Rauhe Gänsekresse Arabis hirsuta
Wolliger Schneeball Viburnum lantana Doldige Wucherblume Chrysanthemum corymbosum
Blutroter Storchschnabel Geranium sanguineum Berg-Segge Carex montana
Gewöhnliches Sonnenröschen Helianthemum nummularium Schwarzwerdende Platterbse Lathyrus niger
Zwiebel-Zahnwurz Dentaria bulbifera Mittlerer Klee Trifolium medium

3. Trockene Eichenwälder auf sauren Böden

Wiesen-Wachtelweizen Melampyrum pratense Savoyer Habichtskraut Hieracium sabaudum
Salbei-Gamander Teucrium scorodonia Wohlriechende Weißwurz Polygonatum odoratum
Gemeine Pechnelke Lychnis viscaria Geschlängelte Schmiele Deschampsia flexuosa

4. artenreiche Glatthaferwiesen (Leiselfeld) an der Spitznack, Wegränder 

Feld-Mannstreu Eryngium campestre Kleiner Bocksbart Tragopogon pratensis ssp. minor
Sichelblättriges Hasenohr Bupleurum falcatum Kleines Mädesüß Filipendula vulgaris, Anzeiger für wechselfeuchte Standorte
Astlose Graslilie Anthericum liliago Wiesen-Goldhafer Trisetum flavescens
Hügel-Klee Trifolium alpestre Echtes Labkraut Galium wirtgenii
Aufrechte Trespe Bromus erectus Acker-Witwenblume Knautia arvensis
Genfer Günsel Ajuga genevensis Großer Wiesenknopf Sanguisorba officinalis
Gewöhnliche Akelei Aquilegia vulgaris Zottiger Klappertopf Rhinanthus alectorolophus
Großer Ehrenpreis Veronica teucrium Kleiner Klappertopf Rhinanthus minor
Färber-Ginster Genista tinctoria Wiesen-Glockenblume Campanula patula
Labkraut-Sommerwurz Orobanche caryophyllacea auf weißem Labkraut, nelkenartiger Geruch Zittergras Briza media
Wiesen-Salbei Salvia pratensis    

5. Halbtrocken- und Trockenrasen an der Spitznack

Weidenblättriger Alant  Inula salicina Echtes Federgras Stipa pennata
Nickende Distel Carduus nutans Kugel-Lauch Allium sphaerocephalon
Acker-Wachtelweizen Melampyrum arvense Schaf-Schwingel Festuca pallens
Knollenkümmel Bunium bulbocastanum Efeu-Sommerwurz Orobanche hederae
Edel-Schafgarbe Achillea nobilis Flügelginster Chamaespartium sagittale
Glanz-Lieschgras Phleum phleoides Quendel-Seide Cuscuta epithymium
Mehlige Königskerze Verbascum lychnitis    

Zusammengestellt von Günter Wrusch, Meisenheim

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Weinbergslandschaft bei Bacharach mit folgenden Stationen: Felshang oberhalb Bacharach, Mönchholzkopf, Henschhäuser Heide


 

Botanische Exkursion am Samstag, 19.06.2004

Führung: Thomas Merz, Weiler bei Bingen

 


 

Mauer-Glaskraut (Parietaria judaica) auf dem Felshang oberhalb Bacharach


Folgende Standorte wurden aufgesucht:

A - Felshang oberhalb Bacharach (32 U 0411711, 5546084)

B - Kalkarme Trockenrasen am "Panoramablick" (32 U 0411682 , 5546274)

C - Schutthalde (32 U 0410679 , 5546533)

D - Henschhäuser Heide (32 U 0411212 , 5545940)

Im Siedlungsbereich von Bacharach (A) sind verwilderte Heilpflanzen aus Klostergärten wie z.B. die Osterluzei (Aristolochia clematitis), das aus dem Mittelmeergebiet eingeschleppte und eingebürgerte Mauer-Glaskraut (Parietaria judaica), für Bacharach typische, aus Vorderasien stammende Quittenbäume (Cydonia oblonga), die früher in der Färberei verwendeten Kulturpflanzen Färber-Hundskamille (Anthemis tinctoria) und der zur Indigogewinnung kultivierte Färber-Waid (Isatis tinctoria), die aus Kleiasien stammende Edel-Schafgarbe (Achillea nobilis) und der für die Weinverbesserung verwendete, aus Asien eingebürgerte Wermut (Artemisia absinthium). Weiterhin waren in diesem Bereich die Stink-Kresse (Lepidium ruderale), die Weg-Rauke (Sisymbrium officinale), der Kleine Storchschnabel (Geranium pusillum), der Sardische Hahnenfuß (Ranunculus sardous), die Schwarznessel (Ballota nigra), der Acker-Klettenkerbel (Torilis arvensis), der Mäuseschwanz-Federschwingel (Vulpia myuros) und der Kugel-Lauch (Allium sphaerocephalon).

Am "Panoramablick" ins Rheintal (B) mit Skelettböden in Weinbergslagen wuchsen der Derbe Schwingel (Festuca heteropachis), ein Schaf-Schwingel, die Felsen-Fetthenne (Sedum reflexum), das Berg-Sandglöckchen (Jasione montana), das Forentiner Habichtskraut (Hieracium piloselloides), der Aufrechte Ziest (Stachys recta), der Acker-Wachtelweizen (Melampyrum arvense), die Filz-Brombeere (Rubus canescens), der Blut-Storchschnabel (Geranium sanguineum), die Felsenkirsche (Prunus mahaleb), das Wimper-Perlgras (Melica ciliata), der Tauben-Storchschnabel (Geranium columbinum), die Gemeine Flockenblume (Centaurea jacea ssp. angustifolia), die Nickende Distel (Carduus nutans), der Kugel-Lauch (Allium sphaerocephalon), die Moschus-Malve (Malva moschata), das Flache Rispengras (Poa compressa), die Feld-Kresse (Lepidium campestre), der Große Bocksbart (Tragopogon dubius), und das Lanzettblättrige Weidenröschen (Epilobium lanceolatum).

Der Bereich um die Schutthalde einer ehemaligen Schiefergrube am Mönchholzkopf (C) war Standort für den Schild-Ampfer (Rumex scutatus), einem eiszeitlichen Relikt, den Grünen Salat (Lactuca sativa), den Schmalblättrigen Hohlzahns (Galeopsis angustifolia), der Mehligen Königskerze (Verbascum lychnitis), den Färberwau (Reseda luteola), der Gemeinen Pechnelke (Lychnis viscaria) und der Leimsaat (Collomia grandiflora).

Im Bereich der Henschhäuser Heide (D) hat sich durch Jahrhunderte lange Schafbeweidung ein Magerrasen gebildet, für den ein hoher Anteil an einjährigen Kräutern charakteristisch ist. Folgende Pflanzenarten konnten festgestellt werden: Salbeiblättriger Gamander (Teucrium scorodonia), Feld-Mannstreu (Eryngium campestre),  Französische Erdkastanie (Conopodium majus), Gewöhnliches Kreuzblümchen (Polygala vulgaris), Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cuparissias), Kornblume (Centaurea cyanus), Echtes Labkraut (Galium verum), Harzer Labkraut (Galium harcynicum), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), Große Bibernelle (Pimpinella major), Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor), Mausohr (Hieracium pilosella), Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), Kamm-Schillergras (Koeleria cristata), Wiesen-Goldhafer (Trisetum flavescens), Rot-Straußgras (Agrostis capillaris), Nelkenhafer (Aira caryophyllea) und Echter Wiesenhafer (Avenula pratensis).

Koordinatensystem: UTM

 Zusammengestellt von Günter Wrusch


Spätsommerflora in der Umgebung von Bingerbrück


Der Rhein bei Bingerbrück mit dem Mäusetturm

Samstag, 12. September 1998 

Führung : Dr. Hans Reichert, Trier


1. Kurzer Bericht über den Exkursionsverlauf
Bei wechselhaftem Wetter fand sich ein kleiner Kreis von 11 Teilnehmern ein. Unter Führung von Dr.Hans Reichert (Trier) suchte man zunächst die zum Rhein hin gelegenen Bereiche des ehemaligen Güterbahnhofs Bingerbrück (heute Bingen Hauptbahnhof) auf. Weite Bereiche der Gleisanlagen sind heute ungenutzt und von einer sehr artenreichen Ruderalvegetation bewachsen. Es kommt bereits lockeres Gebüsch auf, in dem wie auf vielen Bahnanlagen der Sommerflieder (Buddleja davidii) dominiert.
Über einen Pfad führte die Exkursion danach durch den Auenwald zum Rheinufer. Der Uferpfad führt bald auf eine Buhne (Kribbe, Krippe), d.h. einen Steinwall, der bei der Rheinregulierung im Binger Loch im vorigen Jahrhundert zur Einengung des Flußbettes gebaut wurde. Mit dem ursprünglichen Ufer ist er durch quer verlaufende Buhnen verbunden. Die dadurch entstehenden Vierecke schließen eine Reihe von Teichen ein, die in der älteren floristischen Literatur wegen ihres Reichtums an Wasserpflanzen öfters genannt werden (Geisenheyner 1884, 1903, Glaser 1878). Seit damals haben sich die Bedingungen u.a. dadurch geändert, daß auf den Buhnen Auenwald aufgewachsen ist und sich dadurch der Lichteinfall erheblich verringert hat. Eutrophierung infolge der Wasserverschmutzung des Rheins dürfte sich ebenfalls ausgewirkt haben. Etliche der um die Jahrhundertwende registrierten Wasserpflanzen sind verschwunden.
Die Exkursionsteilnehmer fanden vor allem an der gemauerten Uferböschung des Rheins floristische Besonderheiten. Auch einige Wasserpflanzen am Rheinufer und in den Buhnen-Teichen wurden registriert.
Letztes Exkursionsziel (einige Teilnehmer hatten sich schon verabschiedet) war das Poßbachtal, ein enges Seitentälchen rheinabwärts von Bingerbrück, das wegen seiner Schluchtwald-Flora bekannt ist. Leider ist sein unterer, schluchtartiger Teil kaum noch zugänglich, da dort ein eingezäuntes Wochenendgrundstück das Tal auf ganzer Breite absperrt. Auf einem kaum noch erkennbaren Waldweg am Hang mit zahlreichenden quer liegenden Bäumen und über eine steile Böschung mit schmierig gewordenem Lehmboden gelangte der „harte Kern„ der Teilnehmer in die Schlucht hinein. Einigen Hosen war das Abenteuer anzusehen. Wenigstens fand man einige der seltenen Arten, zu denen früher auch Polystichum setiferum gehörte. Dieses wurde aber schon um die Jahrhundertwende durch Herbarisieren ausgerottet (Geisenheyner 1903).

2. Liste der gefundenen Pflanzen

Bahnhofsgelände

Arenaria serpyllifolia, Sandkraut, Asparagus officinalis, Spargel, spärlich, Berteroa incana, Graukresse, Bryonia dioica, Zweihäusige Zaunrübe
Buddleja davidii, Sommerflieder, reichlich, Caragana arborescens, Erbsenstrauch, Gebüsch am Rand des Bahngeländes, Carduus acanthoides, Weg-Distel, Carex hirta, Behaarte Segge, Chaenorrhinum minus, Zwerg-Leinkraut, Chondrilla juncea, Binsen-Knorpelsalat, zahlreich, Conyza canadensis, Katzenschweif, reichlich, Coronilla varia, Bunte Kronwicke, Cymbalaria muralis, Zimbelkraut, im Schotter, 1 Stelle, Cynodon dactylon, Hundszahn-Gras, auf einem Weg, Cynoglossum officinale, Hundszunge, spärlich, Daucus carota, Wilde Möhre, Digitaria sanguinalis, Rote Fingerhirse, Dipsacus fullonum, Wilde Karde, Echium vulgare, Natterkopf, Eleagnus angustifolia, Schmalblättr. Ölweide, angepflanzt? ähnlich, Sanddorn, aber mit silbr.Früchten, Epilobium collinum, Hügel-Weidenröschen, sehr reichlich Korneck meldete 1989 E. lanceolatum, das wir nicht sahen, Eragrostis minor, Kleines Liebesgras, reichlich, Erodium cicutarium, Reiherschnabel, Euphorbia (Chamaesyce) maculata, Gefleckte Wolfsmilch stellenweise reichlich, niederliegende Adventivart, Euphorbia lathyris, Kreuzblättrige Wolfsmilch, Euphorbia peplus, Garten-Wolfsmilch, spärlich, Galium aparine, Kletten-Labkraut, Geranium pusillum, Kleiner Storchschabel, Wegrand, Glaucium flavum, Gelber Hornmohn, nur an einer Stelle, Herniaria hirsuta, Behaartes Bruchkraut, stellenweise reichlich, Hieracium sabaudum, Savoyer Habichtskraut, Hippophae rhamnoides, Sanddorn, auch Jungwuchs, Humulus lupulus, Hopfen, Auch Kümmerformen mit durchweg ungelappten Blättern, Hypericum desetangsii, Französisches Johanniskraut, auch Übergangsformen zu folgendem Hypericum perforatum, Tüpfel-Johanniskraut, Impatiens parviflora, Kleinblütiges Springkraut, Inula conyza, Dürrwurz, spärlich, Juglans regia, Walnuß, Jungwuchs, Lactuca serriola, Kompaß-Lattich, Linaria vulgaris, Gewöhnliches Leinkraut, Lycium chinense, Chinesischer Bocksdorn, Hecke am Rand des Bahngeländes (Die Gehölzflora von Fitschen vereinigt diese fast stachellose Sippe mit Lycium barbarum), Melilotus albus, Weißer Steinklee, Oenothera biennis, Zweijährige Nachtkerze, Origanum vulgare, Dost, Oxalis fontana, Aufrechter Sauerklee, spärlich, Plantago major, Breit-Wegerich, auch in Zwergformen, die Pl. intermedia ähnlich sind Polygonum amphibium, Wasser-Knöterich, Landform, Polygonum aviculare agg., Vogel-Knöterich, sehr reichlich, Polygonum lapathifolium, Ampfer-Knöterich, Portulaca oleracea, Portulak, reichlich, Potentilla reptans, Kriechendes Fingerkraut, Reseda lutea, Wilde Resede, spärlich, Reseda luteola, Färber-Resede, spärlich, Reynoutria japonica, Japanischer Knöterich, Rosa canina, Hunds-Rose, Rubus armeniacus, Armenische Brombeere, Rubus laciniatus, Schlitzblättrige Brombeere, 1 Exemplar, Rudbeckia hirta ?, Sonnenhut, 1 Exemplar, Sagina procumbens, Niederliegendes Mastkraut, Sambucus nigra, Schwarzer Holunder, Senecio inaequidens, Schmalblättriges Greiskraut, Heimat: Südafrika, breitet sich derzeit aus Setaria viridis, Grüne Borstenhirse, Silene vulgaris, Gewöhnliches Leimkraut, Solanum dulcamara, Bittersüßer Nachtschatten, Solanum nigrum, Schwarzer Nachschatten, Spergularia rubra, Roter Spörgel, Verbascum lychnitis, Mehlige Königskerze, Verbascum thapsus, Kleinblütige Königskerze, Verbena officinalis, Eisenkraut, spärlich

Auenwald, Rheinufer, Buhnen (Kribben) und davon umschlossene Teiche

Acer negundo, Eschen-Ahorn, Acer platanoides, Spitz-Ahorn, Achillea ptarmica, Sumpf-Schafgarbe, Acorus calamus, Kalmus, Alnus glutinosa, Schwarz-Erle, Arctium lappa, Große Klette, Arctium minus, Kleine Klette, Berteroa incana, Graukresse, Ufermauerung, Berula erecta, Berle, Teichrand, Bidens frondosa var. anomala, Schwarzfrüchtiger Zweizahn, Teich-Ufer, Form mit nicht widerhakigen Fruchtzähnen, Callitriche stagnalis, Sumpf-Wasserstern, im Rhein, Carex acuta (C.gracilis), Scharfe Segge, Chaerophyllum aureum, Gold-Kälberkropf, Chenopodium rubrum, Roter Gänsefuß, Rheinufer-Böschung, Cirsium oleraceum, Kohl-Distel, spärlich, Clematis vitalba, Waldrebe, Conium maculatum, Schierling, Cornus sanguinea, Blutroter Hartriegel, Cuscuta europaea, Europäische Seide, Elodea nuttallii, Nuttalls Wasserpest, im Rhein, Equisetum arvense, Acker-Schachtelhalm, Euonymus europaeus, Pfaffenhütchen, Eupatorium cannabinum, Wasserdost, Euphorbia esula, Esels-Wolfsmilch, Fraxinus escelsior, Esche, Galinsoga ciliata, Behaartes Franzosenkraut, Geranium pratense, Wiesen-Storchschnabel, Helianthus tuberosus, Topinambur, spärlich, Heracleum mantegazzianum, Herkules-Staude in Bingerbrück (Bahnhof) schon von GLASER (1878) gefunden, Humulus lupulus, Hopfen, Impatiens glandulifera, Drüsiges Springkraut, Inula britannica, Wiesen-Alant, Rheinufer-Böschung schon GEISENHEYNER (1888), Iris pseudacorus, Gelbe Schwertlilie, Lamium maculatum,Gefleckte Taubnessel, Lemna minor, Kleine Wasserlinse, Lemna minuta, Kleinste Wasserlinse, reichlich in einem Teich zw. Kribben 1989 von Korneck hier erstmals gefunden, Leontodon autumnalis, Herbst-Löwenzahn, Lysimachia vulgaris, Gewöhnl. Gilbweiderich, Lythrum salicaria, Blutweiderich, Mentha spicata cf., Ährige Minze, Myosotis scorpioides, Sumpf-Vergißmeinnicht, Myosoton aquaticum , Wasserdarm, Myriophyllum spicatum, Ähriges Tausendblatt, im Rhein, Myriophyllum verticillatum, Quirlblättr.Tausendblatt, Teich zw. Kribben, schon 1895 Herbar Geisenheyner, Parthenocissus inserta, Fünfblättrige Jungfernrebe, reichlich im Auenwald, Polygonum hydropiper, Wasserpfeffer, Potamogeton nodosus, Knotiges Laichkraut, Rhein und Teiche, Ranunculus fluitans cf., Flutender Hahnenfuß, im Rhein, Rhus typhina, Essigbaum, an einer Stelle, Rorippa amphibia, Wasserkresse, Rorippa sylvestris, Wilde Sumpfkresse, Rubus caesius, Kratzbeere, Rumex conglomeratus, Knäuel-Ampfer, Sagittaria sagittifolia , Pfeilkraut, Teich-Ufer, spärlich, Salix alba, Silber-Weide, Salix viminalis, Korb-Weide, Sambucus nigra, Schwarzer Holunder, Scrophularia umbrosa, Geflügelte Braunwurz, Scutellaria galericulata, Großes Helmkraut, Senecio erucifolius, Raukenblättriges Greiskraut, Solanum dulcamara, Bittersüßer Nachtschatten, Solidago gigantea, Spätblühende Goldrute, Stachys palustris, Sumpf-Ziest, Symphytum officinale, Beinwell, Tanacetum corymbosum, Strauß-Wucherblume, Ulmus minor, Feld-Ulme, Verbena officinalis, Eisenkraut, Ufermauerung

Poßbachschlucht

Atropa bella-donna, Tollkirsche, ziemlich zahlreich, Carex pendula, Hänge-Segge, zahlreich, Festuca altissima, Wald-Schwingel, reichlich

Die Bestimmung von Euphorbia (Chamaesyce) maculata ist ziemlich sicher. Eine endgültige Überprüfung soll noch anhand einer kürzlich erschienenen Arbeit von Hügin & Hügin erfolgen. Herrn Fritsch kamen Zweifel, ob die an der Uferböschung gefundene und als Parietaria judaica angesprochene Pflanze richtig bestimmt wurde. Sie muss nochmals überprüft werden.

Literatur
Geisenheyner, L. (1884): Eine Winterexkursion nach den Rheinkrippen bei Bingerbrück.- Dtsch. Bot. Monatsschr. 2: 29-30, Sondershausen
- (1888): Bemerkungen und Zusätze zur dritten Auflage der Exkursionsflora des Großherzogtums Hessen von L. Dosch und J. Scriba.- Dtsch. Bot. Monatsschr. 6: 175-184, Arnstadt
- (1903): Flora von Kreuznach und dem gesamten Nahegebiet.- 328 S., Kreuznach: Harrach
Glaser, L. (1878): Beitrag zur Flora von Bingen und Umgegend.- Programm Großherzogl. Realschule Bingen: 20-27, Bingen
Hügin, G. & Hügin,H. (1997?): Die Gattung Chamaesyce in Deutschland - Bestimmungsschlüssel, Wuchsorte, Fundortskarten und Fragen zur Einbürgerung.- Ber. Bayer. Bot. Ges. 68

Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert, Trier


Botanische und landeskundliche Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Neuwied


 

 

Milzfarn (Ceterach officinarum)

 


 

Botanische Mehrtagsexkursion Botanische Sommer-Exkursion vom Pfingstsamstag, 07.06.2003 bis Pfingstmontag, 09.06.2003

Führung: Doris Engel, Neuwied

 


Bericht über die Exkursion vom 7. bis 9. Juni (Pfingsten) 2003
im Neuwieder Becken und in seiner näheren Umgebung

 7. Juni

1. Neuwied-Niederbieber (Blatt 5510 Quadrant 2)

Nachdem Frau Engel durch ihren Garten mit interessanten einheimischen Pflanzen (u. a. Hänge-Segge, Himmelsleiter) und einigen exotischen Gehölzen (z. B. Ginkgo, Judasbaum) geführt hatte, ging es zum nahegelegenen jüdischen Friedhof. Zwischen den Gräbern erstreckt sich eine magere Wiese mit Festknolligem Lerchensporn (Corydalis solida), Berg-Platterbse (Lathyrus linifolius), Gewöhnlicher Kreuzblume (Polygala vulgaris), Echter Schlüsselblume (Primula veris) und (Knolligem Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus). Früher wurden hier auch Orchideeen gefunden.

Auf einer Anhöhe am östlichen Ortsrand von Niederbieber gab Frau Engel einen Überblick über die Landschaft. Die Feldwege verlaufen dort zum Teil auf Dämmen, eine Folge des früheren Bims-Abbaues. Während die Felder durch den Abbau tiefer gelegt wurden und sich heute auf dem Lössboden erstrecken, der unter dem Bims zum Vorschein kam, ließ man manche Feldwege auf dem ursprünglichen Niveau. Viele Wegränder sind von der Orientalischen Zackenschote (Bunias orientalis) gesäumt, die im Juni mit ihrer gelben Blütenfülle die Landschaft des Neuwieder Beckens prägt.

2. Feldkirche bei Feldkirchen-Wollendorf (5510/2)

Bedeutendes Kulturdenkmal. Frühere Ting-Stätte mit alter Gerichtslinde. Romanische Kirche mit modernen Fenstern des bedeutenden Glasmalers Georg Meistermann.

3. Wanderpfad mit Aussichtspunkten bei Feldkirchen-Gönnersdorf (5510/3)

Frau Engel vermittelte hier, wo der Rhein aus dem Neuwieder Becken ins untere Mittelrheintal eintritt, einen weiteren geographischen und erdgeschichtlichen Überblick. Das Wirken der endogenen und exogenen Kräfte, welche die Erdoberfläche gestalteten, tritt gerade an dieser Stelle sehr plastisch vor Augen: Im Neuwieder Becken zeugen die hier sehr breiten Terrassenflächen vom Wechsel zwischen Sedimentation und Erosion im Eiszeitalter. Am Horizont weisen die Vulkankegel der Eifel auf die Kräfte des Erdinneren hin. Auch zur Stadt Andernach, die fast zu Füßen der Exkursionsteilnehmer lag und in die man wie in einen Stadtplan hineinschauen konnte, wusste die Exkursionsleiterin viel zu sagen.

Während der Wanderung gab es erste Begegnungen mit wärmeliebenden Pflanzen des Mittelrheintales, die jedoch alle auch an den folgenden Exkursionspunkten angetroffen wurden und dort Erwähnung finden.

4. Leutesdorf/Rhein (5510/1)

In der oberhalb von Leutesdorf gelegenen Brombeerschenke (Hof Haselberg) fand eine kurze Mittagsrast statt. Das Ausflugslokal liegt am Hang oberhalb der Hauptterrasse und bietet einen herrlichen Fernblick in die Eifel. Zu seinen Füßen erstreckt sich eine große Brombeerpflanzung. Speisen und Getränke, die aus Brombeeren zubereitet werden oder Brombeeren enthalten, sind die Spezialität des Hauses. Den Botaniker interessiert natürlich, welche Brombeerart hier angebaut wird. Es handelt sich die Sorte „Theodor Reimers“, eine Auslesezüchtung der Armenischen Brombeere (Rubus armeniacus). Als Wildform ist diese Brombeere vor allem in der Ruderalvegetation in ganz Deutschland eingebürgert und wird wegen ihrer großen und wohlschmeckende Früchte gerne von Beerensammlern aufgesucht.

Nachdem die Rucksackverpflegung im Freien verzehrt worden war, ließen sich die Teilnehmer in der Gaststätte Brombeer-Eis oder andere Köstlichkeiten als Nachtisch schmecken. Nach diesem kulinarischen Vorgeschmack auf die Botanik ging es dann aber mächtig los mit dem Botanisieren, und zwar im Naturschutzgebiet (NSG) Langenbergskopf.

Es handelt sich um den von Weinbergen umgebenen felsigen Schiefer-Steilhang des Rheintales unmittelbar bei Leutesdorf. Ein schmaler Pfad führt leicht abfallend durch das Gebiet, das vor allem durch seine reichen Diptamvorkommen bekannt ist, welche zugleich die nördlichsten im Mittelrheingebiet sind. Wegen der großen Zahl bemerkenswerter Pflanzenarten, welche die Exkursionsteilnehmer zu sehen bekamen, seien diese in alphabetischer Reihenfolge aufgezählt:

 
Acinos arvensis  Steinminze
Allium oleraceum Kohl-Lauch[1]
Amelanchier ovalis Felsenbirne
Anthericum liliago Astlose Graslilie
Artemisia campestris subsp. lednicensis Feld-Beifuß
Asplenium adiantum-nigrum Schwarzstieliger Streifenfarn
Asplenium septentrionale Nordischer Streifenfarn
Aster linosyris Gold-Aster
Carduus acanthoides Weg-Distel
Coincya monensis subsp. cheiranthos Lacksenf
Crataegus x macrocarpa Großfrüchtiger Weißdorn
Dianthus carthusianorum Kartäuser-Nelke
Dictamnus albus  Diptam (vereinzelt noch blühend)
Eryngium campestre Acker-Mannstreu
Isatis tinctoria Färber-Waid
Lactuca perennis Ausdauernder Lattich
Lactuca virosa Gift-Lattich
Ligustrum vulgare Gewöhnlicher Liguster
Melica ciliata Wimper-Perlgras
Phleum phleoides Glanz-Lieschgras
Polygonatum odoratum  Salomonssiegel
Prunus mahaleb Weichsel-Kirsche
Pyrus pyraster Wildbirne (neben alten Kultursorten der Birne)
Rhamnus cathartica Kreuzdorn
Sedum acre Scharfer Mauerpfeffer
Sedum album Weißer Mauerpfeffer
Sedum rupestre Felsen-Mauerpfeffer
Senecio inaequidens Schmalblättriges Greiskraut (noch spärlich)
Silene nutans Nickendes Leimkraut
Silene viscaria Pechnelke
Sorbus domestica Speierling
Sorbus torminalis Elsbeere
Stachys recta Aufrechter Ziest
Tanacetum corymbosum Ebensträußige Wucherblume
Vincetoxicum hirundinaria Schwalbenwurz

In Leutesdorf wurde die Pfarrkirche St. Laurentius aufgesucht. Im gotischen Kirchenschiff ist eine der ältesten Orgeln der Hunsrücker Orgelbauerfamilie Stumm zu sehen.

Botanisches Ziel war eine Mauer nahe dem Pfarrhaus mit einem prächtigen Vorkommen des Schriftfarns (Asplenium ceterach).

5. NSG Kronenberg bei Bad Hönningen (5409/4)

Das Naturschutzgebiet liegt am Hang eines Bachtales und umfasst Laubwald, einen Fichten-Altholz-Bestand und einige kleine Wiesen. Dem Wanderer fällt sofort die Häufigkeit basenliebender Arten wie z. B. des Christophskrautes (Actaea spicata) auf, die man im Bereich von Devonschiefern nicht erwartet. Ursache ist eine dicke Löss-Auflage, die an einer Stelle der Wegböschung gut zu sehen war. Als weitere Arten wurden notiert:

 Im Wald

Carex digitata Finger-Segge
Daphne mezereum Seidelbast
Paris quadrifolia  Einbeere
Pulmonaria obscura Dunkles Lungenkraut
Sanicula europaea Sanikel
Scilla bifolia 
Blaustern
Auf den Wiesen
Brachypodium pinnatum  Fiederzwenke
Briza media  Zittergras
Bromus erectus Aufrechte Trespe
Carex flacca  Blaugrüne Segge
Linum catharticum Purgier-Lein
Scabiosa columbaria  Tauben-Skabiose

Bekannt ist das Gebiet vor allem für seine zahlreichen und zum Teil sehr seltenen Orchideen-Arten. Wie die Exkursionsleiterin mitteilte, sind allerdings etliche der in älterer Literatur angegebenen Arten wie z. B. die Hummel-Ragwurz schon lange verschwunden. Andere sind stark zurückgegangen, z. B. durch Verbuschung von Wiesen. Wegen der Gefährdung der Vorkommen verbot es sich, dass die Exkursionsteilnehmer an alle Fundstellen geführt wurden. Schon von den Wegen aus gab es mehrere Arten zu sehen, die meisten allerdings im verblühten Zustand. In voller Blüte stand noch die Nestwurz-Orchidee (Neottia nidus-avis).

 8. Juni

 6. Hang hinter dem Bahnhof Linz/Rhein (5409/2)

Die Suche nach dem hier vorkommenden Lorbeer-Seidelbast (Daphne laureola) war vergeblich, was mit der dichten Belaubung des Unterholzes und der dadurch erschwerten Übersicht zusammenhing. Man hätte länger suchen müssen, um die Exemplare zu finden. Im Frühjahr fallen sie als immergrüne Pflanzen schon von weitem auf. Der Aufenthalt lohnte aber schon wegen des reichen Bewuchses einer hohen Stützmauer neben dem Asphaltweg. Auch am Fuß der Mauer und am Steilhang darüber gab es viel zu sehen:

Artemisia campestris subsp. lednicensis  Feld-Beifuß
Ballota nigra subsp. foetida  Schwarznessel
Bupleurum falcatum   Sichel-Hasenohr
Euphorbia esula    Esels-Wolfsmilch
Isatis tinctoria    Färber-Waid
Orobanche hederae   Efeu-Sommerwurz
Parietaria judaica  Mauer-Glaskraut
Senecio inaequidens   Lanzettblättriges Weidenröschen
Stachys recta    Aufrechter Ziest
Tordylium maximum   Zirmet

 7. NSG Erpeler Ley (5409/1-2)

Zunächst wanderte die Gruppe von Kasbach bis Erpel am Fuß des Basalt-Felsmassivs vorbei. Von dort aus konnte man sehr gut die verschiedenen Erstarrungsformen des Basaltes sehen, wozu auch ausgeprägter Säulenbasalt gehört. Entlang des Weges waren zu beobachten:

Hieracium piloselloides  Florentiner Habichtskraut
Rumex scutatus  Schild-Ampfer

 und im Auenwald nahe der Ruine der Remagener Rheinbrücke

Parthenocissus inserta Fünfblättriger Wilder Wein
Rosa corymbifera  Hecken-Rose

Bei der Brückenruine erinnerte die Exkursionsleiterin an die bedeutende Rolle, welche diese Brücke bei der Invasion der amerikanischen Armee im zweiten Weltkrieg spielte.

Danach fuhren die Teilnehmer zum Gipfel der Erpeler Ley hinauf, der sich als völlig ebenes Plateau präsentiert. Zur Hautptterrassenzeit floss nämlich der Rhein auf diesem Niveau und ebnete den Basalt ein.

Nachdem in der Ausflugsgaststätte Mittagsrast gemacht worden war, wanderte man auf dem gesicherten Wanderweg an der Oberkante des Felsmassivs entlang. Dort und auf dem Plateau war mehr von den wärmeliebenden Pflanzenbeständen des Felsmassivs zu sehen:

Alyssum montanum subsp. montanum   Berg-Steinkraut
Artemisia campestris subsp. lednicensis    Feld-Beifuß
Betonica officinalis                                 Heilziest
Dianthus carthusianorum                       Kartäuser-Nelke
Eryngium campestre                               Acker-Mannstreu
Genistella sagittalis                                Flügel-Ginster
Helianthemum nummularium                Sonnenröschen
Peucedanum cervaria                            Hirsch-Haarstrang
Scilla bifolia                                           Blaustern (verblühte Reste)
Trifolium alpestre                                   Alpen-Klee
Veronica teucrium                                 Großer Ehrenpreis

 Vergeblich wurde nach der Bibernell-Rose (Rosa spinosissima) Ausschau gehalten.

8. NSG Fockenbachtal bei Waldbreitbach (5410/4)

Das lange, gewundene Bachtal ist landschaftlich sehr reizvoll und botanisch vor allem wegen seiner Schluchtwaldgesellschaften bedeutsam. Beeindruckend waren die fast den gesamten Bach begleitenden lockeren Bestände des Ausdauernden Silberblattes (Lunaria rediviva) und der Zwiebel-Zahnwurz (Cardamine bulbifera). Recht zahlreich sind auch der Sumpf-Pippau (Crepis paludosa), das Dunkle Lungenkraut (Pulmonaria obscura) und der Wald-Gelbstern (Gagea lutea) vertreten. Als Rarität konnte an einer Stelle der Straußenfarn (Matteuccia struthiopteris) gezeigt werden. Auch Reste des dort vorkommenden Märzenbechers (Leucojum vernum) waren noch zu sehen. Als Baumarten fielen die Trauben-Kirsche (Prunus padus) und die Berg-Ulme (Ulmus glabra) auf. Auf dem Waldweg und seinem Rand gab es Vorkommen des Berg-Ehrenpreises (Veronica montana).

An einer Stelle zeigte die Exkursionsleiterin die Reste einer Glashütte. Zu diesem Zeitpunkt ließ sich Donnergrollen vernehmen, weshalb Frau Engel das ursprüngliche Vorhaben einer längeren Wanderung im oberen Fockenbachtal aufgab und statt dessen vorschlug, einige Örtlichkeiten in Neuwied aufzusuchen.

9. Neuwied (5510/4)

Der letzte Teil des Tagesprogramms spielte sich zwischen Gewittern und Regengüssen ab. Frau Engel führte durch den von ihr geplanten Schulgarten des Gymnasiums Neuwied und erläuterte ihr originelles Planungskonzept, das auf historische und ökologische Gegebenheiten Bezug nimmt. Ein Platzregen erschwerte die anschließende Rundfahrt zu einigen Sehenswürdigkeiten im Stadtzentrum und am Hochwasserdamm, wo nach Ratschlägen von Frau Engel Informationstafeln zum dortigen Pflanzenbewuchs aufgestellt wurden.

 9. Juni

 Da mehrere Exkursionsteilnehmer schon am Vorabend abreisen mussten, erlebte nur ein kleiner Teilnehmerkreis die sehr vielfältigen letzten Exkursionsziele. Über sie soll deshalb nur in kurzen Stichworten berichtet werden:

10. Ehemaliges Kloster Rommersdorf bei Heimbach-Weis (5511/1)

Historisch bedeutsame Klosteranlage mit ausgedehntem Park mit einheimischen und exotischen Gehölzen (u. a. Eschen-Ahorn, Felsen-Ahorn, Ginkgo, Liquidambar, Magnolie, Mammutbaum, Pimpernuss) und mehreren Teichen. Dort im Frühjahr reiche Geophytenflora. Gepflegte Gartenanlage im barocken Stil.

11. NSG Meerheck bei Heimbach-Weis (5511/3)

Hier versickert der Heimbach in den Schotterschichten der unteren Terrassen des Rheintales. Vogelschutzgebiet.

12. Tongrube Mülheim-Kärlich (5610/1)

Dieses Gebiet weist zwar eine artenreiche Pioniervegetation auf, wurde aber aus geologischen Gründen aufgesucht. In einem tertiären See wurden Tone abgelagert, von denen vor allem eine dicke Schicht eines tiefblau gefärbten Tones auffällt. Ihm vor allem gilt der Abbau, da er ein außerordentlich hohes Wasser-Bindevermögen besitzt und deshalb in der Keramik-Industrie als Beimischung zu spröderen Tonen sehr begehrt ist. Frau Engel konnte anhand der Schichtenfolge, die über diesem Blauton liegt, die jüngere Erdgeschichte wie in einem Bilderbuch erläutern.

 Leider nur noch in Anwesenheit von zwei Teilnehmern stattete Dr. Reichert Frau Engel den Dank für die kenntnisreiche Exkursionsführung ab, die den Teilnehmern das Neuwieder Becken und seine Umgebung in allen geographischen und botanischen Facetten vor Augen führte.  


[1] Der Kohl-Lauch blühte noch nicht. Vom Weinbergs-Lauch (Allium vineale), mit dem am Fundort auch zu rechnen war, ist er schon im Knospenzustand an den lang ausgezogenen Hochblättern zu erkennen, welche die Blütendolde umschließen. Sind in ihr schon Brutzwiebeln vorhanden, kann man deren Geschmack prüfen. Er erinnert an rohe Kohlrabi und nicht an Lauch.

Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert