Halbtrockenrasen am Maasberg bei Bad Sobernheim

Schwertblättriges Waldvöglein (Cephalanthera longifolia) 

Botanische Exkursion am Samstag, 12. Mai 2012
Führung: Jost Didlaukies, Meisenheim und Robert Fritsch, Idar-Oberstein

Reiche botanische Ausbeute am Maasberg bei Bad Sobernheim

m 12. Mai startete das Exkursionsprogramm 2012 der Pollichia-Kreisgruppe Bad Kreuznach. Am Parkplatz beim Kurzentrum am Maasberg hatten sich ca. 20 Teilnehmer eingefunden, um von Jost Didlaukies (Meisenheim) und Robert Fritsch (Idar-Oberstein) durch das von Botanikern schon seit mindestens 150 Jahren hoch geschätzte und oft aufgesuchte Gebiet geführt zu werden. Robert Fritsch gab vor dem Aufbruch einen kurzen Überblick über die Biotope und den Ablauf der Exkursion, während Jost Didlaukies auf die Schwierigkeit hinwies, selbst in einem solch hochkarätigen Gebiet dem Naturschutz zu seinem gebührenden Recht zu verhelfen. Scheibchenweise wurden botanisch wertvolle Magerrasen einem immer wieder erweiterten Golfplatz geopfert. Die im Naturschutz gesicherten Magerwiesen müssen immer wieder gemäht werden, um das Aufkommen von Gebüsch zu verhindern.

Gleich zu Beginn der Wanderung konnte an einer Böschung der geologische Untergrund studiert werden. Er besteht aus den sogenannten Waderner Konglomeraten der Rotliegend-Zeit. Damals wurden bei wüstenhaftem Klima durch gelegentliche Starkregen gewaltige Geröllmassen aus dem variskischen Gebirge im Bereich des heutigen Hunsrücks ins Vorland geschwemmt und mit tonigem Material im Laufe der Jahrmillionen zu einer Art Naturbeton verfestigt. Dieser enthält einen gewissen Kalkanteil und bietet auch kalkbedürftigen Pflanzen gute Wuchsbedingungen. Stellenweise ist der Kalkanteil allerdings aus dem Oberboden ausgewaschen, weshalb auch kalkmeidende Pflanzen anzutreffen sind. Diese Vielfalt der Bodenbedingungen ist neben wechselnden Geländeformen und den unterschiedlichen Nutzungsformen in früherer Zeit Ursache für den botanischen Reichtum.

Auf den Magerwiesen wurden unter anderem folgende bemerkenswerte Arten angetroffen: Sichel-Hasenohr (Bupleurum facatum), Feld-Mannstreu (Eryngium campestre), Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), Gewöhnliche Kreuzblume (Polygala vulgaris), Wiesen Salbei (Salvia pratensis), Aufrechter Ziest (Stachys recta) und Durchwachsenblättriges Hellerkraut (Microthlaspi perfoliatum).

Einige dieser Arten, z. B. der Aufrechte Ziest, bevorzugen deutlich die Waldsäume. Die größten Raritäten wurden im Waldbereich angetriffen: Forsters Hainsimse (Luzula forsteri) und die durch ihre breit ovalen Blattfiedern auffallende Erbsen-Wicke (Vicia pisiformis). Ihre blassgelben Blüten waren noch nicht zu sehen.

Sehr beeindruckt zeigten sich die Exkursionsteilnehmer von den prächtigen Exemplaren des Purpur-Knabenkrautes (Orchis purpurea), das in großen Gruppen den lichten Wald schmückte. Nach dem in Rheinland-Pfalz fast ausgestorbenen Frauenschuh ist es die stattlichste einheimische Orchidee. Da sie Halbschatten verträgt und folglich in Wäldern gedeihen kann, ist sie zum Glück nicht so gefährdet wie die an Wiesen gebundenen Orchideenarten.

Als weitere Orchideen gab es das an kalkhaltige Böden gebundene Bleiche Waldvöglein (Cephalanthera damasonium) und kalkmeidende Schwertblättrige Waldvöglein (Cephalanthera longifolia) zu sehen. Wegen ihrer unterschiedlichen Bodenansprüche sind sie selten so nahe beieinander anzutreffen. Vielleicht die größte Rarität des Maasbergs, das Rote Waldvöglich (Cephalanthera rubra), wurde schon länger nicht mehr nachgewiesen.

Nach der Mittagsrast folgte eine kurze Autofahrt zur Siedlung "Neues Leben". Von dort wanderte die Gruppe zum viel weniger bekannten Kahlenberg. Dort erwartete die Exkursionsteilnehmer der überraschende Anblick von ausgedehnten, bisher in dieser Fülle nie gesehenen Beständen der Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria). Als weitere Raritäten wurden der Felsen-Ahorn (Acer monspessulanum) und die Ebensträußige Wucherblume (Tanacetum corymbosum) beobachtet. Auch die sehr giftige Tollkirsche (Atropa bella-donna) war hie und da anzutreffen.

Sehr zufrieden mit der gut organisierten Exkursion, dem idealen Wanderwetter und der Fülle des Gesehenen traten die Teilnehmer am Nachmittag den Heimweg an.

Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert, Trier

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