Frühblüher der Friedhöfe und Parkanlagen in Bad Kreuznach

Botanische Exkursion am Samstag, 18.04,.2009
Führung: Dr. Hans Reichert, Trier

 

Mahonie (Mahonia aquifolium), eine Stinsenpflanze auf dem Friedhof und im Schlosspark von Bad Kreuznach


Stinsenpflanzen in Bad Kreuznach

Der Titel soll etwas neugierig machen, denn nicht jeder wird den Namen „Stinsenpflanzen“ schon gehört haben. Der Fachbegriff kommt aus den Niederlanden und bezeichnet wild wachsende Pflanzen, die fast nur auf Friedhöfen und in Parkanlagen wachsen. Viele von ihnen stammen von Zierpflanzen ab, die einst auf Gräbern und in Blumenrabatten der Parks gepflanzt wurden. Dass sie sich selbständig machen und auch ohne Zutun des Menschen in Parks und Friedhöfen ausbreiten konnten, hat verschiedene Gründe. Die Pflanzen stammen aus Regionen, die klimatisch von Mitteleuropa nicht allzu sehr verschieden sind. Ihre Konkurrenzfähigkeit reicht zwar nicht aus, um ihnen ein Eindringen in die Vegetation der freien Landschaft zu ermöglichen. In Parks und Friedhöfen, wo gelegentlich gemäht wird und hie und da auch mal Flächen umgegraben oder eingeebnet werden, wo Kiesbeläge einen dichten Wuchs verhindern, sind immer offene Stellen vorhanden, an denen sie Fuß fassen können. Auch wenig gepflegte Gräber sind geeignete Biotope.

Weiter benötigen die Stinsenpflanzen ausgeglichene Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse, die durch den Baumbestand der Friedhöfe und Parkanlagen garantiert werden. Ursprünglich waren nämlich viele von ihnen Waldbewohner.

Am 18. April traf sich am Haupteingang des Hauptfriedhofes in Bad Kreuznach trotz ständigen Nieselregens ein gutes Dutzend Teilnehmer, um die Frühblüher unter den Stinsenpflanzen kennenzulernen. Es war ein Glücksfall, dass zu dem angekündigten Exkursionsleiter Dr. Hans Reichert (Trier) noch Hans-Jürgen Dechent (Saulheim) hinzukam, der schon viele Friedhöfe in Rheinhessen intensiv erkundet hat und die Friedhofsflora deshalb bestens kennt. Der Bad Kreuznacher Friedhof war für ihn jedoch neu, und er nahm deshalb die Gelegenheit wahr, so viel wie möglich zu notieren. Obwohl es in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich war, das gesamte Friedhofsgelände abzugehen, registrierte Dechent nicht weniger als 130 Pflanzenarten. Nicht alles waren Stinsenpflanzen. Es gab auch viele „Allerweltsarten“ zu sehen, die genau so in der freien Natur zu finden sind.

Da es unmöglich ist, alle 130 Arten aufzuzählen, seien einige besondere Gruppen herausgegriffen.

Als typische Stinsenpflanzen wurden gefunden: Dalmatiner Krokus (Crocus tommasinianus), bereits verblüht; Garten-Hyazinthe; Gartentulpe; Garten-Vergißmeinnicht. Total verblüht und nicht mehr bestimmbar waren die Schneeglöckchen, von denen es verschiedene Arten gibt, und die Schneeglanz- (Chionodoxa-) Arten, die zu den häufigsten Stinsenpflanzen des Frühjahres gehören. Die Bleiche Vogelmiere (Stellaria pallida), die in den Rasenflächen auffällige gelbgrüne Teppiche bildet, kommt zwar im Bad Kreuznacher Raum auch in Weinbergen vor, ist aber z. B. im Moselgebiet eine ausgesprochene Stinsenpflanze.

Armenische Traubenhyazinthe
(Muscari armeniacum)

Eine weitere Gruppe bilden Pflanzen, die zwar hauptsächlich auf Friedhöfen und in Parkanlagen vorkommen, die aber gelegentlich auch in der freien Landschaft verwildern. Dazu gehört die Armenische Traubenhyazinthe (Muscari armeniacum) von der auf einer Rasenfläche eine große Schar zu bewundern war.

Von besonderem Interesse sind einheimische Arten, die infolge der Intensivierung der Landwirtschaft in der freien Natur immer seltener werden und in Friedhöfen und Parkanlagen ein Refugium gefunden haben. Dazu gehört der Acker-Gelbstern (Gagea villosa), von dem etliche nicht blühende Gruppen zu sehen waren. Hans-Jürgen Dechent fand schließlich ein verblühtes Exemplar. Bemerkenswert war auch ein Fund der Ackerröte (Sherardia arvensis).

Der Nieselregen zwang dazu, ständig die Schirme aufgespannt zu halten. Das verwehrte den Blick auf die Bäume, und es entging den Teilnehmern dadurch so manches bemerkenswerte Exemplar exotischer Arten. Lediglich ein paar Mammutbäume fanden Beachtung. Beim anschließenden Besuch der Schlossparks, der bei weitem nicht so viele wildwachsende Kräuter zu bieten hatte wie der Friedhof, wurde bei nachlassendem Regen mehr auf die Bäume geachtet. Die größte Attraktion ist eine riesige Sumpfzypresse (Taxodium distichum), die von einer bizarren Schar von Luftwurzeln umgeben ist, die wie Kobolde aus dem Boden ragen. Aufmerksamkeit fanden auch der Eisenholzbaum (Parrotia persica) aus der Familie der Zaubernussgewächse (Hamamelidaceae) und der Flügelnussbaum (Pterocarya spec.), der mit der Walnuss verwandt ist.
 
Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert

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