Feuchtwiesen und Waldbiotope im NSG Struth im nördlichen Soonwald


Hochspannungsleitung im Naturschutzgebiet (Struth)


Botanische Exkursion am Samstag, 26.08.2006
Führung: Robert Fritsch, Idar-Oberstein

Eine Stromtrasse als Exkursionsziel

 Die letzte botanische Exkursion des Jahres 2006 führte in das Naturschutzgebiet „Struth“ auf der Hunsrückhochfläche nordwestlich Rheinböllen. Es handelt sich um das bewaldete und von Magerwiesen und Sumpfwiesen durchsetzte Quellgebiet des Guldenbaches. Mitten durch das Gebiet verläuft eine Trasse mit Hochspannungsleitungen und unterirdischen Versorgungsleitungen, in welcher der Baumwuchs regelmäßig entfernt wird. Dies hat sich für den Naturschutz keineswegs nachteilig ausgewirkt – im Gegenteil. Auf der Trasse entwickelte sich Magerwiesen- und Heidevegetation, welche zahlreichen Pflanzen und Tieren Lebensmöglichkeiten bietet, die es in einem reinen Waldgebiet nicht gäbe. Vor allem lichtbedürftige und sonnenhungrige Arten wie z. B. viele Schmetterlings- und Heuschreckenarten profitieren davon.

Die Exkursionsteilnehmer hatten sich nach den Wetterberichten für den 26. August auf Regen gefasst gemacht und wurden angenehm überrascht. Nicht nur der Regen blieb aus; es wurde sogar angenehm warm, und man konnte sich unbeschwert den botanischen Erkundungen widmen. Auf der Stromtrasse bei Liebshausen lernten die Teilnehmer, geführt durch Prof. Dr. Barbara Ruthsatz (Trier) und Robert Fritsch (Idar-Oberstein) typische Magerwiesen-Arten wie Hain-Augentrost (Euphrasia nemorosa), Berg-Platterbse (Lathyrus linifolius), Blutwurz (Potentilla erecta), Kümmel-Silge (Selinum carvifolia) und Teufelsabbiss (Succisa pratensis) kennen. Auch nicht alltägliche Gräser und Seggen wurden demonstriert. z.B. der Zweizahn (Danthonia decumbens) und die Blaugrüne Segge (Carex flacca) Überraschend fand sich am Gebüschrand ein prächtiges Seidelbast-Exemplar (Daphne mezereum), womit wieder demonstriert wurde, dass dieser Strauch keineswegs an Kalkboden gebunden ist, wie in manchen Büchern behauptet wird.

Von der Trasse aus ging es dann in den Wald hinein zu einigen Sümpfen und Teichen mit dem seltenen Fieberklee (Menyanthes trifoliata) und dem Teich-Schachtelhalm (Equisetum fluviatile)

Von Wiebelsheim aus wurde ein anderer Teil der Struth aufgesucht. Auf der Stromtrasse wuchsen die gleichen Arten wie bei Liebshausen, zum Teil in noch reicheren Beständen. Als aggressive fremdländische Baumart macht sich die aus Nordamerika stammende Späte Traubenkirsche (Prunus serotina) breit. Sie wird hoffentlich nicht die schönen Heidekraut-Bestände überwuchern, welche allenthalben das Auge erfreuten.

An einer Wegeinmündung wies Robert Fritsch auf das seltene Öhrchen-Habichtskraut (Hieracium lactucella) hin, das er dort schon früher gefunden hatte. Ohne seinen Hinweis hätte man das zwischen Gräsern versteckte Pflänzchen nicht bemerkt.

Wieder führte der Weg dann in den Wald hinein, wo einige Pilze Aufmerksamkeit erregten, darunter der an sumpfige Stellen gebundene Gelbe Graustieltäubling oder Moortäubling. Er fällt durch das fast leuchtende Gelb seines Hutes auf. In einer Sumpfwiese gab es ein noch größeres Fieberklee-Vorkommen zu bewundern. Der hübsche Sumpf-Baldrians (Valeriana dioica) war leider nur noch in verblühtem Zustand zu sehen, ebenso das Sumpf-Veilchen.

Bereichert durch vielfältige landschaftliche Eindrücke und interessante Gespräche, auch mit dem ortskundigen Revierförster Hellwig, traten die Exkursionsteilnehmer gegen 16 Uhr die Heimfahrt an. Und da erst setzte Regen ein. 

Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert, Trier

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