Spätsommerflora der Stromtalwiesen am Riegeldamm bei Heidesheim und Ingelheim

 


 
In den Stromtalwiesen bei Heidenfahrt
 

Exkursion am Samstag, 30.08.2003
Führung: Hans-Jürgen Dechent, Nackenheim

Krönender Abschluss der sommerlichen Tagesexkursionen

in der Talaue des Rheins bei Heidenfahrt

 

Die Exkursion am 30. August schien unter keinem guten Vorzeichen zu stehen. Der extrem trockene Sommer dämpfte die Hoffnung auf gute botanische Ausbeute. Der anhaltende Regen am Morgen ließ befürchten, dass selbst treue Exkursionsteilnehmer zu Hause blieben.

Es kamen aber immerhin 10 Interessenten zusammen. Dem Exkursionsleiter Hans-Jürgen Dechent (Nackenheim) war es ganz lieb, dass der Kreis nicht größer war, denn so konnte er auf die reichlich gestellten Fragen der einzelnen Teilnehmer in Ruhe eingehen. Da er neben genauer Ortskenntnis und reichem botanischem Wissen auch über die Gabe verfügt, dieses in verständlicher und humorvoller Weise zu vermitteln, dürften alle Teilnehmer besonders viel gelernt haben. Unter anderem war die Exkursion geradezu ein Seminar über die Gänsefuß-Gewächse (Chenopodiaceen), da diese in besonders großer Artenzahl angetroffen wurden.  

Der in vielen Jahren geübte Brauch, bei den Spätsommer-Exkursionen Talauen, Flussufer und Ruderalplätze aufzusuchen, bewährte sich nach der extremen Hitze- und Trockenperiode dieses Sommers in besonderem Maße. Der Wasserspiegel des Rheins war stark gesunken, und so lagen Sandbänke und Schlammflächen seit vielen Wochen frei, und allerlei Pionierpflanzen waren dort aufgekeimt, darunter auch eine Reihe von eingewanderten Exoten. In den Auenwäldern hatte sich wegen der Nähe des Wassers die trockene Witterung nicht so stark ausgewirkt wie in anderen Biotopen, so dass auch dort eine Vielzahl von Pflanzenarten zu beobachten war.  

Am Rheindamm und in den Stromtalwiesen machten sich die Folgen der Trockenheit eher bemerkbar. Dank seiner genauen Ortskenntnisse konnte der Exkursionsleiter aber auch dort eine Fülle interessanter und seltener Arten zeigen, auch wenn einige davon schon verblüht oder vertrocknet waren.

Die folgenden Listen informieren kurz über die beachtliche botanische Ausbeute des Tages. Ziffern in Klammern hinter den deutschen Pflanzennamen weisen auf Fußnoten am Ende des Berichtes hin.

 1. Hochwasserdamm (32:434139 E, 5539526 N)

 Während die Hochwasserdämme entlang des Rheins infolge von Mahd und Trockenheit ziemlich kahl aussahen, wies der Querdamm südwestlich Heidenfahrt, der nur in größeren Abständen von der Gemeinde Heidesheim gemäht wird, eine üppige Vegetation auf.

  

Allium sphaerocephalon

Kugelkopf-Lauch

Cynodon dactylon

Hundszahn-Gras 

Dianthus carthusianorum

Karthäuser-Nelke 

Elymus campestris

Feld-Quecke (1) 

Equisetum ramosissimum

Ästiger Schachtelhalm 

Eryngium campestre

Feld-Mannstreu 

Hippocrepis comosa

Hufeisenklee 

Inula salicina

Weiden-Alant 

Peucedanum officinale

Arznei-Haarstrang 

Rhinanthus alectorolophus

Großer Klappertopf 

Rumex thyrsiflorus

Straußblütiger Ampfer 

Salvia pratensis

Wiesen-Salbei 

Stachys recta

Aufrechter Ziest 

Vincetoxicum hirundinaria

Schwalbenwurz 

 Die meisten dieser Arten waren in größeren Beständen zu sehen.

 2. Stromtalwiesen und angrenzende Schilfbestände (32:435672 E, 5540333 N)

Einige der Wiesenflächen, die zu den wertvollsten im Oberrheingebiet gehören, konnte die Rheinische Naturforschende Gesellschaft käuflich erwerben. Damit ist die Möglichkeit einer optimalen Pflege geschaffen.

Carex tomentosa

Filzige Segge

Cirsium tuberosum

Knollige Kratzdistel

Euphorbia palustris

Sumpf-Wolfsmilch

Filipendula vulgaris

Echtes Mädesüß

Galium boreale

Nordisches Labkraut

Lathyrus palustris

Sumpf-Platterbse

Pseudolysimachion longifolium

Langblättriger Ehrenpreis

Scutellaria hastifolia

Spießblättriges Helmkraut (2)

Serratula tinctoria

Färberscharte

Silaum silaus

Wiesen-Silge

Valeriana pratensis

Wiesen-Baldrian

Auf einer angrenzenden Ackerbrache haben sich schon nach einem Jahr des Brachliegens ansehnliche Bestände von Euphorbia palustris und Pseudolysimachion longifolium angesiedelt.

Auf einem benachbarten Acker stießen die Exkursionsteilnehmer auf das Spießblättrige Tännelkraut (Kickxia elatine).

 3. Trockengefallene, sandig-schlammige Fläche am Rheinufer beim Gasthaus Rheinterrasse in Heidenfahrt (32:548568 E, 5503325 N) 

Amaranthus blitum subsp. emarginatus

Ausgerandeter Fuchsschwanz

Chenopodium ficifolium

Feigenblättriger Gänsefuß

Chenopodium glaucum

Blaugrüner Gänsefuß

Chenopodium rubrum

Roter Gänsefuß

Cyperus fuscus

Braunes Zypergras

Eragrostis minor

Kleines Liebesgras

Lemna minuta

Zwerg-Wasserlinse

Limosella aquatica

Gewöhnlicher Schlammling

Plantago major subsp. intermedia

Vielsamiger Breit-Wegerich

Portulaca oleracea

Portulak

Potentilla supina

Niedriges Fingerkraut

Ranunculus sceleratus

Gift-Hahnenfuß

Veronica catenata

Roter Wasser-Ehrenpreis

 4. Ruderalgesellschaft auf einer planierten Fläche nahebei

Amaranthus blitoides

Westamerikanischer Fuchsschwanz

Amaranthus powellii

Grünähriger Fuchsschwanz

Amaranthus retroflexus

Zurückgekrümmter Fuchsschwanz

Datura stramonium

Stechapfel

Euphorbia esula

Esels-Wolfsmilch

Chenopodium pumilio

Australischer Gänsefuß

Setaria glauca

Graugrüne Borstenhirse

Setaria verticillata subsp. ambigua

Trügerische Borstenhirse (3)

5. Rheinufer mit Sandbänken und Auenwald auf der Kleinen Haderaue bei Budenheim

Acer negundo

Eschen-Ahorn (4)

Alisma plantago-aquatica

Gewöhnlicher Froschlöffel

Alopecurus aequalis

Rotgelbes Fuchsschanzgras

Amaranthus blitum subsp. emarginatus

Ausgerandeter Fuchsschwanz

Atriplex micrantha

Verschiedensamige Melde

Bidens cernua

Nickender Zweizahn (5)

Bidens frondosa

Schwarzfrüchtiger Zweizahn (6)

Bidens tripartita

Dreiteiliger Zweizahn

Chenopodium ficifolium

Feigenblättriger Gänsefuß

Chenopodium glaucum

Blaugrüner Gänsefuß

Chenopodium pumilio

Australischer Gänsefuß

Chenopodium rubrum

Roter Gänsefuß

Citrullus lanatus

Wassermelone

Cucurbita pepo

Kürbis (7)

Cuscuta europaea

Europäische Seide

Cyperus fuscus

Braunes Zypergras

Cyperus spec.

Unbekannte Zypergras-Art

Elodea nuttallii

Schmalblättrige Wasserpest

Eragrostis minor 

Kleines Liebesgras

Eragrostis multicaulis

Vielstängeliges Liebesgras

Herniaria glabra

Kahles Bruchkraut

Inula britannica

Ufer-Alant

Mentha aquatica

Wasser-Minze

Mimulus guttatus

Drüsige Gauklerblume

Myriophyllum spicatum

Ähriges Tausendblatt

Nepeta cataria

Katzenminze

Physalis peruviana

Peruanische Blasenkirsche (8)

Plantago major subsp. intermedia

Vielsamiger Breit-Wegerich

Oenanthe aquatica

Großer Wasserfenchel

Potamogeton crispus

Krauses Laichkraut

Potamogeton lucens

Glänzendes Laichkraut

Potamogeton nodosus 

Knotiges Laichkraut

Potamogeton pectinatus

Kamm-Laichkraut

Pulicaria vulgaris

Kleines Flohkraut (9)

Rorippa palustris

Gewöhnliche Sumpfkresse

Rorippa sylvestris

Wilde Sumpfkresse

Solanum lycopersicum

Tomate

Solanum nigrum subsp. schultesii

Behaarter Schwarzer Nachtschatten

Chenopodium ficifolium

Feigenblättriger Gänsefuß

Chenopodium glaucum

Blaugrüner Gänsefuß

Veronica catenata

Roter Wasser-Ehrenpreis

Fußnoten:

 (1) Stark blaugrün gefärbte Quecke mit sehr rauen Blattrippen. Manche Autoren trennen sie nicht von der Dünen-Quecke (Elymus athericus)

(2) Die größte botanische Rarität des Tages, ein kontinentale Art, die hier die Westgrenze ihrer Verbreitung erreicht  

(3) Manchen Botanikern besser unter dem Namen Setaria verticilliformis bekannt

(4) Durchweg in der Form mit grünen, nicht panaschierten Blättern

(5) Nach Auskunft des Exkursionsleiters seit 20 Jahren in Rheinhessen nicht mehr gefunden worden

(6) Nach Stichproben überwiegend in der var. anomala mit nicht widerhakigen Früchten vertreten, daneben aber auch in der Normalform

(7) Dekorativ an einem Strauch hochrankend

(8) Im Obsthandel auch unter dem in mehrfacher Hinsicht irreführenden Namen Kap-Stachelbeere bekannt. Bürgert sich in den Auenwäldern offenbar ein und wird auch in sonstigen Gebieten von Rheinland-Pfalz neuerdings verwildert beobachtet. Verwandt mit der Judenkirsche oder Lampion-Pflanze (Physalis alkekengi)

(9) Nach Auskunft des Exkursionsleiters in diesem Jahr entlang dem gesamten Rheinufer von Worms bis Bingen regelmäßig anzutreffen

 Koordinatensystem: UTM  

 Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert