Die Flora im Umkreis von Frankenstein (Nördl. Pfälzer Wald)


Exkursion am Samstag, 15. 06.2002 
Führung: Helmut Müller, Frankenstein

Kiefernwald bei Frankenstein  


Intensives Erleben von Landschaft und Flora im Umkreis von Frankenstein/Pfalz

Ob der abschreckende Wetterbericht mit der Ankündigung von heftigen Gewittern und Hagelschlag der Grund für die bisher einmalig geringe Teilnehmerzahl von nur drei Personen war? Der Exkursionsleiter Helmut Müller (Frankenstein) ließ sich nicht verdrießen und zeigte den drei Teilnehmern die Umgebung seines Heimatortes, wo er jeden Winkel und jeden Pflanzenstandort kennt. Da Einigkeit darüber herrschte, dass man nicht nur Raritäten sehen sondern einen Gesamteindruck von der Flora gewinnen wollte, ging man die Sache ruhig an und unternahm – übrigens bei trockenem und nur ganz am Schluss leicht regnerischem Wetter – drei kleinere Rundwanderungen, die vielfältige Eindrücke bescherten.

Zunächst musste es natürlich zur Burgruine Frankenstein hinaufgehen, die auf steilem Sandsteinfels über dem Dorf thront. Fast noch am Fuß des Berges machte Helmut Müller auf Knautia dipsacifolia subsp. gracilis aufmerksam, deren Vorkommen in der Pfalz erst seit wenigen Jahren sicher nachgewiesen ist. Der Habitus der Pflanze erinnerte stark an Knautia dipsacifolia subsp. dipsacifolia. Direkt daneben stand ein Exemplar, das ganz nach Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) aussah. Im Niederwald am Hang, also weitab von der Talaue, überraschte die Traubenkirsche (Prunus padus). Eine im Waldlehrpfad als Hundsrose beschilderte Wildrose ist in Wirklichkeit eine Art aus der Gruppe der Filzrosen, wahrscheinlich Rosa pseudoscabriuscula. Sicher kann man die Art erst zur Zeit der Fruchtreife bestimmen.

Eine recht artenreiche Flora mit wärmeliebenden Arten zierte die Mauern der Burgruine. Zu nennen wären die Felsennelke (Petrorhagia prolifera), der Dreifinger-Steinbrech (Saxifraga tridactylites), die Dach-Trespe (Bromus tectorum), der Wollige Schneeball (Viburnum lantana) und die Stumpfblättrige Rose (Rosa tomentella).

Auf der nitratbeeinflussten Fläche um die Waldlehrhütte bei der Burgruine fielen Storchschnabelbestände auf, die in der Beblätterung ganz gleich waren und sich nur durch die Größe der schmutzigviolett gefärbten Blüten unterschieden. Einige Gruppen hatten 3-4 mm lange Kronblätter, andere 5-6 mm lange. Bei denen mit den kleineren Blüten tippten die Exkursionsteilnehmer auf den Kleinen Storchschnabel (Geranium pusillum), was sich bei der Nachuntersuchung unter dem Binokular zu Hause bestätigte. Die andere Sippe ließ auch dann noch Fragen offen. Sie hat die unterschiedlich langen Haare des Weichen Storchschnabels (Geranium molle), nicht aber dessen rosa Blütenfarbe. Bei beiden Sippen tragen die äußeren Staubfäden keine Staubbeutel, was laut neuem Rothmaler-Band nur bei Geranium pusillum der Fall sein soll. Ob es sich um die seltene Hybride Geranium x oenense (molle x pusillum) handelt? An diesem Beispiel soll demonstriert werden, dass die vier Wanderer oft stehen blieben, sich Pflanzen genau anschauten und diskutierten.

Über einen anderen Pfad ging es dann wieder zum Dorf hinunter, wobei am bewaldeten Hang ein Exemplar des Dornigen Schildfarns (Polystichum aculeatum) und mehrere Pfifferlinge erspäht wurden.

Der nächste Rundweg verlief am Westhang des Spitzkopfes nordöstlich Frankenstein. Dort wachsen lichte Kiefernwälder mit mehr oder weniger hohem Rotbuchenanteil und vor allem in den höheren Hangpartien reichen Beständen von Heidelbeere und Preiselbeere (32:427630 E, 5477821 N). Es gibt dort, vor allem in Hangmulden, schon rein ästhetisch faszinierende Wald-Aspekte, die zum wiederholten Zücken der Digitalkamera animierten. Man profitierte auch von den Pilzkenntnissen des Exkursionsleiters und lernte den Narzissengelben Wulstling und den Elfenbein-Röhrling kennen. Letzterer ist ein Symbiose-Partner der hier öfters gepflanzten Weymouths-Kiefer. Auch der Bastard zwischen Heidelbeere und Preiselbeere, der in seiner Merkmalskombination deutlich zwischen den beiden Eltern steht, konnte ausgiebig betrachtet werden.

Die dritte Wanderung führte ins Glasbachtal westlich Frankenstein hinein. Hier gab es viele typische Arten bodensaurer, nitratarmer und zugleich feuchter Standorte zu sehen, darunter etliche Seltenheiten. Besonders beeindruckend ist die arten- und individuenreiche Farnvegetation mit Rippenfarn (Blechnum spicant), Buchenfarn (Phegopteris connectilis), Eichenfarn (Gymnocarpum dryopteris), Berg-Lappenfarn (Oreopteris limbosperma), Gewöhnlichem Dornfarn (Dryopteris carthusiana), Breitblättrigem Dornfarn (Dryopteris dilatata), Spreuschuppigem Wurmfarn (Dryopteris affinis) und Dornigem Schildfarn (Polystichum aculeatum). Verblüffend war, dass Helmut Müller selbst kümmerliche Exemplare des Spreuschuppigen Wurmfarns schon aus etlichen Metern Entfernung erkannte.

Auch die Bärlappe sind mit Keulen- und Tannen-Bärlapp (Lycopodium clavatum und Huperzia selago) (32:424067 E, 5479208 N) gut vertreten.

Als Besonderheit der Moosflora wurde an einer Spaltenquelle in einem Seitental das Laubmoos Hookeria lucens gefunden, dessen Zellen so groß sind, dass Personen mit guten Augen das Zellmuster mit bloßem Auge erkennen, wenn sie Blättchen gegen den hellen Himmel halten.

Auch hier wieder sah man öfters die Preiselbeere, weiterhin die Quendelblättrige Kreuzblume (Polygala serpyllifolia), das Schattenblümchen (Maianthemum bifolium), den Hasenlattich (Prenanthes purpurea), das Berg-Reitgras (Calamagrostis arundinacea) und die Finger-Segge (Carex digitata).

An etwas nährstoffreicheren Stellen des bachseitigen Wegrandes wuchs zerstreut ein Echtes Barbarakraut, bei dem es sich wegen der waagerecht abgespreizten Fruchtstiele und der bogig aufsteigenden Schoten nur um die Subspezies arcuata handeln kann. An einer ähnlichen Stelle gab es einen größeren Bestand des Mittleren Fingerkrautes (Potentilla intermedia) und recht große Schattenformen des Bauernsenfs (Teesdalia nudicaulis).

Erst kurz vor der Rückkehr zu den Wagen setzte leichter Nieselregen ein, was den positiven Aspekt hatte, dass die Regenschirme nicht umsonst mitgenommen worden waren.

In seiner bescheidenen Art nahm Helmut Müller den Dank für die rundum gelungene Exkursion fast mit etwas Verlegenheit entgegen.

 Koordinatensystem: UTM

 Zusammengestellt von Dr. H. Reichert

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