Botanische Exkursionen im Bereich des Donnersbergs

 
 
 
1. Landschaft und Flora am südwestlichen Rand des Donnersbergs (Hochsteiner Fels, Steinbruch Lenz am Kahlenberg)
 
 
 
2. Spendelrücken und Wildensteiner Tal - landschaftliche und botanische Höhepunkte im Donnersbergmassiv

 

 


Landschaft und Flora am südwestlichen Rand des Donnersbergs (Hochsteiner Fels, Steinbruch Lenz am Kahlenberg)

     

 

Ein Kleiner Fuchs (Aglais urticae) besucht Blüten 
des Feld-Thymians (Thymus pulegioides) 

Botanische Tagesexkursion am Samstag, 07. 07.2007 
Führung: Otto Schmidt, Kaiserslautern und Klaus Schaubel, Imsbach

 

Vielfältige Flora auf Vulkangestein

Exkursion am 7. Juli 2007 im oberen Alsenztal

Auf ihrem Weg von der Quelle bei Alsenborn bis zur Mündung in die Nahe bei Ebernburg quert die Alsenz zwei Mal das sogenannte Grenzlager zwischen dem Unter- und Oberrotliegend, das aus vulkanischen Gesteinen aufgebaut ist. Eine dieser Querungen befindet sich südwestlich des Donnersberg-Massivs zwischen Winnweiler und Rockenhausen. Markante Felsbildungen und Talengen zeigen, dass der kleine Fluss dort sein Tal regelrecht in die Gesteine hineinsägen musste. Der mächtigste Felsriegel, der Hochsteiner Fels beim Dorf Hochstein (32:0416326 E, 5492398 N), war das erste Ziel einer von Klaus Schaubel und Otto Schmidt geführten Exkursion bei idealem Wanderwetter.

Der Felsen ist aus einem Gestein aufgebaut, das früher Melaphyr genannt wurde und heute als Andesit bezeichnet wird. Es verdankt seine Entstehung effusivem Vulkanismus, also dem Ausfließen von Lava an der Erdoberfläche. Ein beträchtlicher Gehalt an basischen Mineralien wird durch das Vorkommen basenliebender Pflanzen angezeigt. Klaus Schaubel zeigte am Fuß der Felswand den Deutschen Streifenfarn (Asplenium x alternifolium) und erläuterte, dass es sich um einen Bastard zwischen dem tetraploiden Nordischen Streifenfarn (Asplenium septentrionale) und der nur auf kalkfreien Böden vorkommenden  diploiden Rasse des Braunstieligen Streifenfarns (Asplenium trichomanes ssp. trichomanes) handelt. Wo beide Elternarten wie hier nebeneinander wachsen, kommt es nicht selten zu dieser Kreuzung. Viel seltener ist die Kreuzung mit der tetraploiden Rasse des Streifenfarns (Asplenium trichomanes ssp. quadrivalens). Sie ist unter dem Namen Asplenium x heufleri bekannt und konnte einigen Waghalsigen bei einem beschwerlichen Abstecher in geröllreiches Gelände weiter oben am Hang gezeigt werden.

  

Asplenium trichomanes ssp. quadrivalens

Im unteren Hangbereich beeindruckten weiterhin Massenvorkommen der erst im Spätsommer blühenden Gold-Aster (Aster linosyris) und auf einer Wiese im Tal reiche Bestände der Heide-Nelke (Dianthus deltoides). Als Neophyten wurden die nordamerikanische Rosa palustris (Bestimmung noch nicht ganz sicher) und der aus Südwesteuropa mit Saatgut eingeschleppte Gestreifte Besenginster (Cytisus striatus) notiert.

An einem in Serpentinen aufwärts führenden Weg im bewaldeten Hang seitlich des Felsriegels waren Arten der Wälder und Waldsäume zu sehen, die nährstoff- und basenreiche Böden, zum Teil auch etwas Wärme anzeigen, wie z. B. die Armblütige Gänsekresse (Arabis pauciflora), der Großblütige Fingerhut (Digitalis grandiflora) und die Berg-Ulme (Ulmus glabra). Kurz vor Erreichen des Gipfels wandelte sich die Flora ziemlich unvermittelt: Jetzt traten Arten auf, die Wärme und Trockenheit anzeigen. In der Baumschicht gehören dazu der Felsen-Ahorn (Acer monspessulanum), die Felsen-Mispel (Cotoneaster integerrimus) und die Elsbeere (Sorbus torminalis), in der Krautschicht die Astlose Graslilie (Anthericum liliago), der Hügel-Meister (Asperula cynanchica), der Ährige Ehrenpreis (Pseudolysimachion spicatum) und die Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria).

Auf dem Gipfel genossen die Teilnehmer die Aussicht auf das tief unten liegende Dorf, das gewundene Alsenztal und die Berge der Umgebung. Otto Schmidt zitierte einen Text des verstorbenen Botanikers Otto Löhr, der die Entstehung der Felsrippe und ihrer Flora in bilderreicher, poetischer Sprache schilderte. Zur Geschichte des Gipfelkreuzes trug er eine Schilderung in altertümlichem Deutsch vor, die einiges Schmunzeln hervorrief.

Rätsel gab ein Baum auf, den keiner der Botaniker auf Anhieb bestimmen konnte. Die Vermutung, es könne sich um eine Erle handeln, wurde inzwischen von Dr. Ulrich Hecker (Mitverfasser der Gehölzflora von Fitschen) bestätigt. Aber auch er muss noch herausfinden, um welche Erlenart es sich handeln könnte, da die Blattform zu keiner der mitteleuropäischen Erlen passt.

Da der Aufenthalt am Hochsteiner Fels wegen des großen Interesses der Exkursionsteilnehmer länger gedauert hatte als geplant, mussten einige vorgesehene Ziele gestrichen werden, und man beschloss, nur noch den stillgelegten Steinbruch Lenz am Kahlenberg östlich Rockenhausen (32:0416702 E, 5497034 N) aufzusuchen. Diese Entscheidung erwies sich als gut. Denn auch dort gab es so viel zu sehen, dass es den Teilnehmern schwer fiel, gegen 17 Uhr den Rückweg anzutreten.

Hier steht ein Komplex vulkanischer Gesteine an, die im Perm unterhalb der Erdoberfläche erstarrten. Sie wurden in einem großen Steinbruch in mehreren Etagen abgebaut. Zugänglich sind die untere und die mittlere Sohle. Auf der unteren wurden unter anderem das Echte Tausengüldenkraut (Centaurium erythraea), der Stinkende Pippau (Crepis foetida), der Borstige Pippau (Crepis setosa), das Ungarische Habichtskraut (Hieracium bauhini) und das Florentiner Habichtskraut (Hieracium piloselloides) angetroffen. Ein etwas höher gelegener Teil beeindruckte zusätzlich durch ausgedehnte Blütenteppiche des Feld-Thymians (Thymus pulegioides).

Die mittlere Ebene ist lang gestreckt und teilweise von einem Rinnsal durchflossen, das nahe dem oberen Ende an mehreren Stellen aus dem Gestein heraussickert und Tümpel bildet. In ihnen ließen Gelbbauch-Unken (Bombina variegata) ihren unverkennbaren Ruf hören. Kaulquappen und adulte Exemplare konnten in größerer Zahl beobachtet werden. In der Flora beeindruckten zahllose winzige Exemplare der Kleinen Wolfsmilch (Euphorbia exigua), die schon ab einer Stängelhöhe von wenigen Zentimetern Blüten und Früchte hervorbringen. Das Kleine Tausendgüldenkraut (Centaurium pulchellum) gesellte sich stellenweise als weiterer Meister  im Bilden fruchtbarer Kümmerformen hinzu.

Eine weitere Besonderheit sind Bestände des Rosmarin-Weidenröschens (Epilobium dodonei), das ursprünglich im alpin-submediterranen Bereich beheimatet war, 1950 erstmals in der Nähe von Kusel in einem Steinbruch beobachtet wurde und seither fast alle Steinbrüche der Nordpfalz erobert hat. Offenbar wurden die Samen durch Fahrzeuge von Steinbruch zu Steinbruch verschleppt.

Die Teilnehmer zeigten sich sehr zufrieden und dankten den beiden Organisatoren und Führern für die sorgfältig vorbereitete Exkursion.

Koordinatensystem: UTM

Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert, Trier

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Spendelrücken und Wildensteiner Tal - landschaftliche und botanische Höhepunkte im Donnersbergmassiv


Ähriger Ehrenpreis (Veronica spicata)


Exkursion am Samstag, 17.06.2000
Führung : Hermann Lauer, Kaiserslautern


Bei strahlendem Sonnenschein traf sich auf einem schattigen Waldparkplatz beim Gastaus Wildenstein eine Gruppe von 12 Teilnehmern, um unter Führung von Studiendirektor i.R. Hermann Lauer über den Kamm des als Naturschutzgebiet bekannten Spendelrückens zu wandern.
Hermann Lauer schrieb bereits 1961 eine botanische Monographie über das Gebiet und hat seit damals so manchen Wandel in der Vegetation und im Landschaftbild beobachtet. So ist z.B der Wanderpfad über den Kamm durch Windbruch und Überwachsung streckenweise total verwildert und schwer passierbar, was Lauer zu warnenden Hinweisen veranlasste. Die Teilnehmer ließen sich aber nicht abschrecken und bewältigten die Strecke, nicht ohne ein paar Ausrutscher und Stürze, die aber keine schlimmen Folgen hatten. Dafür wurden sie durch eine Fülle botanischer Raritäten belohnt. Der Weg führt durch wärmeliebende Wälder mit Felsen-Ahorn (Acer monspessulanum) und Elsbeere (Sorbus torminalis). Den Hinweis des Exkursionsleiters, man möge auf die Weißdorne achten, führte zum Nachweis von drei Arten: Neben dem Zweigriffeligen Weißdorn (Crataegus laevigata) mit seinen kurz dreieckigen Kelchblättern war reichlich der Bastard Crataegus x macrocarpa mit längeren und spitzeren Kelchblättern zu finden, dessen Blüten teils zweigriffelig sind (Hinweis auf die zuvor genannte Elternart), teils eingriffelig (Hinweis auf den Großkelchigen Weißdorn als Elternart). Auch der seltene Großkelchige Weißdorn (Crataegus rhipidophylla) mit seinen ringsum gezähnten Blättern und auffallend langen,
schmalen Kelchblättern wurde gefunden. Bald traf man auf einen Bestand der Türkenbundlilie (Lilium martagon), bei dem zahlreiche Blütenstände von Rehen abgefressen waren. Wenig später kam die seltenste Pflanze des Donnersbergs, die Deutsche Hundszunge (Cynoglossum germanicum) in Sicht, die nur an ganz wenigen Stellen Deutschlands vorkommt. Während die Hundszungen vereinzelt oder in kleinen Gruppen auftrat, wuchs der Glänzende Storchschnabel (Geranium lucidum) fast entlang des gesamten Wanderweges. Weitere Besonderheiten waren der Hügel-Klee (Trifolium alpestre), die Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria), die Kriech-Rose (Rosa arvensis) mit ihrem charakteristischen Griffelsäulchen), das Vielblütige Knäuelgras (Dactylis polygama) und der Salomonssiegel (Polygonatum odoratum). An einer baumfreien, felsigen Stelle traf man auf den Ährigen Ehrenpreis (Veronica spicata) und den Ausdauernden Knäuel (Scleranthus perennis).
Als weitere große Besonderheit zeigte Hermann Lauer in der Nähe des "Grauen Turmes", eines an Felsen und Geröllhalden reichen Teils des Spendelrückens, eine großen Bestand des Gelben Eisenhutes (Aconitum vulparia), der dort schon seit den Zeiten des bedeutenden pfälzischen Botanikers Fritz Schultz (um 1870) bekannt ist und sich, solange Hermann Lauer ihn kennt, in seiner Ausdehnung nicht im geringsten verändert hat.
Der Rückweg führte über einen bequemen Waldweg etwas unterhalb des Kammes am Südwesthang. Auch dort gab es bedeutende Pflanzenvorkommen zu sehen: Im Wald reichlich Wald-Reitgras (Calamagrostis arundinacea) und an einer lichten, steinigen Stelle Arznei-Haarstrang (Peucedanum officinale), Peletiers Habichtskraut (Hieracium peleterianum) und Blutroter Storchschnabel (Geranium sanguineum).
Fast zum Ausgangspunkt zurückgekehrt, waren die Exkursionteilnehmer nur schwer von Vogelkirsch-Bäumen wegzulocken, die reich mit Früchten behangen waren. Dr. Hans Reichert dankte als Leiter des Botanischen Arbeitskreises seinem Studienkollegen Herman Lauer für die kenntnisreiche Führung. Es würde den Umfang dieses kurzen Berichtes sprengen, wollte man alle die Hinweise auf Geologie, Heimatgeschichte, Forstwirtschaft und Tierwelt (z.B. die um 1960 ausgesetzten Mufflons) zitieren, mit denen Lauer seine botanischen Erläuterungen in einen größeren Zusammenhang stellte.

Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert, Trier