Besuch des Rheinland-Pfälzischen Storchenzentrums in Bornheim bei Landau und Wanderung über die Kleine Kalmit zur Beobachtung der Frühlingsflora
         

Botanische Exkursion am Samstag, 08.05.2010
Führung: 1. Jürgen Borlinghaus, Essingen, 2. Norbert Berlinghof, Mannheim

 

Weißstorch (Ciconia ciconia) auf dem Nest in Bornheim


Vielfältige Eindrücke an der südlichen Weinstraße

 Die erste Exkursion des Botanischen Arbeitskreises war nicht nur botanisch ausgerichtet. Ob dies einige Mitglieder ferngehalten hat? Denn es traf sich nur ein Dutzend Teilnehmer. Denen wurde aber sehr viel geboten, und sie waren am Ende voll des Lobes über die gelungene Veranstaltung.

Es begann ornithologisch mit dem Besuch des Storchenzentrums in Bornheim bei Landau. Man könnte allein über diesen Programmpunkt seitenlang berichten. Auf die kürzest mögliche Form gebracht, sei folgendes dazu gesagt: Von 1950 an verringerte sich die Zahl der Störche in Rheinland-Pfalz kontinuierlich. 1974 wurde der letzte Storch an der Neumühle bei Offenbach nahe Landau beobachtet. Von 1974 bis 1996 war Meister Adebar in Rheinland-Pfalz ausgestorben. In Baden-Württemberg, wo ein ähnlicher Rückgang zu beobachten war, startete man schon 1975 ein Wiederansiedlungsprojekt, das 1997 erfolgreich abgeschlossen wurde. Alle dort als Brutpaare nicht mehr benötigten Störche wurden auf Initiative der zuvor gegründeten Aktion Pfalzstorch e. V. in die Pfalz überführt. Sie dienten als Projektvögel (zur direkten Auswilderung), als Lockvögel (zur Ansiedlung von Wildvögeln) und als Ammen für die Aufzucht von verwaisten Jungvögeln und Gelegen. Auch das pfälzische Projekt wurde dank des Einsatzes vieler kompetenter und ehrenamtlicher Mitarbeiter zu einem großartigen Erfolg. Bornheim bei Landau entwickelte sich dabei zu einem Zentrum der Aktivitäten.

Der Botanische Arbeitskreis hatte das Glück, das „Storchendorf“ gerade in dem Jahr zu besuchen, in dem die Zahl der Störche in der Pfalz genau wieder den Stand von 1948 erreicht hat. Die in Bornheim brütenden 10 Paare sind nicht zu übersehen. Schon bei der Anfahrt zum Dorf flog uns wie zur Begrüßung ein Storch entgegen.

Am Rathausplatz des allein schon durch schöne alte Häuser und prächtige Bauerngärten faszinierenden Dorfes lernten wir den architektonisch gelungenen und harmonisch in das Ortsbild eingefügten Neubau des Storchenzentrums kennen. Es birgt eine museumstechnisch perfekte, interaktive Ausstellung, die auch Kindern mannigfache Anreize bietet. Dort führte Jürgen Borlinghaus durch einen brillanten und mit Humor gewürzten Vortrag in die Thematik ein. Außer den schon oben mitgeteilten Fakten erfuhren die fasziniert lauschenden Zuhörer von ihm noch viele weitere erstaunliche Tatsachen über das scheinbar so gut erforschte Leben des Storches. Wer wusste schon, dass es keineswegs Frösche sind, die auf seiner Speisekarte ganz oben stehen, und dass die Sache mit den Ostziehern und Westziehern, welche Afrika einerseits stets über Palästina und andererseits stets über die Straße von Gibraltar erreichen, nicht hundertprozentig stimmt?

Die Wiedereinbürgerung des Storches stünde auf schwachen Füßen, wenn nicht gleichzeitig etwas für die Verbesserung seines Lebensraumes getan würde. In der Nähe von Bornheim gehört dazu die Reaktivierung der alten landwirtschaftlichen Methode der Wiesenbewässerung. Mit Hilfe eines ausgetüftelten Systems von Gräben und Stauwehren wird die Talaue der Queich im Frühjahr abschnittweise von Wasser des Baches überrieselt und durch dessen Nährstoffgehalt maßvoll gedüngt. Die Exkursion fand genau zum richtigen Zeitpunkt statt, um die Wiesenbewässerung zunächst an einem gerade fertiggestellten Modell im Storchenzentrum und anschließend in natura beobachten zu können. In den Queichwiesen zeigte sich auch gleich die ornithologische Bedeutung der Wiesenbewässerung. Man sah eine große Ansammlung von Störchen, die auf den vernässten Wiesen reichlich Regenwürmer und anderes Kleingetier finden, sowie einige Limikolen und Enten.

Der Nachmittag war von der Botanik und von herrlichen Ausblicken über die Landschaft des südlichen Haardtrandes geprägt. Geführt von Norbert Berlinghof, der auf dem Kalkhügel der Kleinen Kalmit südwestlich Landau jeden Quadratmeter kennt, wurde die Frühlingsflora dieses in Botanikerkreisen seit langem bekannten Exkursionszieles erkundet. Besondere Aufmerksamkeit galt den Orchideen, z. B. der Grünen Hohlzunge (Coeloglossum viride), die hier eines der größten Vorkommen in Rheinland-Pfalz hat, und der Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes), die etliche Teilnehmer schon lange nicht mehr zu sehen bekommen hatten.

Wie so oft war auch Petrus dem Arbeitskreis wohlgesonnen. Ein kleines Zwischenhoch in einer regnerischen Periode sorgte dafür, dass alle Naturschönheiten bei angenehmer Temperatur und gelegentlich durchblickender Sonne genossen werden konnten.

Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert

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