Frühlingsflora im Aulheimer Tälchen bei Uffhofen/Rheinhessen und Wingertsberg bei Erbes-Büdesheim

Botanische Exkursion am Samstag, 26.04.2008
Führung: Robert Fritsch, Idar-Oberstein und Dr. Hans Reichert, Trier

 

Hartgras (Sclerochloa dura)


Ein versteckter botanischer Schatz in Rheinhessen

Erste Exkursion im Jahr 2008

Das rheinhessische Tafel- und Hügelland ist dort landschaftlich am reizvollsten und ökologisch am vielfältigsten, wo es an das Nordpfälzer Bergland angrenzt und geologisch mit ihm verzahnt ist. Aus den tertiären Kalk- und Tonschichten ragen dort inselartig Vorkommen permischer Vulkangesteine auf. Während im Bereich des Tertiärs sanft geformte Hügel und Mulden sowie Plateauflächen vorherrschen, die wegen ihrer guten Böden fast durchweg landwirtschaftlich genutzt sind und eine recht artenarme Flora aufweisen, herrscht dort, wo Vulkanite zutage treten, große biologische Vielfalt. Dafür gibt es mehrere Ursachen. Das Relief ist dort lebhafter, und es gibt steile und felsige Hänge. Vor allem die Südhänge erwärmen sich im Sommer rasch, und es herrschen dort dann Temperaturen wie im Mittelmeergebiet oder in asiatischen Steppenregionen. Manche Hänge sind so steil und felsig, dass sie vom Menschen allenfalls für gelegentliche Schafbeweidung genutzt wurden. Dort blieben Trockenrasen erhalten, die in einer nacheiszeitlichen Wärmeperiode in Mitteleuropa weiter verbreitet waren und sich bei der nachfolgenden Klimaverschlechterung nur noch an solchen Felshängen halten konnten. In diesen Rasen sind viele Pflanzenarten anzutreffen, deren Verbreitungszentrum in den Steppengebieten Südosteuropas oder Asiens oder in den Randbereichen des Mittelmeergebietes liegt.

Die meisten dieser Biotope sind seit dem frühen 19. Jahrhundert in Botanikerkreisen bekannt, man kann sogar sagen berühmt. Einige wenige liegen so versteckt inmitten des monotonen Tertiärgebietes, dass sie erst spät entdeckt wurden. Dazu gehört das Aulheimer Tälchen bei Flonheim-Uffhofen. Das an dessen nördlichem Hang anstehende permische Vulkangestein Andesit war ursprünglich völlig von tertiären Ablagerungen bedeckt. Es wurde dadurch freigelegt, dass der dort fließende Bach ein Tal in die Landoberfläche grub und dabei die harten vulkanischen Gesteine aus den ziemlich weichen tertiären Ablagerungen sozusagen freipräparierte. Da dies innerhalb eines Tales erfolgte, das abseits der Verkehrswege liegt und von weitem nicht einsehbar ist, kannten bis in die Zeit um 1950 nur die Einheimischen die dortigen Felsbildungen und nutzten sie stellenweise als Steinbruch. Den bedeutenden Botanikern Ludwig Geisenheyner (1841-1926) und David Wiemann (1885-1948), die ansonsten das Nahegebiet wie ihre Westentasche kannten, blieb das Aulheimer Tälchen unbekannt.

Als erster erkannte um 1950 der an der Volksschule Wendelsheim tätige Lehrer J. Galle, ein guter Pflanzenkenner, den botanischen Reichtum des Tales. Er informierte Alfred Blaufuss und der wiederum Dieter Korneck. Dieser schrieb zwei Aufsätze (siehe unten) und machte das Aulheimer Tälchen damit der botanischen Fachwelt bekannt.

Es ist kurios, dass es nochmals ein halbes Jahrhundert dauerte, bis die Pollichia-Kreisgruppe Bad Kreuznach und der Botanische Arbeitskreis Nahe-Hunsrück eine Exkursion dorthin unternahmen.

Am 26. April 2008 war es so weit. Geführt von Robert Fritsch, erkundeten knapp 20 Exkursionsteilnehmer bei strahlendem Sonnenschein das Gebiet, das nicht nur botanisch, sondern auch kulturgeschichtlich ein mediterranes Flair hat. In den Weinbergen stehen hie und da die aus Süditalien bekannten Trulli, Weinbergshäuschen mit kegelförmigem Dach. Sie wurden teils schon im 18. Jh. vermutlich von italienischen Steinbruch-Gastarbeitern gebaut.

Da die Biotope des Aulheimer Tälchens teilweise sehr empfindlich sind, soll nichts Genaueres über die Exkursionsroute und die Fundstellen gesagt werden. Die folgende Liste beobachteter Pflanzen macht deutlich, welche Fülle von seltenen und gefährdeten Pflanzen hier auf engstem Raum versammelt ist.

In Klammern sind die Gefährdungsgrade der Roten Liste beigefügt.

Alyssum alyssoides                                 Kelch-Steinkraut

Androsace elongata                                  Langstieliger Mannsschild                                 2

Anthericum liliago                                     Astlose Graslilie

Asperula cynanchica                                Hügel-Meister

Carex humilis                                            Erd-Segge

Eryngium campestre                                Feld-Mannstreu

Fragaria viridis                                          Knackelbeere

Globularia bisnagaria (punctata)              Gewöhnliche Kugelblume                                  2

Himantoglossum hircinum                       Bocks-Riemenzunge                                         2

Minuartia fastigiata                                    Büschel-Miere                                                    2

Myosotis stricta                                        Sand-Vergissmeinnicht

Orobanche amethystea                            Amethyst-Sommerwurz                                    1

Oxytropis pilosa                                        Zottige Fahnenwicke                                          2

Petrorhagia prolifera                                 Sprossendes Nelkenköpfchen (Felsennelke)

Potentilla incana                                        Sand-Fingerkraut

Sclerochloa dura                                       Hartgras                                                             2

Seseli hippomarathrum                            Pferde-Sesel                                                      2

Silene otits                                                Ohrlöffel-Leimkraut                                            3

Stachys recta                                           Aufrechter Ziest

Stipa capillata                                            Haar-Pfriemengras                                            3

Stipa joannis                                             Grauscheidiges Federgras                                3

Teucrium chamaedrys                             Edel-Gamander

Teucrium botrys                                       Trauben-Gamander

Veronica praecox                                     Früher Ehrenpreis

Veronica triphyllos                                    Finger-Ehrenpreis

 

Literatur

Hecker, U. (1981): Geschützte und schützenswerte rheinhessische Pflanzenbiotope. I. Die Rabenkanzel bei Flonheim. - Mainzer Naturw. Archiv 19: 89-99, Mainz

Korneck, D. (1956): Die Rabenkanzel bei Uffhofen - ein übersehener Steppenheidewuchsort Rheinhessens. - Hess. Florist. Br. 5 (57): 1-3, Offenbach/M. -Bürgel

Korneck, D. (1961):  Das Aulheimer Tälchen in Rheinhessen. - - Hess. Florist. Br. 10 (118): 55-56

 

Dr. Hans Reichert

 Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert

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