Warmtrockene Biotope im Alsenztal von der Ebernburg an aufwärts


Ebernburg


Botanische Exkursion am Samstag, 08.06..2013
Führung: Jost Didlaukies, Meisenheim und Robert Fritsch, Idar-Oberstein

Auf botanischer Pirsch im unteren Alsenztal

Für die zweite Tagesexkursion des Jahres 2013 wurden Ziele ausgewählt, die überwiegend nicht zu den “botanischen Pilgerstätten” des Nahegebietes gehören, und bei denen mit Neufunden gerechnet werden konnte. Deshalb die Anspielung auf die Jagd in der Überschrift.

Bei strahlendem Sonnenschein traf sich eine Teilnehmergruppe von etwa 20 Personen auf dem großen Parkplatz bei der Ebernburg. Von dort aus startete unter Leitung von Jost Didlaukies und Robert Fritsch zunächst eine kurze Wanderung auf dem Bergrücken südlich der Ebernburg. Dort trifft man auf wärmeliebendes Gebüsch mit artenreichen Saumgesellschaften. Am ostexponierten Hang zur Alsenz hin gibt es Weinbergsbrachen.

In einer großen Weinbergsbrache im Gras-Stadium der Sukzession fiel ein großer Bestand von Habichtskräutern der Gattung Pilosella ins Auge. Ein Teil der Exemplare war dem Ungarischen Habichtsraut (Hieracium bauhini) zuzuordnen. Dazwischen wuchsen aber viele Pflanzen mit tief gegabeltem Blütenstand, bei denen es sich um Hybriden handeln muss. Mitgenommene Exemplare müssen noch bestimmt werden.

Als weitere hochwüchsige Kräuter fielen der Schöne Pippau (Crepis pulchra) und der Bleiche Schotendotter (Erysimum crepidifolium) auf.

In den Gebüschen auf dem Bergrücken gab es neben dem Felsenahorn (Acer monspessulanum) viel Weichselkirsche (Prunus mahaleb). Gebüschsäume und Böschungen waren von einem bunten Blütenflor geschmückt. Von den vielen blühenden Arten seien stellvertretend die Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum), der Rundblättrige Storchschnabel (Geranium rotundifolium), der Färber-Waid (Isatis tinctoria), der Aufrechte Ziest (Stachys recta) und der Frühblühende Quendel (Thymus praecox) genannt.

Die nächste und längste Etappe der Exkursion war eine Wanderung im Eilbachtal südöstlich Altenbamberg am Unterhang des Bremroth. Neben noch bewirtschafteten Weinbergen in Südexposition gibt es dort Brachflächen in verschiedenen Stadien der Sukzession. Wir folgten einem teils grasbewachsenen Weg, auf dem an flachgründigen Stellen immer wieder kleinere Bestände des Zwerg-Schneckenklees (Medicago minima) zu sehen waren. Am Rand des Weges wurden dank des Scharfsinnes zweier Exkursionsteilnehmer zwei bis dahin in diesem Tal noch nicht nachgewiesenen Wickenarten entdeckt: die Pannonische Wicke (Vicia pannonica) und die Erbsen-Wicke (Vicia pisiformis). Erstere nur in wenigen Exemplaren, letztere als Einzelexemplar. Als weitere bemerkenswerte Arten wurden die Armblütige Kohlkresse (Fourraea alpina, älterer Name Arabis pauciflora), wiederum der Schöne Pippau (Crepis pulchra), die Echte Hundszunge (Cynoglossum officinale), das Blaugrüne Labkraut (Galium glaucum), die Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), die Schwarzwerdende Platterbse (Lathyrus niger) und das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea) notiert.

Der Rückweg gestaltete sich etwas schwierig, da eine vorausgehende Regenperiode Rinnsale und Schlammstellen auf den Waldwegen hinterlassen hatte. Eine Furt konnte nur mühsam überquert werden. Belohnt wurden die Mühen durch den Fund von Apium nodiflorum an einem Teich.

Nächste Station war ein beim Bau der Umgehungsstraße von Alsenz abgegrabener Berg-
hang am Niedermoscheler Berg bei Alsenz. Durch Ansaat oder durch unbeabsichtigte Einschleppung beim Straßenbau hat sich dort ein Massenvorkommen des Echten Salbeis (Salvia officinalis) entwickelt, dem als weitere nicht heimische Arten das Weidenblättrige Rindsauge (Buphtalmum salicifolium), der Österreichische Lein (Linum austriacum), der Hain-Salbei (Salvia nemorosa) und der Echte Thymian (Thymus vulgaris) beigemischt sind. Dazwischen haben sich aber auch einheimische Arten angesiedelt, die für trockenwarme Hänge typisch sind: Färber-Hundskamille (Anthemis tinctoria
), Echter Knollenkümmel (Bunium bulbocastanum), Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) und andere.

Noch ein Stück weiter aufwärts im Alsenztal liegt der letzte Exkursionspunkt, der Südhang des Aspernberges bei Oberndorf. Dort gibt es einen artenreichen Halbtrockenrasen, der aus einer Weinbergsbrache hervorgegangen ist. Dort trafen wir etliche Arten an, die wir schon am Unterhang des Bremroth gesehen hatten: Orientalisches Zackenschötchen (Bunias orientalis), Schöner Pippau (Crepis pulchra), Acker-Klettenkerbel (Torilis arvensis) und andere. Recht unterschiedlich aussehende Exemplare aus dem Formenkreis der Schmalblättrigen Wicke und der Saat-Wicke (Vicia angustifolia und V. segetalis) müssen noch genauer untersucht werden.

Die „Pirsch“ erbrachte aber auch hier zwei bemerkenswerte Neufunde, und zwar am Rand der K 25: An der Einmündung eines Feldweges hat sich an einer ansonsten unbewachsenen Stelle ein Bestand des eingeschleppten Spanischen Mauerpfeffers (Sedum hispanicum) angesiedelt, und an der grasbewachsenen und von der Straßenverwaltung ab und zu gemähten Böschung fanden wir vereinzelt den Rauen Eibisch (Althaea hirsuta). Das war der krönende Abschluss einer von bestem Wanderwetter begünstigten Exkursion.

Zusammengestellt von Dr. Hans Reichert, Trier

 ·       zurück zur Hauptseite